Zu den Naturerfolgen

Mit dem Projekt „Wilde Weiden“ verwandelt der Regionalentwicklungsverein Leiser Berge das Weinviertel in eine Pionierlandschaft für Rewilding, einen der progressivsten und zugleich erfolgversprechendsten Ansätze im modernen Naturschutz. Das Projekt ist ein lebendiges Beispiel für die Rückkehr wilder, ungezähmter Natur und verbindet Naturschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege in einer Dimension, die in Österreich bislang einzigartig ist. Gleichzeitig leistet es einen aktiven Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise, indem naturnahe Weidelandschaften Kohlenstoff im Boden speichern, Wasser in der Landschaft halten und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber zunehmenden Extremwetterereignissen stärken. 

Ziel ist es, die artenreichsten Lebensräume des Weinviertels durch naturschutzfachliche Beweidung neu erblühen zu lassen. Dabei kommen große Pflanzenfresser als natürliche Landschaftsgestalter zum Einsatz. Beweidet werden Trocken- und Feuchtlebensräume, offene Steppenlandschaften sowie lichte Wälder. Die Homebase und das Winterquartier der Tiere befinden sich in Ernstbrunn, von dort kommen sie dann auf die derzeit rund 110 Hektar naturschutzfachlich wertvoller Flächen. Langfristig ist eine schrittweise Erweiterung auf bis zu 250 Hektar vorgesehen. Zum Einsatz kommen unterschiedliche robuste Weidetiere, darunter Schafe, Rinder, Konikpferde, Esel und Wasserbüffel, deren jeweilige Eigenschaften gezielt genutzt werden, um vielfältige Lebensräume zu schaffen.

Unsere Vision

Wir wollen eine Landschaft, in der natürliche Prozesse wieder wirken dürfen und große Pflanzenfresser ihre ursprüngliche Rolle als Landschaftsgestalter übernehmen. Wenn unsere Ziele erreicht sind, ist das Weinviertel geprägt von gut vernetzten, artenreichen Weidelandschaften, die Biodiversität fördern, Wasser in der Landschaft halten und Kohlenstoff im Boden speichern. Die Wilden Weiden stehen für eine Zukunft, in der Naturschutz, Klimaschutz und nachhaltige Landnutzung gemeinsam gedacht werden und eine neue, lebendige Beziehung zwischen Mensch und Natur entsteht.

Konkrete Ziele im Projekt

Ziel des Projekts ist es, bedrohte Offen- und Halboffenlebensräume langfristig zu erhalten und zu verbessern. Durch naturschutzfachliche Beweidung sollen verbuschte, verfilzte und monotone Flächen wieder dynamisiert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beweidung von Feuchtflächen sowie weiterer wertvoller Lebensraumtypen, die gemeinsam mit Trockenstandorten und lichten Wäldern ein vielfältiges Mosaik aus unterschiedlichen Strukturen bilden. Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Flächen, das als Netzwerk aus Trittsteinbiotopen wirkt und Lebensräume funktional miteinander verbindet. Die Wilden Weiden sollen darüber hinaus ein funktionierendes Netzwerk aus Beweidungsflächen schaffen, das langfristig die Artenvielfalt bereichert und Naturdynamik ermöglicht. Bis 2028 ist vorgesehen, die beweideten Flächen schrittweise auf rund 250 Hektar auszuweiten und das Projekt organisatorisch wie fachlich dauerhaft abzusichern.

Motivation für das Projekt

Viele der wertvollsten Lebensräume Österreichs sind ohne Beweidung nicht dauerhaft zu bewahren. Feuchtgebiete verschilfen, spezialisierte Pflanzen verschwinden und mit ihnen zahlreiche Tierarten der Roten Liste. Gleichzeitig ist die klassische Weidewirtschaft stark rückläufig, wodurch das notwendige Know-how für naturschutzkonforme Beweidung verloren zu gehen droht.

Mit den Wilden Weiden setzt der Naturpark Leiser Berge bewusst auf Rewilding als zukunftsweisenden Ansatz. Große Pflanzenfresser übernehmen die Landschaftspflege auf natürliche Weise und schaffen dynamische Lebensräume, die sich selbst erhalten können. Extensive Beweidung fördert zudem die Wasserspeicherung in der Landschaft, stärkt das Bodenleben und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Wen unterstützt Blühendes Österreich?

Blühendes Österreich unterstützt den Regionalentwicklungsverein Leiser Berge, den Träger des Naturparks Leiser Berge und der Kleinregion im Herzen des Weinviertels. Der gemeinnützige Verein ist in der Region fest verwurzelt und setzt seit vielen Jahren innovative Projekte in den Bereichen Naturschutz, Klimawandelanpassung, Umweltbildung, und regionaler Wertschöpfung um. Mit der KLAR!-Region (Klimawandelanpassungsmodellregion) engagiert sich der Naturpark seit 2021 aktiv für konkrete Maßnahmen zur Anpassung an die Klimakrise. Das Großprojekt „Wilde Weiden“ ist strategisch in die sechs Naturpark-Säulen Schutz, Erholung, Bildung, Regionalentwicklung, Forschung und Klima (KLAR!) eingebettet und verbindet Biodiversität, klimaangepasstes Landschaftsmanagement, Naturerlebnis und nachhaltige Entwicklung in der Region.

Welche Herausforderungen werden gelöst?

Die Umsetzung naturschutzfachlicher Beweidung ist komplex und mit hohen organisatorischen Anforderungen verbunden. Viele der Projektflächen sind Grenzertragsstandorte, geprägt von Steilheit, kargen Böden oder extremen Standortbedingungen. Sie sind häufig abgelegen und nicht direkt an Wege angebunden, was die Bewirtschaftung zusätzlich erschwert. Die Tiere müssen stabile Herdenstrukturen entwickeln und mit natürlichen Bedingungen wie wechselnder Witterung und saisonalem Futterangebot zurechtkommen, da bewusst keine Zufütterung erfolgt. An die Wilde-Weiden-Beweidung gewöhnte Tiere sind daher besonders wertvoll: Sie verfügen über ausgeprägte Instinkte, sind robust und an extensive Haltung angepasst - es handelt sich nicht um Mastvieh, sondern um spezialisierte Landschaftsgestalter.

Das Projekt „Wilde Weiden“ begegnet diesen Herausforderungen mit einem eigens gegründeten landwirtschaftlichen Betrieb innerhalb des gemeinnützigen Vereins, eigener Infrastruktur und einem geschulten Team von Herd-Managern. So wird sichergestellt, dass die Tiere ganzjährig betreut werden und die Flächen langfristig und naturschutzkonform gepflegt bleiben.

Was ist das Besondere am Projekt?

„Wilde Weiden“ vereint Naturschutz und Tierhaltung aus einer Hand und setzt auf mobile, extensive Beweidung - auch auf sensiblen Standorten. In unserem Team übernehmen ganz besondere Mitarbeiter die Hauptrolle: Rinder, Konikpferde, Schafe, Esel und Wasserbüffel sorgen mit ihrer naturschutzfachlichen Beweidung für artenreiche Lebensräume und eine vielfältige Natur.

Die robusten Konikpferde, sind ausdauernde Landschaftsgestalter und halten vor allem Trockenrasen und Wacholderheiden offen. Tux-Zillertaler Rinder, eine seltene österreichische Traditionsrasse, schaffen durch ihr Gewicht und ihr Fraßverhalten strukturreiche Vegetationsmuster und sind dank ihrer Trittsicherheit ideale Helfer in der naturnahen Landschaftspflege. Die Waldschafe beweiden sensibel und effektiv magere Standorte, verhindern die Verbuschung durch Hartriegel oder Robinie und schaffen Lebensraum für charakteristische Arten wie die Große Kuhschelle. Esel ergänzen das Beweidungsspektrum auf trockenen, steinigen Flächen und Verspeisen gerne landwirtschaftlich nicht nutzbare grobe, dornige Vegetation.

Eine besondere Rolle spielen die Wasserbüffel, die als Spezialisten für Feuchtgebiete eingesetzt werden. Durch ihr Suhlen und Grasen entstehen offene Strukturen und kleine Wasserstellen, die Amphibien und Libellen zugutekommen und das Zuwachsen wertvoller Feuchtflächen verhindern. Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Tierarten schafft ein dynamisches Mosaik aus Lebensräumen und macht die Wilden Weiden zu einem Pilotprojekt für naturschutzkonformes, klimaangepasstes Landschaftsmanagement.

Welche wertvollen Lebensräume, Tiere und Pflanzen werden erhalten?

Durch die naturschutzfachliche Beweidung werden besonders artenreiche und bedrohte Lebensräume wie Feuchtgebiete, Trockenrasen, offene Steppenlandschaften und lichte Wälder erhalten und verbessert. Davon profitieren zahlreiche seltene und gefährdete Arten. Dazu zählen unter anderem Amphibien wie Rotbauchunke, Wechselkröte, Knoblauchkröte, Erdkröte oder Laubfrosch, zahlreiche Vogelarten der Feucht- und Offenlandschaften wie Kiebitz, Knäkente, Zwergtaucher, Neuntöter, Rotschenkel, Rohrweihe, Schafstelze oder Beutelmeise sowie Rastvögel wie Bekassine, Grünschenkel oder Kampfläufer. Auch spezialisierte Insektenarten der Roten Liste profitieren, darunter die in Niederösterreich stark gefährdete Libellenart Lestes barbarus sowie die halophile Wanze Agramma atricapillum. Offenbodenstellen, flache Gewässer und strukturreiche Vegetation schaffen vielfältige Lebensräume, fördern typische Feuchtpflanzen wie Arten der Gattung Bolboschoenus und stärken stabile ökologische Kreisläufe.

Geografie der Projektregion

Das Projektgebiet liegt im gesamten Weinviertel in Niederösterreich und umfasst unter anderem Flächen im Naturpark Leiser Berge sowie im Europaschutzgebiet der Weinviertler Klippenzone. Die Wilden Weiden knüpfen an historisch genutzte Hutweiden, Trockenstandorte und Feuchtflächen an und sollen schrittweise zu einem großräumigen Netzwerk naturnaher Weidelandschaften entwickelt werden. Die Koordination des Projekts erfolgt vom Büro des Regionalentwicklungsvereins in Ladendorf aus.

Wie kannst du unseren Partner und das Projekt unterstützen?

Die Umsetzung der Wilden Weiden erfordert langfristige Investitionen in Infrastruktur, Tierhaltung, Flächenbetreuung und Projektmanagement. Unterstützung ist daher besonders durch finanzielle Beiträge und Patenschaften möglich, um den langfristigen Aufbau und die Weiterentwicklung der Wilden Weiden zu sichern und das Projekt nachhaltig in der Region zu verankern.

Zu den Naturerfolgen
Unterstützter Partner
Regionalentwicklungsverein Leiser Berge
Weitere Projektpartner:
Meine Blumenwiese, Greenbridge GmbH, Schwarzenegger Climate Initiative, Grazelands Rewilding (Niederlande), Profibaustoffe GmbH, Gemeinde Ernstbrunn, Gemeinde Laa an der Thaya, Gemeinde Mistelbach, Gemeinde Ladendorf, Gemeinde Niederleis, Gemeinde Asparn an der Zaya, Gemeinde Gnadendorf, Schutzgebietsbetreuung, KLAR!-ManagerInnen, WWF, Tiergarten Schönbrunn, Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel
Region:
Östliches Weinviertel
Größe der verbesserten Fläche:
21 Hektar (2025). Bis 2028 ist vorgesehen, die beweideten Flächen schrittweise auf rund 250 Hektar auszuweiten.
Geschützter Biotoptyp:
Feuchtflächen
Geschützte Tierarten:
Agramma atricapillum (halophile Wanze - in Österreich stark bedroht), Amphibien (Knoblauchkröte, Wechselkröte, Erdkröte, Rotbauchunke, Laubfrosch …), Knäkente, Zwergtaucher, Kiebitz, Neuntöter, Drosselrohrsänger, Schafstelze, Beutelmeise, Rotschenkel, Rohrweihe, Rohrschwirl, Flussregenpfeifer, Schilfrohrsänger, Tüpfelsumpfhuhn, Wasserralle, Durchzüglern wie Wald- und Bruchwasserläufer, Grünschenkel, Kampfläufer, Bekassine, Libellen (z.B. die in NÖ stark gefährdete Lestes barabarus)
Geschützte Pflanzenarten:
Sumpfdotterblume, Kuckucks-Lichtnelke, Pannonische Kratzdistel, Sumpf-Gänsedistel
Projektdauer:
2025-2028
Finanzierung von Blühendes Österreich:
€ 394.001,55
Gesamtsumme Projekt:
€ 1. 952.380,55
Website Projektpartner:
https://www.naturpark-leiserberge.at

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Gibt es Beispiele für derartige Touren?
Ja, Sie können sich gerne hier (Link zu Buch dir deinen Guide auf der Website) einen Überblick über unsere Standard-Touren verschaffen. Sie können sich aber auch gerne einfach thematische Schwerpunkte, Routen oder Aktivitäten wünschen und wir organisieren eine:n genau für Ihre Bedürfnisse passende:n Ranger:in.

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Öffentliche Verkehrsmittel

Österreiche Bundesbahn: www.oebb.at
Verbundlinie Auskunft: www.verbundlinie.at

Reisen Sie zu unseren Veranstaltungen, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder benützen Sie im Sommerhalbjahr das Gesäuse Sammeltaxi (+43 3613 21000 99). Die Parkplätze im Nationalpark Gesäuse sind kostenpflichtig (Tagesticket € 6,00). Nähere Informationen zu den Parkplätzen finden Sie hier. Allgemeine Informationen zur Anreise in den Nationalpark Gesäuse finden Sie hier.

 

Wieso sieht der Wald hier so wild aus? Und was genau macht diesen kleinen blauen Käfer besonders? Unsere Ranger:innen gehen bei einer exklusiven Führung auf Ihre Fragen ein und vermitteln dabei das Herzensanliegen unseres Nationalparks: die Werte der Wildnis. Unsere Ranger:innen stimmen ihre Führungen individuell auf Ihre Wünsche, Vorstellungen und Interessen ab.

Wenden Sie sich an das Informationsbüro in Admont und wir vermitteln Ihnen gerne eine:n erfahrene:n und bestens geeignete:n Nationalpark Ranger:in. Anfragen unter der Tel: +43(0)3613/21160-20; info@nationalpark-gesaeuse.at, oder Sie nutzen die direkte Buchung: einfach Datum auswählen, Halb- oder Ganztag und los geht´s. Alles andere übernehmen wir für Sie.

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