Mit dem Naschgarten der Artenvielfalt entsteht in Lanzendorf eine Naturoase, in der sich Tiere, Menschen und Pflanzen wohlfühlen. Unter fachkundiger Anleitung von Streuobstwiesen-Expertin DI Katharina Varadi-Dianat werden Obstbäume und Beerensträucher gepflanzt sowie eine Biodiversitätsfläche angelegt. Die Expertin übernimmt während der Projektlaufzeit auch die Pflege: Dabei werden Mitarbeiter:innen des Bauhofs aktiv eingebunden und in Grünraumpflege und Baumschnitt geschult. Das „Bienenbuffet“ bietet Nahrung für Insekten, die in den auf der Fläche aufgestellten Insektenhotels eine Heimat finden. Steinhaufen und Totholz bieten einen Lebensraum für Smaragdeidechsen und andere Tiere. Die Beweidung erfolgt naturnah mit Schafen aus der Nachbargemeinde Zwölfaxing. Das Projektteam setzt auf Inklusion: In die Pflege der Fläche werden die Klient:innen der Caritas Tagesstätte eingebunden und auch die Beteiligung der Lanzendorfer Schulen ist geplant.
Unsere Vision
Im Naschgarten der Artenvielfalt fühlen sich Menschen und Tiere wohl. Er ist ein Lernort für Besucher:innen jeden Alters: Kindergarten- und Schulkinder sowie Erwachsene kommen zu Besuch, um etwas über Biodiversität, das UNESCO Welterbe Streuobst und die ökologische Beweidung mit Schafen zu erfahren. In „Learning by doing“ Workshops finden Schulungen der Bauhofmitarbeiter:innen statt. Gerne nehmen sich alle frische Beeren und anderes Obst mit und beobachten Insekten, die in der Benjeshecke Unterschlupf finden.
Konkrete Ziele im Projekt
Das Naturbewusstsein und die sozialen Kompetenzen von Kindern werden gefördert. Kinder und Jugendliche können ihren Handlungsdrang und ihre Kreativität frei entfalten. Sie erlernen handwerkliche und gärtnerische Fähigkeiten, üben Ausdauer, Geduld und Verantwortungsbewusstsein, erfahren Selbstwirksamkeit, erkennen durch handelndes Lernen verschiedenste Naturzusammenhänge und können am Ende des Schuljahres in ihrer eigenen kleinen "Kischta" den Garten mit nach Hause nehmen.
Motivation für das Projekt
Die Gemeinde Lanzendorf überlegt schon seit längerem, einen Naschgarten der Artenvielfalt für die Bevölkerung zu errichten, bisher ist das Projekt an fehlenden finanziellen Ressourcen gescheitert. Bis April 2026 war Lanzendorf Teil der Klimawandelanpassungsregion KLAR! Lanzendorf+ und im Zuge des Programms erfolgte die Planung und Fördereinreichung. Gerade als Zuzugs-Gemeinde in Wien-Nähe braucht Lanzendorf einen Rückzugsort in der Natur, wo sich Tiere, Pflanzen und Menschen gleichermaßen wohlfühlen. Der Naschgarten der Artenvielfalt veranschaulicht den Kreislauf der Natur von der Blüte über die Bestäubung der auf der Streuobstwiese lebenden Bienen über natürliche Düngung und Biodiversitätsförderung durch die natürliche Beweidung bis hin zur Ernte.
Wen unterstützt Blühendes Österreich?
Die Gemeinde Lanzendorf wird bei der Projektumsetzung durch die Förderung unterstützt. Die Streuobst-Expertin DI Katharina Varadi-Dianat bringt ihre fachlicher Expertise bei der Pflanzung, dem Baumschnitt und der Anlage der Biodiversitätsfläche ein. Ein Teil der Mittel wird für die Beweidung aufgewendet, die durch Andreas Gradert und Ursula Schneider erfolgt.
Welche Herausforderungen werden gelöst?
Aus einer brachliegenden gemeindeeigenen Fläche entsteht der Naschgarten der Artenvielfalt. Die erste Herausforderung war, den Boden möglichst naturnah vorzubereiten. Über Kontakte zum Verein für Hirtenkultur lernte das Projektteam Andreas Gradert und Ursula Schneider kennen, die sich auf naturnahe Beweidungsprojekte spezialisieren. Die Auswahl passender Obstsorten erfolgte nach mehreren Besichtigungsterminen durch Katharina Varadi-Dianat. Die Bäume und Sträucher wurden gezielt so ausgewählt, dass unterschiedliche Blüh- und Erntezeiten abgedeckt werden können.
Was ist das Besondere am Projekt?
Aktive Einbindung der Caritas-Tagesstätte in Pflege und Verarbeitung Die Klient:innen übernehmen sinnstiftende Aufgaben und verarbeiten das Obst weiter – ein sozialer Mehrwert, der weit über klassische Pflegeprojekte hinausgeht.
Freiluftklasse für drei Bildungseinrichtungen gleichzeitig IMS, Volksschule und Kindergarten nutzen die Fläche als Lernort – ein starkes, dauerhaftes Bildungsangebot mitten im Ort. Die Schäferin und der Schäfer arbeiten mit Hütehunden, was die Attraktivität für Kinder zusätzlich erhöht.
Freie Ernte für die Bevölkerung Ein öffentlicher Naschgarten, der allen offensteht, ist ein starkes Gemeinschaftselement und schafft Identifikation mit dem Ort.
„Learning by doing“ für den Bauhof Die Mitarbeitenden werden nicht nur geschult, sondern direkt in die fachgerechte Pflege eingebunden – ein nachhaltiger Kompetenzaufbau in der Gemeinde.
Starke regionale Vernetzung Zusammenarbeit mit KLAR!, Natur im Garten, Caritas, Schulen, Gemeinde – ein breites Netzwerk, das langfristig zum Projekterfolg beiträgt.
Beweidung mit Schafen Die Beweidung mit Schafen bietet zahlreiche ökologische Vorteile wie die Schaffung von Mikrohabitaten durch Trittstellen und die Schaffung natürlicher Lebensräume für konkurrenzschwache Pflanzen (Keim-Nischen durch „goldenen Tritt“).
Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?
Der Naschgarten der Artenvielfalt bietet zahlreichen Rote-Liste-Arten in einem dicht besiedelten Zuzugsgebiet einen Lebensraum. Besonders bemerkenswert ist die Förderung von Arten wie Smaragdeidechse, Wiedehopf oder Feldhamster in unmittelbarer Stadtnähe.
Die Beweidung mit Schafen fördert mit dem „Goldenen Tritt“ die Schaffung neuer Lebensräume für Mikroorganismen. Die Anlage der Biodiversitätsfläche sorgt für noch mehr Artenvielfalt.
Geografie der Projektregion
Lanzendorf befindet sich im Südosten Wiens in unmittelbarer Nähe zur Stadt Schwechat. Die Streuobstwiese liegt in einem Hochwasserschutzgebiet direkt hinter dem Hochwasserschutzdamm.