Landwirtschaft bedeutet für Kräuterpädagogin und Forest Therapy Guide Anita Arneitz Verantwortung für Biodiversität zu übernehmen. Zu ihrem 150 Jahre alten Familienhof gehört auch ein verbuschtes Niedermoor im RAMSAR-Gebiet: Durch mosaikartiges Schwenden, Freistellen eines Moorgewässers und neuen Pilotflächen soll ein attraktiverer Lebensraum für Amphibien, Libellen, Bestäuber und Waldvögel geschaffen werden. Erstmals erheben Fachleute systematisch verschiedene Artengruppen. Das Projekt verbindet aktiven Naturschutz mit generationenübergreifender Bewusstseinsbildung – durch Exkursionen, Workshops und Medienarbeit. Durch die Maßnahmen wird die Pflege des Moores für 30 bis 40 Jahre gesichert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Projekt „Moor-Mosaik-Landschaften in Schiefling am Wörthersee“ wird im Rahmen von Werkstatt Innovation Natur WIN #landwirtschaft unterstützt und begleitet. WIN ist ein Gemeinschaftsprojekt von Blühendes Österreich, Impact Hub Vienna und BirdLife Österreich. Mit WIN werden zwischen 2026 und 2029 österreichweit Projekte zu Landwirtschaft und Naturschutz zur Verfügung gestellt. Blühendes Österreich stellt dafür € 1 Mio. zur Verfügung. Die Begleitung wird mit Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union umgesetzt und über das Programm "Biodiversität jetzt!" kofinanziert. Die Projektfinanzierung von Blühendes Österreich wird durch Pfandspenden von BILLA Kund:innen ermöglicht.
Unsere Vision
Vielfältige Lebensräume erhalten und konkrete Naturschutzarbeit mit Bewusstseinsbildung, die über den Ort hinaus wirkt.
Konkrete Ziele im Projekt
- Mosaikartiges Schwenden und Räumen der Fläche auf 50% der Fläche und damit eine dauerhafte Verbesserung
- Mahd auf Pilotfläche
- Freischneiden der Quelle
- Artendokumentation der Fläche
- Bewusstseinsbildung zum Wert des Moores durch Exkursionen
- Aufwertung eines Ramsar-Gebietes
Motivation für das Projekt
Gerade im kleinbäuerlichen Bereich wird der ökologische Wert von Niedermooren und Feuchtwiesen oft nicht erkannt. Auch die entsprechende Pflege scheitert häufig an einem entsprechende WIE. Durch das Projekt möchten wir unsere eigene Fläche für die Zukunft fit machen und schützen, aber auch andere Grundbesitzer:innen dazu inspirieren auch im Kleinen Maßnahmen umzusetzen.
Wen unterstützt Blühendes Österreich?
Als Kräuterpädagogin, Journalistin und Forest Therapy Guide erlebe ich täglich, wie sehr das Wissen über natürliche Zusammenhänge verschwindet und wie groß gleichzeitig die Sehnsucht der Menschen nach echten Naturerlebnissen ist. In der Kräuterlei am Wörthersee, am Hof unserer Familie, versuche ich Bewusstsein dafür zu schaffen und Biodiversität auf Wiese, Wald und Moor vorzuleben.
Seit über sechs Jahren finden direkt am Hof ganzjährig verschiedene Workshops und Weiterbildungsprogramme statt. Im Hofladen können Kräutertees und Kräuterspezialitäten aus der eigenen Produkten (zum großen Teil aus Wildsammlung) erworben werden.
Außerdem ist der Hof Green Care zertifiziert im Bereich Bildung und Freizeit, sowie Initiator des 1. Forest Therapy Trail Österreichs, einem zweijährigen EU-Leader-Projekt für gesundheitsfördernde Naturerlebnisse.
Was finanziert Blühendes Österreich
- Windwurfaufräumarbeiten im Niedermoor, Entfernung eingebrachter Äste, Fichten und Föhren
- Mosaikartiges Schwenden und Räumen von Kleingehölzen im Bereich des offenen Niedermoors per Hand, belassen von Gebüschinseln aus Weiden und Erlen
- Freistellen des Moorgewässers, um besonnte Bereiche für Amphibien und Libellen zu schaffen
- Inselartiges Auflichten des Moorwaldes durch Entfernen von nicht standfesten Fichten und Föhren
- Belassen von Gehölzinseln mit Alt- und Totholz stehen und liegend
- Wiederherstellung einer Pilotfläche mit Obstbäumen für Bestäuber
- Errichtung eines natürlichen Sitzplatzes mit Infotafel direkt beim Weg
- Bildungsarbeit in Form von Exkursionen und Nature Journaling Workshops
Welche Herausforderungen werden gelöst
Eine der größten Herausforderung ist, dass die Fläche nicht klassisch mit Traktor oder Geräten befahren werden kann und ein Großteil der Arbeiten per Hand erfolgen muss. Dazu gehört auch das Entfernen der Äste. Um diese Arbeiten langfristig selbst gestalten zu können, wurden entsprechende Geräte und Werkzeuge angeschafft.
Was ist das Besondere am Projekt
Eine einzelne Landwirtin setzt auf eigenem Grund Maßnahmen um, professionell naturschutzfachlich begleitet. Als Journalistin macht Anita Arneitz das Moor aktiv sichtbar. Besonders ist die seltene Lage im RAMSAR-Gebiet mit glazialem Niedermoor, Feuchtigkeitsgradienten, Moorgewässer und eigener Quelle, sowie der mosaikartige Ansatz: gezieltes Offenhalten bei Erhalt von Gebüschinseln und Totholz – Strukturvielfalt statt Uniformität. Im Fokus stehen Vogelarten wie Baumpieper und Neuntöter, Amphibien wie Erdkröte und Alpenkammmolch, sowie Libellen, Schmetterlinge und Bestäuber.
Wir sind stolz darauf, dass durch das Projekt die Pflege und Betreuung der Moorfläche für mindestens 30 bis 40 Jahre gesichert ist. Das Projekt hinterlässt also keine Eintagsfliege, sondern eine dauerhafte Verpflichtung. Und darauf, dass ein Ort, der über Jahrzehnte fast vergessen war, jetzt Menschen unterschiedlichen Alters aus der Region zusammenbringt und ihnen die eigene Naturlandschaft neu erschließt. Und dass Öffentlichkeitsarbeit kein Add-on, sondern integraler Teil eines Naturschutzprojekts sein kann, um Wirkung über die eigene Fläche hinaus zu erzielen. Außerdem lebt das Projekt durch ein dichtes regionales Partnernetzwerk.
Das Projekt ist für die Goldene Apis nominiert, dem Biodiversitätspreis der Kärntner Sparkasse.
Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?
Erhalten und aufgewertet werden ein glaziales Niedermoor mit Moorgewässer und Quelle, Großseggenried-Vegetation sowie Gebüschinseln aus Weiden und Erlen mit Alt- und Totholz. Lebensraum entsteht für Waldvogelarten wie Baumpieper, Neuntöter, Pirol und Grünspecht, für Amphibien wie Erdkröte, Grasfrosch, Teichfrosch und Alpenkammmolch sowie für Libellen, Schmetterlinge und Bestäuber – ergänzt durch eine neu angelegte Streuwiese mit alten Obstbaumsorten.
Geografie der Projektregion
Das Projekt liegt in Schiefling am Wörthersee in Kärnten, Bezirk Klagenfurt-Land, im RAMSAR-Schutzgebiet – einem international bedeutsamen Feuchtgebiet. Die 0,7 Hektar große Projektfläche ist Teil eines größeren glazial geprägten Niedermoors mit unterschiedlichen Feuchtigkeitsgradienten, einem Moorgewässer und einer eigenen Quelle. Das Projekt liegt hier, weil es sich um den Familienbesitz von Anita Arneitz handelt: Die Fläche wurde einst als Streuwiese genutzt und ist heute großteils verbuscht und verwaldet – mit dem Wissen und der langjährigen Verbundenheit der Eigentümerin zur Fläche entsteht die Grundlage, um sie gezielt und nachhaltig zu wiederzubeleben.
Wie kannst du unseren Partner und das Projekt unterstützen?
- Freiwillige für das händische Hinaustragen der Äste aus dem Moor jederzeit willkommen
- Besuche oder buche einen Workshop: zum Beispiel Nature Journaling, welches Naturwissen mit kreativem Erlebnis im Moor oder Wald verbindet. Auch für Betriebs- und Vereinsausflüge!