Frauen im Naturschutz: Interview mit Ilse Gumprecht

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Was haben Jane Goodall und Gisele Bündchen gemeinsam? Sie engagieren sich mit Herzblut für den Naturschutz! Wir brauchen jedoch gar nicht weit in die Ferne blicken: Auch hierzulande gibt es Frauen, die sich für den Naturschutz stark machen.

Blühendes Österreich zeigt monatlich die engagierten Komplizinnen von Mutter Erde. 

Nach Katharina Varadi-Dianat haben wir Ilse Gumprecht aus Hundsheim (NÖ) getroffen. Erfahre hier, was sie Großes mit Ziegen und Schmetterlingen vorhat:

 

Naturschützerinnen vor den Vorhang: Interview mit Ilse Gumprecht

(c) Blühendes Österreich/ G. Linshalm

Der internationale Frauentag mobilisiert weltweit Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung und das Sichtbarmachen von Geschlechterfragen. Wie bringst du deine Frauenpower im Naturschutz ein?

Gemeinsam mit der Männerpower meines Partners führe ich einen Milchziegenbetrieb in Hundsheim, Niederösterreich. Das allein klingt noch nicht nach Naturschutz. Der kommt dort ins Spiel, wo unsere Ziegen ihren „Nebenjob“ ausüben. Mit ihnen beweiden wir nämlich die Hänge des Hundsheimer Berges um die dort über Jahrhunderte entstandenen Trockenrasen zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Um unter diesen Bedingungen auch noch Milch und daraus weitere Produkte zu produzieren bedarf es tatsächlich jede Menge Power.

Was ist deine Vision für eine blühende Vielfalt?

Für mich bedeutet blühende Vielfalt in unseren west- und mitteleuropäischen Verhältnissen, die eine hohe Besiedelungs- bzw Bebauungsdichte mit sich bringen, ein harmonisches Nebeneinander von Kultur und Natur. Viele der artenreichen Biotope in unseren Gegenden sind durch jahrelange Nutzung durch den Menschen entstanden. So auch unser Trockenrasen – zumindest ein Teil davon erwuchs der Beweidung durch Schafe und Rinder, die hier traditionell durchgeführt wurde und bietet nun zahlreichen tierischen und pflanzlichen Spezialisten eine Heimat. Viele davon sind vom Aussterben bedroht und manche überhaupt nur hier aufzufinden.

Insofern ist eine wohldurchdachte Bewirtschaftung der Natur durchaus sinnvoll für eine blühende Vielfalt.

Kannst du dich an Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen in deiner Kindheit erinnern?

Ich könnte mich an keine erinnern. Es war zwar tatsächlich bei meinen Eltern so, dass mein Vater der Brötchenverdiener war und meine Mutter die Kinder versorgt und das Haus gepflegt hat, allerdings war das eine Lebensführung, die sie selbst gewählt hat, zu der sie nie gezwungen wurde. Als ich (die Jüngere der beiden Töchter) zehn wurde, übte sie wieder einen Beruf aus. Auch das Verhältnis beider Großelternpaare war keines der Unterdrückung der Frauen durch ihre Männer. Auch wurde mir als Kind nie gesagt, dass ich dieses oder jenes nicht tun dürfte, weil ich ein Mädchen wäre. Was mir manchmal aufgefallen ist, war, dass männliche Schulkollegen selten so in den Haushalt eingebunden wurden, wie die weiblichen.

Was bedeutet es für dich speziell als Frau, im Naturschutz in der Landwirtschaft wirksam zu sein?

Ich denke für mich bedeutet es das gleich wie für meinen Partner. Ich würde hier keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern machen.

 Frauen, die Mutter Erde zu einem besseren Ort machen: Welche Pionierinnen oder Aktivistinnen inspirieren dich?

Mich haben immer am meisten Menschen – nicht nur Frauen – in meiner Umgebung beeindruckt und inspiriert: Arbeitskolleg_innen, Studienkolleg_innen und natürlich auch und besonders meine Schwiegereltern, die damals ihr altes Leben in Wien zurückgelassen haben, um dieses Naturschutzprojekt zu beginnen und als ein Lebensprojekt bis heute mit Liebe und Leidenschaft fortzuführen.

 Frauen in der Region: Wir unterstützt ihr euch gegenseitig? Gibt es Netzwerke oder Kooperationen hinsichtlich des Naturschutzes?

Es gibt auf Ebene der Landwirtschaft den Verein „Die Bäuerinnen“, in dem sich Frauen für ihre Angelegenheiten und für landwirtschaftliche Projekte einsetzen. Ich gehöre dem Verein allerdings nicht an. Hinsichtlich des Naturschutzes sind mir keine Netzwerke oder Kooperationen bekannt.

Naturschutz in der Praxis: Kommst du eher mit Frauen oder Männern in Kontakt, wenn es um die Abwicklung eines Projekts geht? In welchen Bereichen werden Frauen sichtbar oder auch unsichtbar? In welchen Bereichen Männer?

In Bezug auf den Naturschutzaspekt unseres Betriebes habe ich hauptsächlich mit einer Person zu tun, nämlich unserem Schutzgebietsbetreuer, der – wie man schon herausliest – ein Mann ist. Als Teilbesitzer des Hundsheimer Berges haben wir auch ab und an mit dem WWF zu tun, vertreten durch Männer und Frauen gleichermaßen. Für die Abwicklung des Projektes „Koppelzaun für die Königswarte“ hatten wir außerdem mit der eNu zu tun, die damals von einer Frau vertreten wurde. Also gefühlt waren bisher die Kontakte mit Männern und Frauen gleich verteilt.

Um zu sagen in welchen Bereichen wer wie sichtbar wird, fehlt mir leider die Erfahrung.

 


Mehr Informationen zu Ilse Gumprecht und Emanuel Zillner und ihren gehörnten Landschaftspflegern findest du hier.

Über den Ziegenhof: Nachhaltige Landschaftspflege wie vor 1.000 Jahren

Die artenreichste Vielfalt Österreichs gedeiht auf den Halbtrockenrasen und Trockenrasen der Hundsheimer Berge in Niederösterreich. Hier haben neben 1.200 Schmetterlingsarten noch Hirschkäfer und Ziesel sowie zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten ein Refugium gefunden.

Damit dieser Hotspot der Vielfalt jedoch bestehen kann, braucht es engagierte LandwirtInnen und ihre gefräßigen Komplizen: Schafe und Ziegen. Diese grasen im Sommer auf den Steppen und schützen die Kräuter- und Blumenvielfalt vor der Verbuschung und Verwaldung. Im Rahmen des Naturschutzprogramms FLORA werden bereits 15 ha wertvolle ökologische Flächen geschützt.


Der Trockenrasen ist alles andere als langweilig! Weshalb er es hinsichtlich seiner Artenvielfalt locker mit einem Urwald aufnehmen kann, erfährst du hier.


Für das Herdenmanagement ist die Familie Zillner zuständig. Mit ihrem Schaf- und Ziegenbetrieb haben Erich und Elisabeth Zillner seit den 1980er Jahren Pionierarbeit im Naturschutz geleistet. Der Ziegenhof wird nun in der zweiten Generation von den Jungeltern Ilse Gumprecht und Emanuel Zillner geführt. Neben der Beweidung der ökologisch wertvollen Flächen schließen die Produkte der Ziegen (Fleisch- und Milchprodukte) den Kreis des nachhaltigen Betriebs. 

„Im Zentrum steht nicht die Maximierung der Leistung oder des Geldes, sondern ein rundes Wirtschaften, das Mensch, Tier und Umwelt gleichermaßen zugute kommt.“ (www.zigu.at)

 

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