Die Trockenrasen der Thermenlinie im N2000-Gebiet Wienerwald-Thermenregion (Niederösterreich) sind Reste ehemals weitläufiger Hutweiden und einzigartige Hotspots der Biodiversität in Mitteleuropa. Sie sind zur Erhaltung auf extensive Weidenutzung angewiesen. Die Projektpartner - Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken, Schäferin Christa Veits, Schäfer Matthias Frank, der Verein Hirtenkultur, die Gemeinden Mödling, Pfaffstätten, Baden, Bad Vöslau, das Biosphärenpark Wienerwald Management und der Naturpark Föhrenberge arbeiten zusammen, um diese herausragenden und faszinierenden Lebensräume zu erhalten und im Projekt wieder zu vergrößern. Von 2026 bis 2029 stellen sie mehr als 9 Hektar Trockenrasen als Weidefläche wieder her. Diese Wiederherstellung vernetzt und vergrößert gleichzeitig mehr als 13 Hektar bestehender Trockenrasen-Weideflächen und erleichtert deren künftige Beweidung. Es profitieren Raritäten wie die endemische Österreichische Heideschnecke, Brunners Schönschrecke, Kantabrische Winde, Dalmatinische Lotwurz, Große Kuhschelle und viele mehr.
Das Projekt „Weidelandschaften an der Thermenlinie" wird im Rahmen von Werkstatt Innovation Natur WIN #landwirtschaft unterstützt und begleitet. WIN ist ein Gemeinschaftsprojekt von Blühendes Österreich, Impact Hub Vienna und BirdLife Österreich. Mit WIN werden zwischen 2026 und 2029 österreichweit Projekte zu Landwirtschaft und Naturschutz zur Verfügung gestellt. Blühendes Österreich stellt dafür € 1 Mio. zur Verfügung. Die Begleitung wird mit Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union umgesetzt und über das Programm "Biodiversität jetzt!" kofinanziert. Die Projektfinanzierung von Blühendes Österreich wird durch Pfandspenden von BILLA Kund:innen ermöglicht.
Unsere Vision
Unsere Vision ist die Wiederherstellung eines Teils der ehemals weitläufigen Weidelandschaften an den Abhängen der Thermenlinie mit ihrer herausragenden Tier- und Pflanzenwelt. Ökologisch intakte, miteinander verbundene Trocken- und Halbtrockenrasen, die durch eine wieder etablierte Beweidung für die faszinierenden Tiere und Pflanzen als Lebensraum aber auch für die Menschen als wertvoller Erholungsraum erhalten werden.
Konkrete Ziele im Projekt
Im Rahmen des Projektes werden rund 8,4 Hektar Trockenrasen bzw. Weidefläche aus verwaldeten Hutweiden wiederhergestellt und eine jährliche Beweidung wieder etabliert. Weitere 0,8 Hektar Brachfläche werden ebenfalls wieder in Beweidung genommen. Durch die Wiederherstellung werden bestehende Trockenrasen bzw. Weideflächen wieder mit einander vernetzt und auch deren Beweidung erleichtert oder zum Teil erst dadurch ermöglicht.
Motivation für das Projekt
Die Thermenlinie gehört zu den artenreichsten Gebieten Österreichs. Grund dafür ist die ganz besondere Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Pilze der Trocken- und Halbtrockenrasen, sowohl mit Arten der pannonischen Tiefebene als auch der Alpen und einzelnen Arten aus den Karpaten und dem Mittelmeerraum. Die Trocken- und Halbtrockenrasen sind Weidelebensräume und gehen schon auf die letzten vier Eiszeiten und große Herden weidender Wildtiere zurück. Erst die Aufgabe der Beweidung mit Rindern, Pferden, Ziegen und Schafen nach dem zweiten Weltkrieg hat zu einem enormen Flächenverlust der Lebensräume vor allem durch Verwaldung geführt. Daher sind zahlreiche besondere Arten selten und vom Verschwinden bedroht. Die Wiederherstellung und Wiedervernetzung der noch bestehenden Flächen und Wiederetablierung ihrer Beweidung ermöglicht eine erhebliche Verbesserung der Lebensraumqualität und rettet so tausende besondere Arten unserer Region.
Wen unterstützt Blühendes Österreich?
Seit 2017 engagieren wir uns als gemeinnütziger Verein für die langfristige Sicherung der biologischen Vielfalt und Klimaschutz in unserer Region Wiener Becken - Thermenlinie. Wir bauen ein regionales Netzwerk an Menschen und Organisationen auf, die sich gemeinsam mit Herz und Tatkraft für ein Netzwerk wertvoller Naturflächen in ihrer Gemeinde und darüber hinaus einsetzen. Wichtige Partner im Projekt sind die Beweidungsbetriebe von Christa Veits und Matthias Frank mit Schafen und der Verein Hirtenkultur mit Ziegen.
Was finanziert Blühendes Österreich
Die Unterstützung von Blühendes Österreich ermöglicht die Beweidung der Wiederherstellungsflächen durch unsere Partnerbetriebe. Stark verbuschte Flächen werden zuerst mit Ziegen beweidet und vom Landschaftspflegeverein mit zahlreichen Freiwilligen und Schulen entbuscht. In Folge können die Flächen dann mit Schafen beweidet und so zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten gefördert werden.
Welche Herausforderungen werden gelöst
Mit der Wiederherstellung von Trockenrasen aus Waldflächen und der Wiedervernetzung angrenzender bestehender Trockenrasen kann die zusammenhängende Trockenrasen-Fläche erheblich vergrößert werden. Das wiederum erleichtert logistisch die Beweidung der Flächen erheblich bzw. macht sie überhaupt erst möglich, weil eine gewisse Mindestgröße erreicht wird.
Was ist das Besondere am Projekt
Im Rahmen unseres Projektes stellen wir naturschutzfachlich wertvolle Offenland-Lebensräume aus sekundären Wald-Lebensräumen wieder her und überwinden dabei mit innovativen Lösungen erhebliche Hürden wie die Regelungen des Österreichischen Forstgesetzes. Bei der Entfernung der Gehölze gehen wir neue Wege, um den späteren Nachpflegeaufwand zu verringern. So werden vor der Baumentnahme zuerst die Gebüsche im Unterwuchs bekämpft. Neben dem Entbuschen mit Freiwilligen werden Weidetiere zur Schaffung von Weidelebensräumen eingesetzt – Ziegen helfen die Gebüsche durch starken Verbiss stark zu schwächen. Nach der Entbuschung werden dann Schafe eingesetzt um die gewünschte Gräser-Kräuter-Vegetation zu etablieren.
Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?
Wir erhalten Trocken- und Halbtrockenrasen im Mosaik mit Gebüschen und Einzelbäumen – eine parkartige Weide-Landschaft, die tausenden seltenen und gefährdeten Arten, darunter zahlreichen bunt blühenden Pflanzen und Insekten einen Lebensraum bietet. Zu den Besonderheiten gehören Große Kuhschelle, Frühlingsadonis, Orchideenarten wie die Hummel-Ragwurz, Kantabrische Winde, Dalmatinische Lotwurz, Goldschopf-Aster sowie Große Sägeschrecke, Esparsetten-Widderchen, Rote Röhrenspinne, die in Niederöstereich endemische Österreichische Heideschnecke, Smaragdeidechse, Wiedehopf und viele mehr.
Geografie der Projektregion
Die Thermenlinie in Niederösterreich ist ein Biodiversitäts-Hotspot Europas, denn hier treffen die Pannonische Tiefebene und die Alpen aufeinander, gleichzeitig kommen auch Arten der Karpaten und aus dem Mittelmeerraum hier vor. Die Hotspots im Hotspot sind die Trockenrasen, die artenreichsten Lebensräume unserer offenen Landschaft. Unsere Wiederherstellungsfläche im Projekt ist insgesamt etwas mehr als 9 Hektar groß, mehr als 13 Hektar angrenzende, bestehende Trockenrasenflächen profitieren von den Maßnahmen.
Wie kannst du unseren Partner und das Projekt unterstützen?
Durch die Mithilfe bei Pflegeterminen zur dauerhaften Entbuschung können Freiwillige, Firmengruppen, Jugendgruppen und Schulen die Wiederherstellung der Trockenrasenflächen und das Freischneiden von Weidezaun-Korridoren unterstützen. Dabei werden Gebüsche mit Krampen ausgehackt, mit Tree Popper ausgerissen aber auch mit Astschere und Säge niedergeschnitten, um überhaupt mit Krampen und Tree Popper ansetzen zu können. Jede helfende Hand, jede Stunde der Mitarbeit zählt!