Mitte November ist die UN-Weltklimakonferenz in Marrakech über die Bühne gegangen. Geprägt wurde sie von zwei Ereignissen: dem raschen Inkrafttreten des Pariser Abkommens und der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA. Einen konkreten Fahrplan für die Umsetzung der Klimaziele fehlt nach wie vor.

Als unerwartet rasch bezeichnet Stefan Schleicher, Klimaexperte am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz und Konsulent des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Wien, das Inkrafttreten des Pariser Abkommens. Es ist der Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll mit verbindlichen Klimazielen für alle 195 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention mit dem Ziel: Die menschengemachte globale Erwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad Celsius der vorindustriellen Werte zu reduzieren.

„Das schnelle Inkrafttreten des Abkommens ist als positives Signal zu werten“, sagt Schleicher. „Wobei man natürlich die unterschiedlichen Ambitionen der einzelnen Nationen dahinter beachten muss.“ So ist China primär damit beschäftigt, seine bodennahen Emissionen unter Kontrolle zu bringen, die USA der Obama-Regierung ist auf einen guten Ruf in der Klimapolitik bedacht, die Entwicklungsländer hoffen auf finanzielle Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel.

Und Österreich? „Für Österreich ist die Klimakonferenz in Marrakech primär eine Erinnerung. Österreich hat das Abkommen ratifiziert, aber es gibt keinen konkreten Fahrplan dafür, wie man bis 2050 über 80 Prozent der Emissionen loswerden will, um das Klimaziel zu erreichen“, resümiert Schleicher.

Donald Trump als Klimaziel-Hemmschuh

Die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA erschwert die Umsetzung des Pariser Abkommens zusätzlich. „Die Trump-Regierung wird das Abkommen vermutlich negieren“, lautet Schleichers Einschätzung. Wenn der zweitgrößte Emittent der Welt sich jedoch nicht an das Abkommen hält, stellt das das Klimaziel natürlich in Frage. „Alle anderen Staaten müssten sich so extrem in ihren Emissionen verbessern, um das Ziel dennoch zu erreichen – das wäre äußerst schwierig“, sagt Schleicher. Selbst die EU hat das Abkommen erst in letzter Minute ratifiziert.

Abseits der internationalen Klimapolitik gäbe es aber eine wachsende Bottom-Up-Entwicklung, sagt Schleicher. Die 99 Klima- und Energie-Modellregionen in Österreich, Großstädte wie New York oder London, einzelne US-Bundesstaaten wie Kalifornien etwa setzen eigene Initiativen, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren, die globale Erwärmung zu verlangsamen, das Klimaziel zu erreichen. „Banken raten vermehrt von Investitionen im fossilen Bereich ab, in vielen Sonnenscheingebieten liefert Photovoltaik mittlerweile die billigste Elektrizität, es gibt Gebäude, die keine Energie mehr von außen benötigen, und natürlich hat die Mobilität nach wie vor ein großes Potenzial“, sagt Schleicher. Es geht um den vermehrten Fokus auf die Eisenbahn im Fernverkehr, um die Verschränkung von privatem und öffentlichem Verkehr, um smarte Raumplanung.

Man darf beim Klima nicht auf Trump warten, sondern muss selbst aktiv werden.

Zu welchen Ergebnissen man bei der nächsten UN-Weltklimakonferenz 2017 in Bonn kommen wird, darüber möchte Schleicher nicht spekulieren. Es sei abzuwarten, was die ersten 100 Tage Trump-Regierung bringen werden. „Vielleicht wird es doch konstruktiver als erwartet“, sagt Schleicher. Doch: „Man darf beim Klima nicht auf Trump warten, sondern muss selbst aktiv werden.“

Autorin: Maria Schoiswohl

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