Pferderassen

Heute gibt es weit über 200 verschiedene Pferderassen weltweit. Um sie besser einteilen zu können, spricht man von vier Gruppen: Vollblüter, Warmblüter, Kaltblüter und Ponys. In Österreich sind vor allem der Haflinger (Pony), der Noriker (Kaltblut), der Lipizzaner und der Shagya-Araber (Warmblut) von Bedeutung. In der Landwirtschaft bzw. auch der Säumerei kamen vor allem Haflinger und Noriker zum Einsatz.

Allgemein:

Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes

Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Evolution des Pferdes vor rund 60 Millionen Jahren – im Eozän – seinen Anfang nahm. Der Vorfahre aller Pferde ist demnach das Hyracotherium (Eohippus), ein kleines im Wald lebendes Tier, das wenig Ähnlichkeit mit unseren heutigen Pferden aufwies und nicht größer war als ein Fuchs.

Über die Jahrmillionen hinweg entwickelte sich dieses „Urpferd“ immer weiter und passte sich an die gegebenen Umweltbedingungen an. Als die noch ursprünglichste Pferderasse, wenn auch keinesfalls als direkter Nachfahre des Urpferdes zu bezeichnen, gilt das Przewalski-Pferd.

Die Entwicklung der Pferderassen

War für den Menschen das Pferd anfangs vor allem Beutetier, wurde es bald domestiziert und als Reit- und Tragtier genutzt. Je nach Anspruch wurde das Pferd in verschiedene Richtungen gezüchtet, um für die Arbeit am Feld, im Krieg, in Mienen, in der Wüste etc. einsetzbar zu sein. Heute spricht man von weit mehr als 200 Pferderassen weltweit, die für verschiedenste Zwecke zum Einsatz kommen. Hobby- und Sportpferde haben dabei Arbeits- und Kavalleriepferde größtenteils ersetzt.

Die österreichischen Pferderassen

Österreich hat eine lange Pferdezuchttradition, die weit in die K.u.K.-Monarchie zurückreicht. Der Lipizzaner lässt sich etwa bis weit ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und ist heute mit der Spanischen Hofreitschule in Wien so etwas wie ein Wahrzeichen Österreichs. Der Shagya-Araber und diverse Warmblutpferderassen werden heute als Sport- und Freizeitpferde in Österreich erfolgreich gezüchtet. In der Landwirtschaft brauchte man aber ein robustes, starkes und gleichzeitig gutmütiges Pferd. Noriker und Haflinger kamen auf steilen Wiesen, am Acker und im Wald zum Einsatz. Heute stellen beide Rassen ein wertvolles Kulturgut dar, das entsprechend gepflegt wird.

  • Der Noriker

Der Noriker geht auf ein schweres römisches Pferd zurück. Der Name stammt von der Provinz Norikum. Ursprünglich war der Noriker ein reines Arbeitspferd, das im ländlichen Bereich für die Forst- und Landwirtschaft, bzw. im Kriegsdienst als Last- und Zugpferd eingesetzt wurde. Es handelt es sich um ein so genanntes „Gebirgskaltblutpferd“ mit tiefer Schwerpunktlage, das sich vor allem durch Trittsicherheit, einen guten Gleichgewichtssinn, einen außerordentlich guten Charakter und ein ausgeglichenes Temperament auszeichnet. Der Noriker zählt zu einem der wertvollsten bäuerlichen Kulturgüter und wird heute in Reinzucht gezüchtet.

Stockmaß*: 158 bis 163 cm

Gewicht: 700 bis 900 kg

Farben: Brauner, Rappe, Fuchs, Tiger und Schecke

(*als Stockmaß bezeichnet man die Höhe vom Boden bis zum Widerrist, dem leicht erhöhten Übergang vom Hals in den Rücken)

  • Der Haflinger

Die ursprüngliche Heimat des Haflingers sind die Sarntaler Alpen im heutigen Südtirol. Dort beginnt die schriftlich dokumentierte Haflingerzucht mit dem Hengst „249 Folie“, ab dem der Haflinger die ganze Welt eroberte. Als trittsicheres, belastbares, eher kleines Gebirgspferd wurde er in zwei Weltkriegen als Trag-, Zug- und Reittier eingesetzt, war wichtiges Saumpferd und überaus wertvoller Partner in der Landwirtschaft, speziell auf den Bergbauernhöfen, wo ein großes Pferd wie der Noriker weder zu ernähren noch auf den extrem steilen Wiesen einsetzbar gewesen wäre. Heute erlebt der Haflinger ob seiner Anspruchslosigkeit, Gutmütigkeit und Gängigkeit als Reit- und Fahrpferd eine wahre Renaissance.

Stockmaß: 140 – 150 cm

Gewicht: 450 – 600 kg

Farbe: ausschließlich Fuchs mit weißem Langhaar

Stadl Paura

Stadl Paura ist quasi das österreichische Pferdedienstleistungszentrum, ein international anerkanntes Kompetenzzentrum für Zucht, Sport, Freizeit und Kultur. Vor allem im Bereich der Zucht übernimmt Stadl Paura die wichtigen Aufgaben der Bundesländer übergreifenden Selektion bei Fohlenchampionaten, die Aufnahmen ins Stutbuch, Hengstkörungen sowie Material- und Leistungsprüfungen, die die Zukunft und Vielfalt von gesunden und leistungsfähigen Pferden in Österreich sichern.

Zahlen & Fakten

Haflinger

Seit 1921 wird der Haflinger in Österreich organisiert gezüchtet und  jedes Pferd in Hengst- und Sutbüchern lückenlos dokumentiert. Mit einem Zuchtbestand von 4.000 eingetragenen Stuten und 100 Hengsten ist Österreich damit das Zentrum der weltweiten Haflingerzucht. Besonders hervorzuheben ist der Haflinger-Pferdezuchtverband „Fohlenhof Ebbs“ in Tirol.

Noriker

Der Noriker zählt in Österreich zu den gefährdeten Haustierrassen und wird unter bestimmen Voraussetzungen über das ÖPUL-Programm (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) gefördert. Im Stutbuch sind aktuell ca. 4.800 Stuten und Hengste registriert. Die Zucht erfolgt über die „Arbeitsgemeinschaft Norikerpferdezüchter“.

Der Noriker eignet sich nach wie vor gut als Zugpferd und wird gerne auch im Tourismus als Kutschenpferd eingesetzt. Aber auch im Bereich der Forstarbeit, v.a. beim so genannten „Holzrücken“, kommt der Noriker wieder häufiger zum Einsatz, da mit dem Pferd eine wesentlich baum- und bodenschonendere Bearbeitung möglich ist. Die Ausbildung der Pferde setzt viel Erfahrung voraus. Ein gut geschultes Pferd reagiert auf Zuruf, ist aufmerksam bei der Sache und sehr trittsicher – praktisch ein gleichwertiger, wenn auch 900 kg schwerer, Partner für den Forstarbeiter bzw. die Forstarbeiterin.

 

 

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