In den Sommern 2026 und 2027 setzen Älpler:innen und Grundbesitzer:innen von vier Alpen im Vorarlberger Gadental gemeinsam mit dem Regionsbetreuer Natura 2000 und dem Team des UNESCO-Biosphärenparks Großes Walsertal gezielte Entbuschungsmaßnahmen um. Ziel des Projekts ist es, durch eine alpenübergreifende Bewirtschaftung wertvolles Offenland wiederherzustellen und die Alpwirtschaft als wichtigen Akteur im Naturschutz nachhaltig zu stärken.
Das Projekt „gada.alp“ wird im Rahmen von Werkstatt Innovation Natur (WIN) #landwirtschaft gefördert und begleitet. WIN ist eine gemeinsame Initiative von Blühendes Österreich, Impact Hub Vienna und BirdLife Österreich und unterstützt zwischen 2026 und 2029 österreichweit innovative Projekte an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Naturschutz. Blühendes Österreich stellt dafür insgesamt 1 Million Euro zur Verfügung. Die fachliche Begleitung erfolgt mit Unterstützung von Bund, Ländern und der Europäischen Union und wird über das Programm „Biodiversität jetzt!“ kofinanziert. Die Projektförderung von Blühendes Österreich wird durch die Pfandspenden der BILLA-Kund:innen ermöglicht.
Unsere Vision
Wir streben eine langfristig tragfähige Alpwirtschaft an, in der Naturschutz als integraler Bestandteil der Bewirtschaftung verstanden und über neue Finanzierungsansätze dauerhaft abgesichert wird. Durch alpenübergreifende Zusammenarbeit bündeln wir Verantwortung, stärken gemeinsame Strukturen und sichern die einzigartige Kulturlandschaft des Gadentals nachhaltig.
Konkrete Ziele
- Gemeinsame Verantwortung übernehmen: Etablierung einer Kooperation von Älpler:innen, Grundbesitzer:innen und Naturschutzakteuren, um die Kulturlandschaft des Gadentals gemeinsam langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln.
- Offenland wiederherstellen: Auf einer Gesamtfläche von 146 Hektar werden rund 8 Hektar verbuschter Flächen fachgerecht gepflegt, um wertvolle Offenlandlebensräume zu erhalten und der fortschreitenden Verbuschung entgegenzuwirken.
- Lebensräume vernetzen: Wiederherstellung zugewachsener Weidedurchgänge, um eine nachhaltige Beweidung zu ermöglichen und gleichzeitig den genetischen Austausch zwischen Offenlandlebensräumen für Pflanzen- und Tierarten zu fördern.
- Habitatqualität verbessern: Durch gezielte Entbuschungsmaßnahmen und die Pflege strukturreicher Waldränder werden Nahrung, Deckung und Brutlebensräume für Raufußhühner – insbesondere das Birkhuhn – nachhaltig aufgewertet.
- Dauerhafte Strukturen schaffen: Erarbeitung von Optionen für einen gemeinnützigen Kulturlandschaftsverein Großes Walsertal, der die langfristige Organisation, Finanzierung und Umsetzung gemeinsamer Landschaftspflegemaßnahmen sicherstellen soll.
Motivation für das Projekt
Die Kulturlandschaft des Gadentals ist das Ergebnis jahrhundertelanger Bewirtschaftung und gemeinsamer Verantwortung. Heute gefährdet die fortschreitende Verbuschung ihre biologische Vielfalt und den offenen Charakter der Alpflächen. Als Älpler:innen und Grundbesitzer:innen wollen wir dieser Entwicklung gemeinsam entgegenwirken und die Voraussetzungen schaffen, damit diese einzigartige Landschaft auch für kommende Generationen erhalten bleibt. Dabei verstehen wir Naturschutz nicht als Zusatzaufgabe, sondern als selbstverständlichen Teil einer zukunftsfähigen Alpwirtschaft.
Wen unterstützt Blühendes Österreich?
Die Förderung kommt der Agrargemeinschaft Alpe Gaden-Madona mit ihren zwei Alpen sowie den beiden kooperierenden Alpen Diesnerberg und Oberalpschella im Gadental zugute. Getragen wird das Projekt von Grundbesitzerfamilien und Älplerfamilien, die gemeinsam mit dem Biosphärenpark-Management und der Natura-2000-Regionsbetreuung an der langfristigen Erhaltung der wertvollen Kulturlandschaft arbeiten.
Welche Herausforderungen werden gelöst?
- Fortschreitende Verbuschung und Verwaldung: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass verbuschte und bewaldete Flächen im Gadental um 5 bis 15 Prozent zugenommen haben. Ursachen sind unter anderem günstigere Wuchsbedingungen infolge klimatischer Veränderungen, Stickstoffeinträge aus der Luft sowie begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen auf den Alpen.
- Verlust vielfältiger Landschaftsstrukturen: Durch das Zuwachsen verschwinden wertvolle Mosaikstrukturen im Offenland sowie artenreiche Übergangsbereiche zwischen Wald und Weide. Dadurch gehen wichtige Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten verloren.
- Hoher Pflege- und Finanzierungsaufwand: Die Arbeiten finden überwiegend in steilem, schwer zugänglichem Gelände ohne direkte Zufahrtsmöglichkeiten statt. Der damit verbundene hohe Arbeitsaufwand erfordert neue Formen der Zusammenarbeit und langfristig tragfähige Finanzierungsmodelle.
Was ist das Besondere am Projekt?
Das Projekt ist eine Naturschutzinitiative, die direkt aus der Alpwirtschaft entstanden ist. Im Mittelpunkt steht die enge Zusammenarbeit von Älpler und Grundbesitzer über Eigentums- und Alpgrenzen hinweg in einem abgelegenen Seitental. Gemeinsam übernehmen sie Verantwortung für den Erhalt einer ökologisch wertvollen Kulturlandschaft.
Gleichzeitig hat das Vorhaben Pilotcharakter: Mit der Entwicklung eines gemeinnützigen Kulturlandschaftsvereins werden die Grundlagen geschaffen, um Landschaftspflege und Naturschutz langfristig gemeinschaftlich zu organisieren und dauerhaft abzusichern.
Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?
- Tierwelt: Das Birkhuhn als Schirmart, 58 nachgewiesene Brutvogelarten sowie zahlreiche Insekten und Kleintiere profitieren von den Maßnahmen.
- Lebensräume: Erhalten und aufgewertet werden artenreiche Borstgrasrasen, alpine Magerweiden (Kalkrasen) und Zwergstrauchheiden mit Alpenrosen und Preiselbeeren.
- Strukturvielfalt: Gehölzinseln, Schwend- und Lesesteinhaufen schaffen wertvolle Nahrungs-, Deckungs- und Lebensräume und erhöhen die ökologische Vielfalt der Alpflächen.
Geografie der Projektregion
Das Projektgebiet liegt im abgelegenen Gadental in der Gemeinde Sonntag (Bezirk Bludenz, Vorarlberg). Es befindet sich in der Kernzone des UNESCO-Biosphärenparks Großes Walsertal und ist als Natura-2000-Gebiet geschützt. Die steilen Hanglagen, die begrenzte Erschließung und die schwierige Zugänglichkeit machen die Bewirtschaftung und Landschaftspflege besonders anspruchsvoll.
Wie kannst du unseren Partner und das Projekt unterstützen?
- Mitanpacken: Ob Freundesgruppe, Verein oder Unternehmen – unterstützt uns bei praktischen Pflegeeinsätzen im Gadental und leistet einen direkten Beitrag zum Erhalt der Alplandschaft. Gerne bei uns melden 😊
- Wissen weitergeben: Tragt die Idee eines kooperativen Naturschutzes in der Alpwirtschaft in eure Region und macht das Projekt als Praxisbeispiel bekannt.
- Langfristig fördern: Mit der Gründung des gemeinnützigen Kulturlandschaftsvereins werden künftig finanzielle Beiträge möglich, um die Pflege der wertvollen Offenlandflächen dauerhaft zu sichern.
o Biosphärenpark-Management Großes Walsertal
o Regionsbetreuung Natura-2000 Schutzgebiet Großes Walsertal
o Vorarlberger Jägerschaft (Monitoring)
o FFH LRT 6170: Alpine und subalpine Kalkrasen (basenreiche Magerweiden)
o Artenreiche Borstgrasrasen und lichte Waldweiden