Der Mehrwert liegt im Mehrweg

Mehr Lesen

Mehrfachnutzung ist bei bewusstem Konsumieren die Nummer eins für mehr Umwelt- und Klimaschutz. 2017 ersetzen deshalb die heimischen Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen das Plastiksackerl mit Mehrwegtragetaschen aus recycelten und nachwachsenden Ressourcen. Ein Fortschritt in der Nachhaltigkeitsentwicklung der Branche.

Rasch vor Feierabend noch zum Supermarkt – Zutaten fürs Abendessen einkaufen. In der Eile die eigene Tasche vergessen. Kurzer Griff zum Plastiksackerl an der Kasse. Bezahlen und ab nach Hause zur Familie. Diese Situation wird sich im Laufe des heurigen Jahres in österreichischen Supermärkten unzählige Male abspielen. Einziger Unterschied – das Plastiksackerl spielt darin keine Rolle mehr. Basierend auf einer EU-Richtlinie (siehe: Die EU- und die Tragetasche) verpflichten sich immer mehr Unternehmen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel in einer freiwilligen Vereinbarung auf Einwegtragetaschen aus Kunststoff im Kassenbereich zu verzichten. Der klassische Knotenbeutel zur freien Entnahme an der Kasse ist bereits seit Juli 2016 Geschichte.

Als Alternativen zur Kunststofftragetasche werden mit 2017 Tragehilfen ausschließlich aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen angeboten. „Zu den Unterzeichnern der Vereinbarung gehören aktuell unter anderem die REWE, Hofer, Lidl, Spar, Unimarkt, MPreis und Sutterlüty“, sagt Monika Mörth, stellvertretende Leiterin des Ministerbüros im Lebensministerium. „Der Lebensmitteleinzelhandel in Österreich ist in Sachen Umwelt- und Klimaschutz hoch sensibilisiert. Er ist extrem nahe am Konsumenten und gehört immer zu den ersten, wenn es darum geht, Maßnahmen in diese Richtung umzusetzen.“ Aber auch andere Handelsunternehmen wie Mediamarkt, Betten Reiter oder Deichmann haben die Vereinbarung bereits unterschrieben.

„In einem gesamten Konsumentenleben verbraucht man die Ressourcen so vieler Sackerl wie die einer einzigen Tankfüllung.“ Alfred Matousek

Plasiksackerlverbrauch pro Person/Jahr

  • 90 Plastiksackerl verbrauchen Europäer
  • 51 Plastiksackerl sind es in Österreich
  • 40 Plastiksackerl sollen es bis 2025 in ganz Europa werden
  • 0 wären für die Umwelt wohl am besten

Vergleichsübersicht zum durchschnittlichen aktuellen Plastiksackerlverbrauch pro Person/Jahr in Europa und Österreich.
Zahlen: Lebensministerium

Ist die Umstellung von Kunststofftragetaschen ausschließlich auf Sackerl aus Papier, Naturfaser und Recyclingmaterial auch als Wohltat für die Umwelt zu sehen, darf man die Relation nicht aus den Augen verlieren: „Eine einzige Tankfüllung eines durchschnittlichen PKWs entspricht in etwa dem selben Energiegehalt wie 4.000 Plastiksackerl“, erklärt Alfred Matousek, Umwelt- und Abfallbeauftragter der REWE Group. „In einem gesamten Konsumentenleben verbraucht man also ungefähr die Ressourcen so vieler Sackerl wie die eines einzigen Tanks.“ Laut Lebensministerium (Stand: 2010) brauchen die Österreicherinnen und Österreich 51 leichte und schwere Tragetaschen im Jahr. „Das sind rund fünf bis sieben Tonnen Kunststofftragetaschen im Jahr und 0,01 Prozent aller Abfälle“, sagt Monika Mörth. Auf die Einwohnerzahl gerechnet ist es rund ein dreiviertel Kilo jährlich pro Kopf. Ein geringfügiger Anteil, bedenkt man, dass die Österreicherinnen und Österreicher im Jahr rund 488 Kilogramm Mist produzieren (Stand: 2014).

Die Tragetaschen sollen im Handel nicht nur weniger und umweltfreundlicher, sondern vor allem öfter verwendet werden.

„Mehrweg ist bei der Umweltbilanz einfach der Sieger. Er ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Qualität dementsprechend groß ist“, sagt Josef Schenkenfelder von der Umweltberatung zum Thema. Mit der Umstellung wollen die Unternehmen Ressourcen schonen, Verpackungsmaterial vermeiden – und die Weltmeere schützen. Dass man damit unter anderem auch gegen das eigene Geschäft arbeitet – immerhin bringt der Verkauf von Tragetaschen im Lebensmitteleinzelhandel seit jeher gutes Geld – ist den Unternehmen der Umweltschutz wert. Denn: Rund 80 Prozent des weltweiten Plastikmülls gelangt über Flüsse in die Ozeane, wo er Müllinseln und -strudel bildet. Tiere wie Schildkröten, Robben oder Fische, die das Plastik mit Nahrung verwechseln, gehen daran elend zugrunde. „Das Plastiksackerl ist in Europa ein Litteringproblem“, sagt Monika Mörth. „Es landet im Fluss, in der Natur, auf dem Baum. Das kann und muss man vermeiden.“

„Wasser ist unser Leben“

Das Plastiksackerl an der Supermarktkasse weicht umweltfreundlicheren Alternativen – unter anderem zum Schutz der Gewässer. Wie es um die heimischen Flüsse und Seen steht und warum Wasser essenziell ist, verrät Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes.

Zum Interview
"Wasser ist unser Leben"

Die Handelsketten der REWE Group ersetzen ab heuer das Plastiksackerl an der Kasse mit Alternativen aus Papier, Naturfasern und recycelten PET-Flaschen. Unter anderem zum Schutz der Gewässer. Wie es um die heimischen Flüsse und Seen steht und warum Wasser essenziell ist, verrät Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes.

BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA ersetzen ab heuer das Plastiksackerl an der Kasse mit Alternativen aus Papier, Naturfasern und recycelten PET-Flaschen. Unter anderem zum Schutz der Gewässer. Wie es um die heimischen Flüsse und Seen steht und warum Wasser essenziell ist, verrät Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes.

Es ist allgemein bekannt: Plastik und Mikroplastik verschmutzen die Weltmeere. Wie sieht die Situation in österreichischen Gewässern aus?

Wir haben uns das 2014 in einer Studie am Beispiel der Donau angesehen und den Plastik- und Mikroplastikanteil in der gesamten Wassermenge der Donau innerhalb eines Jahres erhoben. Immerhin verlassen rund 80 Prozent des österreichischen Oberflächen-Wassers das Land über die Donau. Als Mikroplastik haben wir in diesem Fall Plastikteilchen mit einer Größe ab einem halben Millimeter definiert. Wenn die Donau von Deutschland ins Land kommt, transportiert sie bereits 14 Tonnen Plastik mit. Wenn sie Österreich wieder Richtung Ungarn verlässt, verlassen rund 40 Tonnen Plastik das Land. Innerhalb eines Jahres kommen also in Österreich rund 26 Tonnen Plastik in die Donau.

Ist das viel?

Wenn wir das mit anderen Staaten vergleichen, ist das wenig. Dennoch ist natürlich jede Tonne Plastik im Wasser eine Tonne zu viel.

Um welche Art von Plastik handelt es sich?

90 Prozent stammt aus diffusen Quellen. Das sind durch Wind und Wetter zerfallene Teilchen von Plastikflaschen, Plastiksackerl, Kunststoffpartikelchen, die über den Wind ins Wasser kommen, über den Regen in den Abfluss, über die Klospülung in die Kläranlage. Größere Teile werden natürlich in den Kläranlagen herausgefiltert, aber so genannte Mikrobeads, also Kunststoffzusätze, die wir insbesondere in Kosmetika finden und die kleiner als 0,5 Millimeter sind, gehen durch die Kläranlagen durch.

Wodurch werden unsere Gewässer denn sonst noch verschmutzt?

Grundsätzlich muss man sagen: In Österreich haben wir eine sehr gute Wasserqualität. Die Quellen unserer Berge sind ein wahrer Schatz. Der Anschlussgrad an die Kläranlagen liegt bei 95 Prozent – das ist extrem hoch. Industriebetriebe haben meist ihre eigenen Kläranlagen, die regelmäßig geprüft werden, und wir haben ein sehr strenges Wassergesetz – auch für Abwässer. Wenn es noch zu Verschmutzungen kommt, dann sind das Einzelfälle, wenn etwa die entsprechende Wartung der Abwasserrohre nicht durchgeführt wurde.

Österreich ist sehr stolz auf seine Wasserqualität. War unser Wasser immer schon so sauber?

Oh nein, das war in den 70er-Jahren ganz anders. Damals war die Gefahr, dass unsere Badeseen kippen, sehr groß. Nitrat, Phosphat, Stoffe aus Düngern aus der Landwirtschaft und aus privaten Gärten haben damals zu einem enormen Algenwachstum in den Seen geführt. Das war eine Gefahr für den Tourismus. Deshalb wurden in den 70ern Ringleitungen rund um die Gewässer gelegt, wo die Abwässer gesammelt und in der kommunalen Kläranlage gereinigt werden. Heute haben 75 Prozent unserer Flüsse und Seen eine sehr gute oder gute stoffliche Qualität. Die ökologische Qualität unserer Flüsse ist nicht so optimal, also deren Uferstruktur oder Begradigungen, die die Fließgeschwindigkeit stark beeinflusst. . Nur wenn die Struktur auch passt, dann kann dort ein funktionierendes Ökosystem vorhanden sein, können etwa Fische laichen. Aber das ist ein anderes Thema.

„Die Lebensmittelverschwendung ist ein viel größerer Schadensfaktor für das Wasser als ein Plastiksackerl.“

Inwiefern beeinflusst der Handel die Qualität unserer Gewässer?

Wie hoch der Anteil des Handels an unseren Abwässern ist und wie diese die Wasserqualität verändern, dazu gibt es keine Zahlen. Wo der Handel jedoch Einfluss hat, ist bei der Aufklärung der Konsumentinnen und Konsumenten. Abfälle etwa, die entsorgt werden, tragen indirekt zur Wasserverschmutzung bei. 30 bis 40 Prozent der Lebensmittel werden heute weggeschmissen, das sind 30 bis 40 Prozent an Lebensmittel für deren Produktion Pestizide, Nährstoffe, Fläche genutzt wurde – und die man hätte verhindern können. Der Lebensmitteleinzelhandel kann deshalb darauf setzen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, indem er etwa Wunderlinge anbietet oder weniger Aktionen setzt, die Lebensmittel billig verschleudern. Er kann auch darauf hinweisen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nur eine Richtlinie ist und kein Zeitpunkt, das Lebensmittel wegzuschmeißen. Die Lebensmittelverschwendung ist eigentlich ein viel größerer Schadensfaktor für das Wasser als Plastiksackerl.

Welchen Einfluss haben Konsumentinnen und Konsumenten auf unser Wasser?

Bei uns herrscht leider oft die Devise: Ist etwas schlecht, ab ins Klo damit. Aber: Alles was über die Klospülung ins Abwasser geht, kann über den Klärschlamm und über den Boden letztlich auch ins Grundwasser kommen. Da kommt es dann immer darauf an, wie gut die Kläranlage ist. Besonders schädlich sind Substanzen wie beispielsweise endokrine Disruptoren, also hormonaktive Substanzen aus Kosmetika, Weichmacher für Kunststoffe oder Kunststoff-Mikrobeads in kosmetischen Hautpeelings, die ins Abwasser gelangen. Diese Mikrobeads haben Ecken und Kanten und können, so sie ins Wasser kommen, die inneren Organe von Fischen und Muscheln schädigen. Der Handel könnte da auch auf die Konsumierenden Einfluss nehmen, indem er Produkte auszeichnet, die diese Schadstoffe nicht aufweisen. Es gibt biologische Stoffe, die diese Mikrobeads ersetzen können. Beim Peeling etwa Holzpartikel. Die kann die Natur auch wieder rascher abbauen.

„Der Mensch besteht bei seiner Geburt zu 85 Prozent aus Wasser. Wenn dieser Anteil verschmutzt ist, ist das ein essenzieller Schaden für den Menschen.“

Kann denn verschmutztes Wasser generell wieder komplett sauber werden?

Natürlich! Wenn ein Schadstoff aus dem Wasser draußen ist, und nachfließendes Wasser nicht belastet ist dann wird das Gewässer wieder sauber.

Warum ist gerade sauberes Wasser so wichtig für den Menschen?

Der Mensch besteht bei seiner Geburt zu 85 Prozent aus Wasser, muss ich noch mehr sagen? Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. Wenn Wasser verschmutzt ist, dann ist das ein essenzieller Schaden für den Menschen. Wir nehmen Wasser überall zu uns – nicht nur wenn wir es direkt aus der Leitung trinken, sondern auch mit Lebensmitteln – mit der Suppe, mit dem Fruchtsaft. Wenn  das darin enthaltene Wasser mit Schadstoffen belastet ist, etwa mit endokrinen Substanzen, kann das Auswirkungen auf die Gesundheit haben, so kann  unser Hormonhaushalt gestört werden. Für eine gesunde Ernährung und für unsere Gesundheit ist sauberes Wasser essenziell! Aber natürlich auch für das Ökosystem. Ist das Wasser verseucht, kommt das ganze Ökosystem ins Wanken.

Das Gespräch führte Maria Schoiswohl.

×

Die heimischen Umweltschutzorganisationen begrüßen die Initiative der Handelsunternehmen. Ein Grund zum Ausruhen sei sie aber nicht.

Der Umweltorganisation Greenpeace geht beispielsweise das Angebot an alternativen Tragetaschen nicht weit genug – gerade Papiertaschen seien ein schlechter Ersatz, da sie in der Produktion keine bessere Ökobilanz als klassische Plastiksackerl aufweisen würden. „Mit dem Schritt zum Ende der Einwegplastiktragetaschen ist ein wichtiges Signal gesetzt“, sagt Leonore Gewessler, Geschäftsführerin der Umweltorganisation GLOBAL 2000. „Wir erwarten uns aber, dass weitere mutige Schritte folgen: Nicht nur Tragetaschen aus Kunststoff zu reduzieren, sondern auch mehr Produkte unverpackt, in Mehrwegsystemen oder in zumindest ökologisch vorteilhaften Verpackungen anzubieten sind nächste logische Schritte zum Schutz unserer Umwelt.“

Die EU und die Tragetasche

Eine Richtlinie verlangt von den Mitgliedstaaten der EU die Reduktion von Einwegtragetaschen aus Kunststoff. In Österreich will man Einwegtragetaschen aller Materialien reduzieren. Mehrere Handelsunternehmen haben sich bereits dazu verpflichtet. Freiwillig.

100 Milliarden Plastiktragetaschen werden laut EU-Kommission pro Jahr in den EU-Staaten verbraucht (Zahlen aus dem Jahr 2010). 89 Prozent davon verwenden Konsumentinnen und Konsumenten nur einmal. In Österreich sollen es rund eine Milliarde sein. Nach dem Gebrauch landen die Sackerl im Müll – oder in der Landschaft. Um diesem Problem entgegenzuwirken hat die EU eine Richtlinie verfasst, die ihre Mitgliedsstaaten verpflichtet, leichte Einwegtragetaschen aus Kunststoff ab Ende 2018 nicht mehr gratis herzugeben oder mit anderen Maßnahmen den Verbrauch bis 2025 auf 40 Tragetaschen pro Person pro Jahr zu reduzieren. In Österreich liegt der Verbrauch bereits jetzt bei nur 51 Sackerl pro Kopf und Jahr. Andere Länder kommen auf 400 Sackerl pro Person und Jahr.

Das Lebensministerium, heimische Handelsunternehmen – darunter die REWE Group, Spar, Hofer, Mediamarkt und Deichmann – und die Umweltorganisationen Greenpeace und Global 2000 haben zur Umsetzung der Richtlinie die freiwillige „Vereinbarung 2016-2025 zur Vermeidung von Tragetaschen“ unterzeichnet. Die Richtlinie der EU ist verpflichtend für leichte Kunststoff-Tragetaschen (Wandstärke 15–50 Micron). Für sehr leichte (Wandstärke unter 15 Micron) und schwere Plastiktragetaschen (Wandstärke ab 50 Micron) können die Mitgliedsstaaten verpflichtenden Maßnahmen setzen. Ziel der österreichischen Vereinbarung ist die grundsätzliche Reduktion jeglicher Art von Tragetasche, ausgenommen sind Kühl- und Permanenttragetaschen. Die Menge an Kunststofftragetaschen soll bis 2019 um 50 Prozent sinken.

Für die Umsetzung des Vorhabens haben die österreichischen Handelsunternehmen bis Mitte 2016 umfassendes Zahlenmaterial zum Tragetaschenverbrauch gesammelt. Seit 1. Juli 2016 werden Kunststoff-, Papier- und biologisch abbaubare Sackerl – so wie bisher – nur mehr gegen Entgelt an Konsumentinnen und Konsumenten abgegeben. Ausgenommen sind Tragetaschen im Frischebereich. Gleichzeitig fördern die Handelsunternehmen den bewussten Umgang mit Tragetaschen bei ihren Kundinnen und Kunden – sie erleichtern die Mehrfachnutzung, fordern nicht automatisch zum Sackerlkauf auf und legen keine Knotenbeutel zur Gratisentnahme an der Kasse aus.

Weiterlesen
×

„Die Mehrwegtragetasche ist nur ein Symbol für bewussteren Konsum“, sagt Alfred Matousek.

Wie auch die anderen Lebensmittelunternehmen in Österreich, versuchen BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA Nachhaltigkeit konkret zu leben. Bestes Beispiel ist die Bio-Lebensmitteleigenmarke Ja! Natürlich. 1994 ist ihre Einführung am österreichischen Markt eine Premiere. Kurz später zieht Spar mit Natur*pur nach, 2003 folgt Hofer mit der Eigenmarke Zurück zum Ursprung. Die Entwicklung beeinflusst nicht nur das Einkaufsverhalten von Konsumierenden (2014 bringt Ja! Natürlich einen Jahresumsatz von 355 Millionen Euro bei 8,1 Milliarden Euro Bruttoumsatz der REWE Group in Österreich), sondern auch die Zusammenarbeit des Lebensmittelhandels mit der Landwirtschaft. Und gerade im Bio-Segment macht man sich vermehrt Gedanken um umweltfreundliche Verpackungsmaterialien. „Das Kundensegment ist da natürlich auch aufmerksamer“, sagt Alfred Matousek. Green Packaging aus abbaubarer Zellulose, Karton oder biogenem Material ist bei den Bio-Linien der Lebensmitteleinzelhändler mittlerweile Usus.

Auch in Sachen Energieeffizienz und CO2-Ausstoß übernehmen die Unternehmen Verantwortung: Sie beziehen ihren Strom aus nachhaltigen Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne – die Spar-Klimaschutzmärkte etwa produzieren bis zu 100 Prozent ihrer verbrauchten Energie selbst –, sie arbeiten durch energieeffiziente Filialgestaltung, etwa mit optimierte Kältetechnik oder LED-Beleuchtung, an der steten Reduktion von Treibhausgasemissionen – Hofer ist beispielsweise seit 2016 komplett CO2-neutral – oder verbessern ihre Lager- und Logistikmaßnahmen. Die Handelsketten BILLA, MERKUR und ADEG setzen bei Produkten mit dem PRO PLANET-Label, einem Label für Produkte aus konventioneller, nachhaltigerer Landwirtschaft, auf Mehrwegkisten im Transport. „Mit REWE, Spar und Hofer haben wir drei starke Player am Markt“, sagt Monika Mörth vom Lebensministerium. „Macht einer den ersten Schritt, ziehen die anderen rasch nach. Das ist ein sehr befruchtender Wettbewerb.“

Was kann mein Einkaufssackerl noch?

Nach dem Einkauf ist vor der Wiederverwendung – so sollte das Motto für jedes erworbene Sackerl, gleich aus welchem Material, lauten. Was man mit einer Tragetasche aus Papier, Baumwolle oder recycelten PET-Flaschen so alles anfangen kann? Blühendes Österreich verrät es.

Zu den Tipps

Transporttasche

Vor allem Permanenttragetaschen aus recycelten PET-Flaschen und Jute sind praktisch für den Transport jeglicher Art von Dingen: Schuhe und Skisachen im Winter, Badesachen oder Saft, Semmerl und Süßes fürs Picknick im Sommer, der Laptop das ganze Jahr über. Auf Reisen lassen sich darin die Strandspielsachen verstauen oder das Futter für den Hund. Immer und immer wieder.

Weiter

Verwandlungskünstler

Gerade zur Faschingszeit geraten Papiertaschen zur lustigen Maske, indem man sie bemalt oder beklebt. Für den romantischen Abend stellt man ein Marmeladeglas samt Teelicht in die Tasche – und fertig ist die Lampe. Auch als Geschenkesackerl oder -verpackung sind Papiertaschen ideal. Oder als Jausensackerl. Sind sie kaputt, lässt sich damit immer noch ein Feuerchen anfachen.

Weiter

Duftkissen

Sackerl aus Baumwolle machen bei Hippstern mittlerweile der Handtasche Konkurrenz. Was braucht man auch mehr für Geldtascherl, Handy und Schlüssel? Die Sackerl lassen sich waschen, wenn sie schmutzig werden, und sind sie irgendwann zerschlissen – Sackerl zerschneiden, mit Lavendel füllen und zu Duftkissen verarbeiten. Sind sie komplett verwaschen und unbrauchbar, heißer Tipp: Baumwolle ist auch als Wischlappen gut verwendbar.

Weiter

Mülltrennung

Natürlich ist die Tragetasche nicht nur für einen, sondern für mehrere Einkäufe nützlich. Zu Hause eignen sich intakte Papiersackerl und Permanenttragetaschen aufgrund ihrer Form ideal auch für Ordnungssysteme oder zur Mülltrennung – etwa für Papiermüll, Plastik- oder Glasflaschen, für Dosen oder Tetra Paks. Stichwort Mülltrennung: Damit aus Müll wieder etwas werden kann, ist die richtige Entsorgung – Papier in den Papiercontainer, Dosen ins Altmetall, etc. – Grundvoraussetzung.

Der Wettbewerb besteht im Lebensmitteleinzelhandel auch bei Umweltinitiativen und Kampagnen für bewussteren Konsum.

Buchtipp

Leben ohne Müll

„Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün“ titelt Autorin und Bloggerin (wastelandrebel.com) Shia Su ihr Buch. In einem Selbstversuch hat sie ihren Abfall reduziert, bis der Mist eines ganzen Jahres in ein Einmachglas passte. Ihr Fokus liegt auf umfassendem, bewusstem Konsumverhalten für einen nachhaltigen Lebensstil. Dafür gibt sie praktische Tipps, die man sofort im Alltag umsetzen kann. Etwa beim nächsten Einkauf die losen Paradeiser in die Baumwolltragetasche zu legen, anstatt jene in der Plastikverpackung.

Freya, ISBN: 978-3990252734

BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA unterstützen den heimischen Schmetterling, Hofer schwärmt gemeinsam mit dem Naturschutzbund für Bienen und Spar fördert mit dem WWF Österreich den Erhalt und Aufbau gesunder Böden. Gleichzeitig treten die Unternehmen gegen Lebensmittelverschwendung an,  denn in Österreich fallen jährlich rund 760.000 Tonnen an Lebensmittelabfällen und -verlusten an – über die Hälfte stammt aus privaten Haushalten. Gemüse, Brot und Milchprodukte stehen ganz oben auf der Liste an weggeworfenen Lebensmitteln. Das wäre durch geplanteren Einkauf, sachgerechte Lagerung und richtig verstandenes Mindesthaltbarkeitsdatum vermeidbar. „Auch wenn das Bewusstsein in der Bevölkerung für nachhaltigen Konsum gestiegen ist, erleben wir einen Werteverlust bei Lebensmitteln“, sagt Josef Schenkenfelder von der Umweltberatung. „Gerade hier fordern wir Mut zur Lücke für mehr Ökologisierung.“

Das funktioniert bereits. Ansatzweise. In den Filialen der REWE Group-Handelsketten liegen Obst- und Gemüse-Wunderlinge im Regal und die Spar-Filialen geben Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, an Sozialeinrichtungen weiter. „Das Plastiksackerl war jetzt, der nächste Schritt ist sicher, die Kunden noch mehr für einen bewussteren Ressourcenumgang zu sensibilisieren“, sagt Alfred Matousek. Schließlich sei der regionale, saisonale Einkauf der Schlüssel für Klimaschutz und eine nachhaltige Wirtschaft, ergänzt Monika Mörth. Der nächste Auftrag für den Lebensmitteleinzelhandel in der Nachhaltigkeitsentwicklung steht also bereits. Für Konsumentinnen und Konsumenten heißt es künftig: Gut überlegen, was und wie viel man zum Abendessen braucht, wenn man rasch vor Feierabend in den Supermarkt kommt. Über die umweltfreundliche Tragetasche muss man sich keine Gedanken mehr machen.

10 Fakten zum Plastiksackerl

Das Plastiksackerl ist robust, langlebig – und wird zum Problemfall, wenn es in die Umwelt gerät. Da es noch dazu aus dem fossilen Rohstoff Erdöl produziert wird, ist es für die nachhaltig agierenden Handelsketten der REWE Group langfristig keine umweltverträgliche Lösung. Zehn Fakten zum Thema Plastiksackerl.

Zu den Fakten

Das konventionelle Plastiksackerl

Das konventionelle Plastiksackerl hergestellt aus Rohöl wird bis 2012 an den Kassen der Handelsketten von  BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA angeboten. Ein Plastiksack ist zwar robust, doch nicht nachhaltig: Es dauert hunderte Jahre bis es sich zersetzt und – wird es nicht fachgerecht entsorgt, sondern gelangt in die Natur, schadet es der Umwelt. Auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten wird das Plastiksackerl zunehmend als Umweltsünder gesehen und ist somit keine Option für die Zukunft.

Das recycelte Plastiksackerl

Auf den verstärkten Kundenwunsch hin reagiert der Handel mit der Umstellung auf nachhaltigere Verpackungslösungen: An den Kassen der Filialen der Handelsketten gibt es ausschließlich Tragetaschen aus recyceltem Kunststoff. Die Sackerl bestehen zu mindestens 80 Prozent aus Altkunststoff, der aus gesammeltem Plastikmüll kommt, sowie aus gentechnikfreier Maisstärke oder Zuckerrohr. Bei BIPA stellt man gänzlich auf Papier- oder Mehrwegtragetaschen um. Damit werden jährlich rund 700 Tonnen Kunststoff eingespart.

Die Nachhaltigkeitsstrategie

„Gemeinsam Verantwortung tragen“ lautet das Motto der REWE Group bei der Offensive zur Reduktion von Plastikabfall. Die Biomarke Ja! Natürlich gilt als Vorzeigebeispiel – statt auf Plastik setzt man hier bei der Verpackung von Obst und Gemüse auf Karton und Zellulose. Damit hat man seit 2011 bereits über 300 Tonnen Plastik eingespart. Nachhaltigkeit ist aber für das gesamte Unternehmen ein Thema. Darum lautet das Motto beim Thema Tragetaschen „Vermeiden, reduzieren und verwerten“.

Der Knotenbeutel

Der kleine, durchsichtige Plastikbeutel liegt in den Filialen des Lebensmitteleinzelhandels in Österreich zur freien Entnahme an Obstwagen und Kassen. Bis Juni 2016. Mit der Unterzeichnung der „Vereinbarung 2016–2025 zur Vermeidung von Tragetaschen“ (siehe Artikel oben) verpflichtet sich die Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel, die Gratis-Abgabe von Plastiktragetaschen, gleich welcher Größe und Form, zu beenden. Somit gibt es den Knotenbeutel nur mehr in den Obst- und Gemüseabteilungen. Dort bleibt er – aus hygienischen Gründen – auch in Verwendung.

Das Vermeidungsziel

Mit 2017 ist das recycelte Plastiksackerl an den Kassen der REWE Group Geschichte. Mit den recycelten Plastiktragetaschen hat man im Zeitraum 2012 bis 2016 3,5 Tonnen Kunststoff vermieden, mit den alternativen Tragetaschen will man rund 28 Millionen Plastiksackerl pro Jahr einsparen. Es gibt künftig Tragetaschen aus FSC-zertifiziertem Papier, GOTS-zertifizierter Naturfaser und recycelten PET-Flaschen sowie Transportkartons. Das Angebot variiert je nach Handelskette, marginal im Preis, und wird im Laufe des ersten Halbjahres 2017 sukzessive eingeführt.

Die PET-Flaschen-Tasche

Im Zuge der Umstellung auf das neue beziehungsweise ergänzte Tragetaschenangebot in den Handelsketten liegt der Hauptfokus auf der Mehrwegtragetasche aus recycelten PET-Flaschen. Sie ist die robusteste Variante an Tragetaschen und kann beliebig oft für den – auch schweren – Einkauf verwendet werden. Damit ist diese Tragetasche die umweltfreundlichste Taschenoption. Das betrifft im Grund jedes Konsumgut – je öfter bzw. länger ich es nutze, desto kleiner wird der ökologische Fußabdruck.

Der Bioplastikverzicht

Der industrielle Anbau der Pflanzen für die notwendigen Naturfasern produziert mehr CO2 als eine Produktion aus Erdöl. Auch die Kompostierung der Bioplastiksackerl generiert mehr Aufwand als Umweltfreundlichkeit – die Kompostierung in Industriekompostanlagen braucht hohe Temperaturen und viel Energie, der Kompost ist für die Weiterverwendung, etwa in der Landwirtschaft, weitgehend unbrauchbar.

Der Papiermythos

Papier als die beste Alternative zu Plastik zu sehen, ist zu eng gedacht. Ist Papier auch aus einem nachwachsenden Rohstoff und lässt sich ideal recyceln, so ist die Ökobilanz der Produktion von Papiertragetaschen nicht immer unbedingt besser als beim Plastiksackerl. Geht es etwa um die Reißfestigkeit braucht man für ein dem Plastiksackerl gleichwertiges Papiersackerl ungleich viel mehr Material. Die Papiertragetaschen der REWE Group tragen das FSC-Gütesiegel, sie fördern damit sozial- und umweltverträgliche Waldwirtschaft.

Das Motto: Weniger ist mehr

Plastik hat als Verpackungsmaterial nach wie vor seine Berechtigung und wird diese im Lebensmitteleinzelhandel so rasch nicht verlieren. Es ermöglicht eine längere Haltbarkeit von Produkten – wie etwa bei Eissalat oder Beeren – und wirkt so der Lebensmittelverschwendung durch Verderb entgegen – unter anderem auch als Kühltragetasche. Um Verpackungsmaterial grundlegend zu reduzieren, bietet der Lebensmitteleinzelhandel vermehrt lose Produkte an – vom Apfel bis zum Zwiebel – und suchen stets nach Verpackungsalternativen aus anderen Materialien.

Die Informationskampagne

Umstellungen brauchen Zeit – sowohl für ein Unternehmen als auch für dessen Kundinnen und Kunden. BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA begleiten ihre Neuerungen bei den Tragetaschen in ihren Filialen mit umfassenden Informationskampagnen mittels Broschüren und Flugblätter sowie Online-Berichterstattung wie etwa hier auf Blühendes Österreich. Sollten direkt beim Einkauf Fragen entstehen, stehen die Mitarbeitenden der einzelnen Filialen für Antworten bereit.

×

Ich stimme zu, dass diese Seite Cookies für Analysen verwendet.

Mehr Erfahren