Manchmal bewegen sich ihre Motive, „da braucht man viel Geduld“, sagt Christine Sonvilla. Die Naturfotografin und -filmerin ist mit ihrer Kamera national und international unterwegs. Etwa für Universum und die Salzburger Nachrichten. Mit Daniela Illich spricht sie über ihre Arbeit und das wilde Wien.

Verraten Sie uns zu Beginn die Voraussetzungen, die man als Naturfotografin mitbringen sollte.

Die Grundvoraussetzungen für Naturfotografie sind die Liebe zur Natur und dass man sich informiert. Unwissenheit kann bewirken, dass man zum Beispiel Tieren zu nahe kommt, oder dem Ziesel ein Butterkeks füttert. Das ist nicht sinnvoll. Mit dem Wissen wächst auch der Respekt vor der Natur und den Tieren – sie sind keine Statisten. Es zählt nicht immer nur das perfekte Foto, sondern es ist auch wichtig, das Erlebnis in der Natur zu genießen.

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c Marc Graf

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Viele Fotografen betreiben das Fotografieren der Natur als Hobby. Für mich ist es ein Hauptjob. Ich suche ständig nach Zusammenhängen in der Natur und nach Möglichkeiten zum friedlichen Nebeneinanderleben. Die Natur führt immer noch ein Nischendasein und ist für viele selbstverständlich, weil sie sowieso da ist. Auf öffentlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene ist die Natur oft Nebensache, aber das System regeneriert sich nicht endlos. Wir brauchen andere Wertigkeiten. Deshalb mache ich „Natur-PR“.

Wo liegen die Herausforderungen bei der Naturfotografie?

Wichtig ist, mit Experten – Artenschutzbeauftragten, Naturkennern, Einheimischen – zusammenzuarbeiten. Die muss man aber zuerst einmal finden. Und dann ist es entscheidend, Vertrauen aufzubauen und den Menschen klar zu machen, dass es nicht um jeden Preis ums Foto geht, sondern darum, der Natur eine Plattform zu bieten.

Wie bereiten Sie sich auf ein Shooting vor?

Wenn es um Tiere geht, ist es wichtig, ihren Rhythmus, auch im Jahreskreislauf, zu kennen. Halten sie Winterschlaf? Sind sie Frühaufsteher? Oft bitte ich Ranger um Tipps, wo ich den Tieren am besten begegnen kann. Aber auch wenn ich weiß, wo sich die Tiere üblicherweise aufhalten, und ich ihre regelmäßigen Abläufe kenne, ist es nicht immer einfach, sie tatsächlich zu entdecken. Je mehr Vorarbeit ich leiste, desto höher sind die Chancen für ein gutes Foto. Dabei muss ich auf jeden Fall immer auf Trab bleiben.

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c Marc Graf

Braucht man für Ihre Arbeit viel Geduld?

Geduld hat man oder man hat sie nicht. Die Tierfotografie ist die Champions League der Naturfotografie. Dazu braucht man zum einen das Lebewesen und zum anderen gutes Licht. Irgendwie ist es wie eine zenbuddhistische Übung, wenn man in einem finnischen Moor steht, umschwärmt von Gelsen, einer konstanten von ihnen verursachten Lärmbelästigung und auf Elche und Rentiere wartet. Wenn sich lange gar nichts tut, stellt man sein Zelt auf, geht in die nächste Hütte oder ins Tal zurück und probiert es am nächsten Tag noch einmal.

Welche Begegnung mit einem Tier war besonders eindrucksvoll?

Es geht nicht nur um das Tier alleine, sondern auch um die Situation. Eine eindrucksvolle Tierbegegnung war das Gipfeltreffen zwischen Aiteln (Anm: Karpfenfische) und Edelkrebs im Nationalpark Thayatal, wo wir erstmals auch Unterwasser-Aufnahmen erarbeiteten. Im Mündungsbereich des Kajabaches in die Thaya zog ein kleiner Trupp Aiteln seine Runden, während in direkter Nähe ein Edelkrebs rastete. Die Herausforderung bestand darin, Fische und Edelkrebs auf ein Foto zu bannen. Der Edelkrebs war insofern hilfreich, als er es nicht eilig hatte und scheinbar vor sich hin döste. Für die Aiteln brauchte es Teamwork. Während ich im Neoprenanzug bäuchlings mit dem Unterwasser-Kameragehäuse im Mündungsbereich lag, stellte Marc sich ein Stück weit hinter mich. Seine Präsenz sorgte dafür, dass die Aiteln in meine Richtung schwammen. Bis sie sich aber endlich vor das Unterwassergehäuse trauten, dauerte es gut zwei Stunden, bis das erste brauchbare Bild entstand, vergingen insgesamt fünf Stunden.

Darf auf einem Naturfoto nur Natur sein oder auch Menschengemachtes?

Es geht immer um die Bildwirkung, um Aussage und Emotionen. Man kann die Natur in all ihren Aspekten dokumentieren, da gehört auch die Stadt dazu, wie etwa bei dem Projekt Wiener Wildnis, an dem ich mitarbeite. Die Grenzen der Naturfotografie verstehe ich als fließend.

Worum geht es bei der Wiener Wildnis?

Wir sind ein Team von sieben Fotografen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Natur in der Stadt sichtbar zu machen. Die Stadt, ihre Menschen, die Gebäude und Autos, all das bauen wir in unsere Fotografie ein und ermöglichen dadurch neue Perspektiven auf die Stadt-Natur.

Was sollten wir unbedingt noch über Naturfotografie wissen?

Man muss genau hinterfragen, wo das eigene Interesse liegt. Dann kann man sich Zeit nehmen, auf die Natur einlassen, Geduld haben und mit reichen Erinnerungen nach Hause gehen. Seine eigene Ausrüstung sollte man natürlich gut beherrschen, die Schritte beim Fotografieren müssen automatisiert werden. Das kann in bestimmten Momenten entscheidend sein.

Zur Person

Christine Sonvilla ist Fotografin, Filmerin und Autorin mit dem Schwerpunkt Natur. Neben der Fotografie macht sie Filme und Ausstellungskonzepte und betreibt mit ihrem Partner Marc Graf das Multimediaprojekt Leben am Limit, bei dem sie sich mit den Grenzen der Natur in den Alpen beschäftigen. Gemeinsam arbeiten sie auch am Fotoprojekt Wiener Wildnis mit.

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