Die Brennnessel blüht auf

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Alt, gebrechlich, pflegebedürftig. Dabei aber auch wunderbar verwunschen, knorrig und voller Leben. Die alten Streuobstwiesen im steirischen St. Ruprecht an der Raab bekommen seit dem Frühsommer die Verstärkung und hingebungsvolle Pflege, die sie verdienen – und zwar von den Jüngsten der Gemeinde.

Der Erfolg des Gewinner Projekts der Brennnessel „Jauerlinger Saftladen“ gab dem Projekt „Setzen-Ernten-Spenden|Regionale Jugendobstwiese“ in St. Ruprecht den Anstoß, um realisiert zu werden. Es schafft nun Bewusstsein und wertvollen Lebensraum für das gefährdete Biotop Streuobstwiese selbst – aber auch für bedrohte Tiere aller Art: Von der Fledermaus bis zur Wildbiene, vom Grünspecht bis zur Zwergohreule. Von den St. RuprechterInnen und den schmackhaften Erzeugnissen ihrer Streuobstwiese ganz zu schweigen…

 

Wenn sich die Jungen ordentlich die Hände schmutzig machen, um etwas für die Alten zu tun – dann haben eindeutig alle etwas davon. Die Landjugend St. Ruprecht an der Raab kümmert sich seit dem Frühjahr gemeinsam mit der dortigen Volksschule intensiv um die Streuobstbestände der Gemeinde. Dabei wandelt die St. Ruprechter Jugend mit ihrem Projekt auf den Spuren eines Brennnessel Gewinnerprojekts: Die Idee des Jauerlinger Saftladens wurde damit nämlich von der Wachau in die Steiermark weitergetragen.

 

 

Die Alten und ihre Stärken

Die bestehenden Bäume wurden mit vollem Körpereinsatz gehegt und gepflegt, rekultiviert und nachgepflanzt. Und dabei sollten vor allem alte Streuobstsorten wie Maschanzker, Wintergoldparmäne, Grafensteiner, Lederapfel oder der gute alte Kronprinz Rudolf ihre Wurzeln in den steirischen Boden schlagen. Platz dazu gab es genug. Einzelne Personen und Partner aus der Region stellten auf vielen Teilflächen insgesamt 5 Hektar zur Verfügung: 300 Streuobstbäume 30 verschiedener Sorten konnten ab dem Frühsommer neu gepflanzt werden. Die alten Sorten haben unter anderem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu vielen neuen Sorten durch den hohen Polyphenolgehalt kaum allergische Reaktionen auslösen.

 

Fachmännisch wühlen und graben

(c)

„Jedes Kind hat zum Einpflanzen eine Schaufel von uns bekommen“, erzählt Martin Gschweitl, der das Projekt gemeinsam mit frisch-saftig-steirisch organisiert hat, „aber viele haben die bald in die Wiese geworfen und mit den Händen drauf los gegraben. Ich glaube, es war das erste Mal für sie, dass sie so in der Erde gewühlt haben“, meint Martin. Fachmännisch beraten und unterstützt wurden die jungen GärtnerInnen von Partnern wie Blühendes Österreich, der ARGE Streuobst und dem Verband steirischer Erwerbsimker. Die jungen Bäume lang etablierter Sorten kommen von der Baumschule Pauger aus dem benachbarten Ilztal.

 

„Wir waren bei jedem Wetter draußen, egal ob Sonne oder strömendem Regen und auch in den Nachtstunden“, erzählt Martin. Sogar der Minibagger musste einmal zum Graben ausrücken: „Der Boden war zeitweise so trocken, dass jeder Spaten gebrochen ist.“ Ein anderes Mal ließ sich eine zehnköpfige Gruppe der Landjugend nicht vom strömenden Regen von der Arbeit abhalten. „Keiner wollte heimgehen. Wir sind zwar nass bis auf die Haut geworden, haben aber trotzdem zwei Stunden lang Bäume gepflanzt und dabei unseren Spaß gehabt“, erzählt Martin.

„Wir freuen uns, dass der Plan mit dem Naturschutzpreis „Die Brennnessel“ und dem Anspruch, Nachahmende zu finden, erfreulicherweise aufging.“ – Manuela Achitz von Blühendes Österreich 

Alter Obstgarten: Eine runde Sache

Was das Projekt zu einer wirklich runden Sache macht: Im Herbst hieß es dann weiter Hand anlegen, und dabei vielleicht den ein oder anderen süßen Apfel verdrücken. Nach dem Pflanzen neuer Bäume wurde den Kindern beim Ernten, Pressen, und Abfüllen der Säfte der Bezug zur Natur und der Erzeugung von Lebensmitteln noch näher gebracht. „Wir haben dazu extra die selbe Wiese ausgesucht, auf der wir im Frühjahr auch die ersten neuen Bäume gesetzt hatten“, sagt Martin.

Auch Platz für künstlerische Freiheit gab es beim Projekt: Die Volksschulkinder gestalteten mit dem Etikett der Flaschen ein kleines Kunstwerk. Verkauft wird der echt steirische Apfelsaft in der Region, bisher konnten damit schon 1.000 € eingenommen werden. Die St. Ruprechter Landjugend entschied, den Betrag an den Dr. Karl Schwer Fonds zu spenden. Dieser unterstützt in Not geratene Jugendliche aus bäuerlichen Familien.

 

In St. Ruprecht hat jetzt jedenfalls jedes Kind „sein“ eigenes kleines Bäumchen. „Und damit auch ein nachhaltigen und ganz persönlichen Bezug zur Streuobstwiese und ihren Bewohnern“, meint Martin.

 

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