Mit ihrem Unternehmen wild gewachsen bringt Brigitte Dörner bio-zertifizierte Blumen direkt vom Feld zu den Menschen – regional, saisonal und nachhaltig. Damit setzt sie ein Zeichen gegen den umweltschädlichen Fast-Flower-Trend. Von Juli bis zum ersten Frost blühen die Dahlien auf ihrem Bio-Blumenhof in Eugendorf nahe Salzburg in voller Pracht. Rosa, Rot, Orange, Gelb und unzählige Zwischentöne leuchten auf den Feldern. Doch das ist nur der Anfang. Auf 2.000 Quadratmetern wachsen übers Jahr 150 verschiedene Schnittblumensorten. Davon eignen sich rund 30 als Trockenblumen. Die Blüten erfreuen nicht nur das Auge, sondern locken auch Bestäuber und Insekten an. Besonders Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs und Zitronenfalter sind in den letzten Jahren deutlich mehr geworden.

Blumenvielfalt ohne Umweltbelastung 

Auf Brigitte Dörners Hof steht die Vielfalt im Mittelpunkt – biologisch angebaut, regional und im Rhythmus der Jahreszeiten. „Wir wissen genau, wann welche Blumen Saison haben, weil wir ihnen täglich beim Wachsen zusehen“, sagt Brigitte überzeugt.

Als Teil der Slow-Flower-Bewegung macht sie sich gegen die konventionelle Schnittblumenproduktion stark, die durch Pestizide, lange Transportwege, hohen Wasserverbrauch und CO2-intensive Gewächshäuser die Umwelt belastet. Monokulturen zerstören zudem die Biodiversität in den Anbauländern.

Brigitte verwendet für ihre Arrangements ausschließlich, was gerade in ihrer unmittelbaren Umgebung blüht. Kaufen kann man die bunten Kostbarkeiten bei ihr direkt ab Hof – als Strauß, in Kübeln oder gleich als Blumenabo – von Mai bis Oktober. Alles ist unverpackt, was im Unterschied zur industriellen Produktion große Mengen an Plastik spart.
 

Alles aus einer erfahrenen Hand 

Von der Saat über die Jungpflanzen-Aufzucht bis zum fertigen Strauß – Brigitte Dörner beherrscht jeden Arbeitsschritt. Sie bietet auch Kurse an, etwa für Trockenblumen und Kranzflechten. Trockenblumen erleben derzeit ein Comeback, gelten sie als nachhaltige Alternativen zu frischen, importierten Blumen in der kalten Jahreszeit. Doch Brigitte warnt auch hier: „Im Handel sind Trockenblumen oft gebleicht oder chemisch behandelt. Das bricht mir das Herz, denn es geht auch anders.“ Bei ihr werden die Blumen nicht nachbehandelt. Damit das möglich ist, spielen das richtige Wetter und der Reifegrad der Blumen bei der Ernte eine entscheidende Rolle. Jedes Exemplar wird einzeln begutachtet und gepflückt. In Bündeln trocknen die Blumen einige Wochen auf dem dunklen und luftigen Dachboden. So behalten Strohblumen, Papierknöpfchen und Sonnenflügerln ihre strahlenden Farben. 

„Wir wissen genau, wann welche Blumen Saison haben, weil wir ihnen täglich beim Wachsen zusehen.“


Eine Leidenschaft, die Wurzeln schlägt 


Schon in ihrer Kindheit, auf einem Bio-Bauernhof mit Milchvieh aufgewachsen, wollte Dörner jede Blume und jedes Kraut benennen. Ihr erstes Wort war „Blume“, erzählt sie. „Als Erwachsene fragte ich mich, wie ich dieses Wissen nutzen und meine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Da wusste ich: Ich werde Bio-Blumenbäuerin und schaffe mir mein eigenes Paradies.“ 2018 zog sie mit ihrer Familie auf den großelterlichen Hof ihres Mannes und hauchte dem stillgelegten Betrieb neues, artenreiches Leben ein. Inzwischen führt sie ihn mit Unterstützung der ganzen Familie im Haupterwerb. 
 

Im Kreislauf der Natur 

Gemeinsam mit ihrem Mann, der auch als Baumwärter und Imker arbeitet, pflegt Brigitte die Streuobstwiesen rund ums Haus, produziert auf zwei Hektar Grünland Bio-Heu und kümmert sich um die Bienenstöcke. Ein Biotop, Totholz und Steinhaufen bieten Lebensraum für Wildbienen, Amphibien und andere Tiere. Am Hof wird ständig daran gearbeitet, die Landwirtschaft klimafit zu machen und die Artenvielfalt zu fördern.

„Der Klimawandel ist eine große Herausforderung. Die Winter werden immer milder. Das ist zwar gut für Pflanzen wie Lavendel oder Rosmarin. Unberechenbare Extremwetter wie Stürme oder starke Temperaturschwankungen machen uns und unseren Bienen zu schaffen“, sagt Dörner. Sie steckt viel Arbeit in den Erhalt der guten Böden am Hof.

Inzwischen hat sie ihre eigene Kreislaufwirtschaft geschaffen: Mulchen und Kompost fördern den Humusaufbau, der Boden auf den Blumenfeldern wird nur sanft und nach Bedarf bearbeitet, gegossen wird mit Regenwasser, das ein Brunnen für den Notfall speichert. Die Ponys Seyla, Sindy und Fee liefern den Mist für den Dünger und selbst die Laufenten spielen eine wichtige Rolle im ökologischen Kreislauf, indem sie Schnecken fressen. So muss Brigitte nichts zukaufen und ihre Böden sind rundum gesund.
 

Ein Netz der Vielfalt spannen 

Für Brigitte Dörner ist die Schönheit der Natur Berufung und Beruf. Sie will sie bewahren, fördern und nachhaltig nutzen. Im Rahmen des Projekts „Farming for Nature – Österreich“ hat sie als Biodiversitätsbotschafterin ein Jahr lang gezeigt, wie viel man auch auf kleinen Flächen bewirken kann. Ihr Ziel: Andere Betriebe und die Konsument:innen für mehr Biodiversität begeistern. Deshalb bietet sie Workshops und Feldführungen an: „Wir lieben die Arbeit mit der Natur und den Ausgleich, den sie uns schenkt. Wer dieses freudige Miteinander erleben und selbst etwas für die Vielfalt tun will, ist bei uns herzlich willkommen.“  

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