Zu den Naturerfolgen

Ein 2.350 m2 großer Ackerstreifen in Atzenbrugg, unmittelbar an das Ortszentrum angrenzend, soll unter Einbeziehung von BürgerInnen und Schulkindern als Keimzelle für Artenvielfalt gestaltet werden. Die angrenzenden Felder sind aktuell intensiv bewirtschaftet und so gut wie unkrautfrei. Mit den angedachten Maßnahmen soll Lebensraum und Nahrungsangebot für viele Mitlebewesen, speziell Feldhamster und Rebhuhn, geschaffen werden. Ein Großteil der Fläche wird in der Projektumsetzungsphase mit einer passenden Rewisa Blühbrachen Samenmischung in eine vielfältige Blühfläche umgewandelt. Der Bestand soll sich selbst erhalten. Zusätzlich soll der Strukturreichtum des Grundes auch durch leichte Geländemodellierungen verstärkt werden. Es sind Käferburgen, Sandarien und Steinhaufen als Habitate geplant. Die jeweils an Feldwegen mündenden Enden des Ackerstreifens werden mit Benjeshecken eingesäumt und mit vielfältigen Hecksträuchern sowie Wildobstbäumen bepflanzt. 

Unsere Vision

Die gewählte Ackerfläche liegt direkt an zwei vielbegangenen Spazierwegen der Ortschaft Atzenbrugg. Sowohl für BürgerInnen und deren Kinder, als auch für die passierenden Landwirte kann diese Fläche mit der Zeit ein interessanter Bezugspunkt für die Wahrnehmung mannigfaltiger Tiere und Pflanzen werden. Auf den einladend und künstlerisch gestalteten Tafeln die an den beiden Enden der Vielfaltsoase platziert werden, können die grundlegenden Informationen niederschwellig abgerufen werden. Neben der Schaffung von sicherem Lebensraum für Feldhamster, Rebhuhn und Co. geht es bei diesem Projekt auch um eine bewußtseinsbildende Maßnahme die aufmerksam macht auf die Schönheit und Vielfalt natürlicher Lebensräume. Wir erhoffen uns eine Vorbildwirkung und einen lebendigen Diskussionsraum. Die bei der Projektgestaltung eingebundenen Schulkinder aus insgesamt 5 Schulen sind eingeladen das Projekt zu besuchen und dessen Entwicklung gestaltend und forschend zu begleiten. Die zukünftigen Einsätze werden mit BürgerInnenbeteiligung geplant und sollen neben gemeinsamer Erhaltungsarbeit auch einen festlichen Charakter haben.

Konkrete Ziele im Projekt

  • Als Bildungsauftrag die Förderung des Bewußtseins für eine vielfältige Mitwelt.
  • Schaffung von Lebensraum für gefährdete Tiere, im Speziellen Rebhuhn und Feldhamster. 
  • Praktische Umsetzung von speziellen Habitaten durch Schüler*Innen und damit ein Verständnis für Vernetzung in lebendigen Systemen. Die Kinder können in diesem Projekt ihrer emotionalen Verbundenheit mit ihrer Mitwelt Ausdruck verleihen. Sie können Selbstwirksamkeit erfahren und natürliche Zusammenhänge erforschen.
  • Es eröffnet sich die Möglichkeit diesen Ort der Vielfalt immer wieder zu besuchen. 
  • Vorbildwirkung für die Gemeinde, die sich vielleicht motiviert fühlt weitere Biodiversitätsinitiativen zu unterstützen.
  • Niederschwellig erfahrbare Sinneseindrücke. Erinnerung an die Wohltat eines vielfältigen Lebensraumes der sichtbar, hörbar, riechbar und schmeckbar ist.

Motivation für das Projekt 

Durch die Entscheidung des Grundbesitzers J. Egretzberger einen Ackerstreifen aus der konventionellen Bewirtschaftung herauszunehmen und in einen vielfältigen Lebensraum umzuwandeln hat sich ein „window of oportunity“ geöffnet, dass wir nicht ungenutzt vergeben wollten. 

In der Kooperation des Naturheilraumes mit Fuer Königstetten und deren Obfrau G. Grabherr hat sich eine kreative, aktive Partnerschaft von engagierten Menschen gebildet aus deren Zusammenarbeit dieses Projekt entwickelt werden konnte. 

Dass sich im Verlauf der Bildformung bereitwillig mehrere Reformpädagogische Schulen solidarisch mit dem Projekt gemacht haben, hat die Motivation verstärkt. Die Begeisterung der Kinder und der ehrenamtlich engagierten Erwachsenen selbst Hand anzulegen war und ist sehr bestärkend.

Die geplanten Maßnahmen inmitten der intensiv genutzten Agraglandschaft sollen Lebensraum für vielfältige Mitlebewesen schaffen und letztendlich auch als Begegnungszone fungieren die interessierten Menschen Kontaktmöglichkeit zur mehr als menschlichen Welt öffnet.

Wen unterstützt Blühendes Österreich?

Der Naturheilraum Staw ist ein Verein der vor 20 Jahren aus einer Waldkindergarten Initiative entstanden ist. Die Vision des Naturheilraumes liegt in der Bildung eines Netzwerkes von Allmenden, aus denen künstlerische, landpflegerische und bildende Impulse hinausgehen. Derzeit sind ca. 30 Mitglieder im Verein in der Pflege der freigekauften Gründstücke aktiv. Freigekauft, weil wir mit dem Kauf eines Grundstückes dieses in die gemeinnützige Bundesstiftung Munus einbringen und somit vom Markt nehmen. Derzeit bewirtschaften wir ca. 3 ha unterschiedlicher Flächen von Streuobstwiesen bis zu Biodiversitätsflächen und Gartenparzellen. Zudem bieten wir für interessierte BürgerInnen Gartenberatung an und helfen bei der Entwicklung von Vielfaltsoasen auch im öffentlichen Raum. 

Welche Herausforderungen werden gelöst?

Das Projekt lebt von der Kooperation vieler ehrenamtlicher Menschen. Darin liegt auch eine Herausforderung. Besonders unterstützend ist die Einbindung von BiologInnen und ÖkologInnen, die sich ehrenamtlich in die Expertise und Gestaltung des Projektes eingebracht haben. 

Wie sich die angrenzenden Landwirte und die GemeindevertreterInnen äußern werden ist noch recht unabsehbar, da nach den vergangenen Kontaktversuchen noch keine wahrnehmbaren Reaktionen erfolgt sind. 

In dieser Realität liegt auch die Herausforderung. Die ProjektbetreiberInnen sind da proaktiv bestrebt Anknüpfungspunkte anzubieten. 

Was ist das Besondere am Projekt?

Eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte begründet das Engagement für die Vielfaltsparzelle. Eine Familie des Waldkindergartens in St. Andrä wollte eine verpachtete landwirtschaftliche Fläche nicht mehr konventionell bewirtschaftet wissen und suchte eine neue Grundlage für die Nutzung. Der Wunsch war es, einen Lebensraum für Vielfalt zu generieren. In gemeinsamer Planung mit Naturheilraum und FUER Königstetten entwickelte sich die Idee, die Fläche zu einer gemeinsam mit Bürgerinnen und Schülerinnen angelegten Vielfaltsparzelle umzuwandeln. 

Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?  

Feldhamster

Heute ist die größte Bedrohung für den Feldhamster die Intensivierung der Landwirtschaft. Problematisch ist etwa die immer effektivere Getreideernte. Weil kaum mehr Getreidekörner auf der Fläche zurückbleiben, hat es der Feldhamster schwer, genügend Vorräte für den Winter einzusammeln. Auch wenn Stoppelfelder früh umgebrochen werden, gefährdet das den Lebensraum des Feldhamsters.

Auf großen, monotonen Feldern fehlt es dem Feldhamster an Verstecken und an Stellen, wo er seine Baue graben kann. Zudem findet er hier durch die geringe Pflanzenvielfalt nur eine sehr einseitige Nahrung. Der Mangel an Nährstoffen führt dazu, dass er immer weniger Junge erfolgreich aufziehen kann.

Auf dem Speiseplan des Feldhamsters stehen Feldpflanzen aller Art. Daneben erbeuten sie aber auch kleine Tiere wie Insekten und Regenwürmer. Im Juli beginnen sie damit, Vorräte für den Winter anzulegen. Sie „hamstern“ Getreide, Wildkrautsamen, Hülsenfrüchte sowie Stücke von Rüben und Kartoffeln. Um einen Winter überstehen zu können, benötigt ein Feldhamster ein bis zwei Kilogramm Nahrung.

Zum Schutz des Feldhamsters sind somit Rückzugsräume in der Agrarlandschaft sinnvoll. Pestizide sollten hier gar nicht eingesetzt werden. Verbleibt dann noch zumindest ein Teil der Ernte auf den Feldern, findet der Hamster genug Getreide und Wildkräuter, um seinen Wintervorrat anzulegen.

Hilfreich ist es, mit Brachen und artenreichen Feldsäumen Rückzugsräume zu schaffen. 

Rebhuhn

Als ehemaliger Steppen- und Waldsteppen-Bewohner Mitteleuropas bis nach Asien wurde das Rebhuhn durch eine sich ausweitende Landwirtschaft zum Kulturfolger. Heute trifft man das Rebhuhn auf offenen Flächen wie Wiesen, Feldern und Brachflächen an. Es brütet in dichterem Gebüsch und Hecken, weshalb eine reich strukturierte Landschaft als Lebensraum benötigt wird.

Auch als Kulturfolger können die Rebhühner mit der modernen intensiven Landwirtschaft nicht mithalten. Durch die Ausräumung der Landschaft und den hohen Pestizideinsatz mangelt es ihnen an Lebensraum und Nahrungsmöglichkeiten. Die wenigen verbliebenen Habitate sind anfällig für Fressfeinde und werden zusätzlich durch den Menschen bejagt.

Adulte Rebhühner ernähren sich vorwiegend pflanzlich, ab und zu steht aber auch tierische Kost auf ihrem Speiseplan. So fressen sie grüne Pflanzenteile, Körner oder Samen ebenso wie kleinere Insekten. Jungtiere hingegen ernähren sich in der ersten Zeit vorwiegend tierisch.

Geografie der Projektregion

Atzenbrugg ist eine Gemeinde im südlichen Tullnerfeld. Fruchtbare Ackerböden in flachem Terrain und damit verbunden intensive, meist konventionelle Landwirtschaft sind verbreitet.

Wie kannst du unseren Partner und das Projekt unterstützen?

Es besteht die Möglichkeit durch ehrenamtliche Mitarbeit sowohl bei der anfänglichen Gestaltungsphase als auch in den gelegentlichen Erhaltungseinsätzen Hand anzulegen.

  • Artikel in den Printmedien
  • Mundpropaganda um weitere Vielfaltsparzellen zu finden und zu entwickeln
  • Professionelles Fotografieren der diversen Aktionen und der ansässigen Mitlebewesen
Zu den Naturerfolgen
Projektpartner:
Verein Naturheilraum St. Andrä Wördern
Weitere Projektpartner:
FUER Königstetten, Neue Wege Schule 3423 St. Andrä Wördern, Ich bin ich Privatschule 3452 Heiligeneich, Kreamont Schule 3423 St. Andrä Wördern, Freiraum Schule 3420 Klosterneuburg
Projekttitel:
Vielfaltsparzelle Atzenbrugg
Region:
Tullnerfeld
Größe der verbesserten Fläche:
0,2335 Hektar
Geschützter Biotoptyp:
Lesesteinhaufen, Sandgruben, Obstgehölze in der freien Landschaft, Feldgehölze / Feldhecken, Staudensäume, Blühbrache
Geschützte Tierarten:
Rebhuhn, Feldhamster
Geschützte Pflanzenarten:
Ackerbegleit- und Ruderalpflanzen die dzt. im
Gebiet extrem selten sind oder sogar fehlen wie z.B. Ackerwachtelweizen, Kamille, Reseda, Natternkopf, Ochsenzunge
Projektdauer:
2025-2026
Finanzierung von Blühendes Österreich:
3.272 €
Gesamtsumme Projekt:
6.122,80 €

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