Einer für alle: die faszinierende Schwarmintelligenz der Ameisen

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Sie leben in sozialen Staaten mit hochkomplexen Organisationsstrukturen, kommunizieren über Gerüche und können gigantische Körperkräfte freisetzen. Ameisen sind eine der faszinierendsten Lebewesen unseres Planeten - doch was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Blühendes Österreich klärt dich auf!

Ameisen: Geschöpfe der Superlative

In ihrem Dokumentarfilm „Ameisen – Die heimliche Weltmacht“ offenbaren Regisseur und Kameramann Wolfgang Thaler und der Würzburger Professor Bert Hölldobler, seines Zeichens weltweit führender Ameisenforscher, ihrem Publikum schier Unglaubliches: Angefangen bei verblüffenden Fakten wie „alle Ameisen zusammen wiegen so viel wie die gesamte Menschheit“ oder „die Bewohner eines einzigen Ameisennestes vertilgen an einem Tag so viel Grünzeug wie eine ausgewachsene Kuh“ über die „Camponotus schmitzi“ aus Borneo, die als einzige Ameise der Welt schwimmen und tauchen kann. Sie zeigten einen freigelegten Bau einer riesigen Kolonie von Grasschneider Ameisen, der ein über 50 Quadratmeter verzweigtes gigantisches System von unterirdischen Gängen, Pilzgärten, Brutkammern und Komposthöhlen beherbergt, das acht Meter tief in die Erde reicht.

Faszinierende Meisterleistungen wie diese vollbringen die winzigen Superhelden aber nicht alleine durch ihre physischen Eigenschaften – ihre wahre Superkraft liegt im Kollektiv.

 

Das Geheimnis sozialer Insekten

„Eine Ameise alleine, das heißt ohne Stock, ist nicht überlebensfähig“, erklärt der Entomologe Univ.- Prof. Mag. Dr. Harald W. Krenn von der Universität Wien. „Ich denke, das Geheimnis der Schwarmintelligenz liegt im kleinen Repertoire an unflexiblen, genau an die Aufgaben angepassten Verhaltensweisen und recht einfachen Regeln, die jedes Mitglied eines solchen Schwarms in seinem Verhalten einhält und nicht in der hohen Intelligenz. Der Erfolg sozialer Insekten liegt in der großen Anzahl einzelner Individuen,  ihrer arbeitsteiligen Lebensweise (…)“ Harald Krenn vergleicht Ameisen gerne mit kleinen Taschenrechnern, die fix programmiert sind und einige wenige Operationen einfach, schnell und präzise ausführen können. Menschen hingegen seien große Computer, die mit einfachsten „Betriebssystemen“ ausgestattet auf die Welt kommen und dann programmiert werden – durch die Umwelt, die eigenen Verhaltensweisen und individuellen Anforderungen. Mit der Zeit können wir Menschen dann einzigartige Leistungen vollbringen mithilfe unseres phänomenalen Speichers – dem Gedächtnis.

Superorganismus mit Vorbildfunktion

Laut Thomas Schmickl, dem Leiter der Bienengruppe und des Artificial Life Lab der Universität Graz, war die Schwarmintelligenz bereits vor der Einzelintelligenz da, weil Insekten doch eine recht starre Reiz-Reaktions-Verschaltung haben, wobei es aber schon vereinzelte Spitzenleistungen in bestimmten Bereichen gäbe, wie z.B. Navigation oder Geruchsdetektion. „Was die sozialen Insekten speziell interessant macht, ist das dichte Geflecht, in dem sich eine Unzahl an einfachen Interaktionen zu einem intelligenten Gesamtgebilde zusammenfügt. Da gibt es viele Anknüpfungspunkte zum Gehirn und dem „normalen“ Organismus im Vergleich zu dem „Superorganismus“ der sozialen Insekten. Beim Verständnis und dem Handling  komplexer Systeme, wie Wirtschaft, Gesellschaft, Logistik oder Verkehr kann sich der Mensch durchaus einiges von diesen einfachen aber wirkungsvollen Regelkreisen der Superorganismen abschauen.“

Einer für alle, alle für einen

Ein Ameisenstaat vollbringt also in seiner Gesamtheit Leistungen, die die Fähigkeiten eines jeden Individuums weit übersteigen. Auch die Menschheit lebt in einem sozialen Kollektiv, verfügt dabei aber über weitaus größere Fähigkeiten. Man bedenke, das Gehirn einer Ameise besteht aus rund 250.000 Nervenzellen, das menschliche hingegen aus etwa 100 Milliarden.

Mögliches Fazit für den Homo sapiens: Gemeinsamkeit macht stark, sozial genutzte Intelligenz bringt uns weiter.

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Autorin: Bettina Ostermann

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