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Lostage sind bestimmte Tage im Jahr, die Aufschlüsse über das künftige Wetter erlauben sollen. Früher, als es noch keine verlässlichen Wetterprognosen gab, waren sie wichtige Anhaltspunkte für die Landwirtschaft. Bäuerinnen und Bauern stimmten z. B. den Zeitpunkt der Aussaat auf die Lostage ab.

Allgemein

Die Landwirtschaft ist unmittelbar vom Wetter abhängig. Bäuerinnen und Bauern haben daher immer schon das Wetter beobachtet und versucht, Zusammenhänge und wiederkehrende Muster zu erkennen. Ihre Wettererkenntnisse fassten sie in gereimten Sprüchen zusammen – sogenannte Bauernregeln und Lostage entstanden. Die Lostage sind oft nach Heiligen aus dem Kirchenjahr benannt. Insgesamt sind heute Wetterregeln zu ca. 100 Tagen im Jahr bekannt.

 

Wichtige Lostage in Österreich sind z. B.:

2. Februar: Maria Lichtmess

„Wenn‘s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“

„Gibt’s an Lichtmess Sonnenschein, wird’s ein später Frühling sein.“

„Lichtmess“ kommt von der Frühmesse in der Kirche, die ab diesem Tag wieder bei Tageslicht stattfindet. Zu Lichtmess begann früher das sogenannte „Bauernjahr“. Knechte und Mägde erhielten an diesem Tag ihren Jahreslohn, wurden vom Bauern ein weiteres Jahr beschäftigt oder durften auf einen anderen Hof wechseln. Das nordamerikanische Wetterprognose-Pendant, ebenfalls am 2. Februar, heißt übrigens „Groundhog Day“ (Sie wissen schon: „Und täglich grüßt das Murmeltier“… ?).

12. – 15. Mai: Die Eisheiligen

„Pankratius, Servatius und Bonifatius bringen oft Kälte und Verdruss.“

„Pflanze nie vor der Kalten Sophie!“

An Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14.Mai) und zur „Kalten Sophie“ (15. Mai) kommt es oft zu Kaltlufteinbrüchen aus dem Norden. Dabei kann Bodenfrost Pflanzen in einer besonders empfindlichen Entwicklungsphase treffen. Daher soll die Aussaat erst nach der „Kalten Sophie“ erfolgen. Letztere gibt es nur in Österreich und Süddeutschland als Eisheilige.

24. Juni: Johannistag

„Johanni trocken und warm, macht den Bauern nicht arm.“

„Vor dem Johannistag man Gerst‘ und Hafer nicht loben mag.“

Die Wetterregeln zu Johanni deuten darauf hin, dass nun im Allgemeinen die sog. „Schafskälte“ endet und dass die Reifezeit bei Sommergetreide beginnt. Im Naturschutz ist der Johannistag oft der früheste Zeitpunkt, an dem naturnahe Wiesen gemäht werden dürfen. Dies stellt sicher, dass sich viele Wiesenpflanzen und Tiere zuvor vermehren können.

27. Juni: Siebenschläfertag

„Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen lang bleiben mag.“

Dieser Lostag geht nicht auf das Nagetier zurück, sondern auf sieben Christen, die zur Zeit der Christenverfolgung lebendig in einer Höhle bei Ephesos eingemauert worden sein sollen. Der Überlieferung nach sind sie nicht gestorben, sondern haben fast 200 Jahre lang geschlafen.

Weitere bedeutende Lostage:

  • Dreikönigstag (6. Jänner)
  • Georgstag (23. April)
  • Peter und Paul (29. Juni)
  • Jakobi (25. Juli)
  • Bartholomäus (24. August)
  • Michaelistag (29. September)
  • Martini (11. November)
  • Andreastag (30. November)

 

Zahlen & Fakten

Verlässlichkeit

Nicht alle bäuerlichen Wetterregeln und Lostage sollten für bare Münze genommen werden. Etliche sind wissenschaftlich nicht belegbar. Andere Lostage dagegen liefern statistisch nachweisbare Hinweise auf sogenannte „meteorologische Singularitäten“. Das sind Großwetterlagen, die sich regelmäßig in etwa zur selben Zeit im Jahr einstellen – und zwar nicht immer, aber oft. Nachgewiesen ist dies z. B. beim Siebenschläfertag oder bei den Eisheiligen. Manche Lostage haben also einen wahren Kern, zumindest im langjährigen Schnitt. Vor allem dann, wenn man sie nicht auf den exakten Kalendertag reduziert, sondern eher den Zeitraum um diesen Tag herum betrachtet.

Beim Kalendertag gibt es ohnehin Unschärfen: Seit der Umstellung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender im 16. Jahrhundert stimmen die Lostage mit den jeweiligen Heiligen-Gedenktagen nicht mehr überein. Man müsste alle Lostage genau genommen um 10 Tage nach hinten verlegen.

Auch existieren viele Abwandlungen der bäuerlichen Wetterregeln. Sie können sich an ein und demselben Tag sogar deutlich wiedersprechen. Nicht zuletzt, weil sie manchmal regionale Besonderheiten des Wetters berücksichtigen, die woanders nicht gelten.

 

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