Kaum eine Region Österreichs kann sich über eine derartige Vielfalt an seltenen Lebensräumen freuen, wie der Naturpark Südsteiermark. Das Klima ist günstig, Wälder, Wiesen, Weingärten und Äcker in flachen bis steilen Lagen wechseln sich ab. So entstehen seltene Lebensräume mit zum Teil ebenso seltenen Tier- und Pflanzenarten. Warum in einigen südsteirischen Gemeinden derzeit trotzdem an vielen Straßenecken geharkt, gejätet und gesät wird?

 

Insektensterben im Grünen Herz

Die wertvollen Grünland- und Wiesenflächen werden immer weniger. Und dort, wo es sie noch gibt, tummelt sich im Grün auch immer weniger Leben. Bei den für das südsteirische Landschaftsbild so typischen Grünland-Biotoptypen ist ein drastischer Rückgang an Lebewesen und Artenvielfalt zu verzeichnen: auf den Grünland-, Trockenrasen, und Halbtrockenrasenbiotopen trifft man immer seltener auf die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Winden-Glasflügelzikade oder die Zauneidechse. Vor allem die Zahl der Insekten schwindet besorgniserregend.

 

Ronald Würflinger, Geschäftsführer von Blühendes Österreich erzählt: „Blühendes Österreich freut sich, dass wir eine so wichtige Initiative gegen das Insektensterben unterstützen können. Das Projekt verankert Biodiversität langfristig auf den öffentlichen Flächen in den Gemeinden. Besonders ist, dass die MitarbeiterInnen der Gemeinden speziell geschult und für artenreiche Bepflanzung begeistert werden. Die zielgerichtete Zusammenarbeit mit den Bauhöfen sowie die Verankerung in den Gemeinden macht dieses Projekt zu einem Leuchtturm für Biodiversitätsschutz in Österreich.“

 

Heimspiel für den Artenreichtum

Deswegen wurden und werden also eifrig die Harken geschwungen. Aktuell arbeiten 7 von 15 südsteirischen Naturparkgemeinden daran, Grünflächen wieder überwiegend artenreich und standortgerecht zu bepflanzen. Unterstützt werden sie dabei von Blühendes Österreich und im Rahmen des LEADER Programms durch Bund, Land und EU.

 

Dabei beweisen sie, dass Naturschutz keine hohe Wissenschaft und schon gar nicht teuer sein muss.

 

Der Naturpark bepflanzt gemeinsam mit den Gemeinden artenreiche öffentliche Wiesenflächen – zum Beispiel Kreisverkehre, Verkehrsinseln oder rund um Autobahnabfahrten – mit regionstypischen, standortangepassten Pflanzen. So wird nicht nur wertvoller Lebensraum für die Tierwelt geschaffen. Nebenbei sorgen diese heimischen Pflanzen auch noch für einiges an Einsparungen bei den Gemeinden, etwa weil sie nicht extra bewässert und seltener gemäht werden müssen. Das Projekt zeigt, wie attraktiv, günstig und wenig arbeitsaufwändig naturnahe artenreiche Grünflächen sein können.

 

"Der große Vorteil an diesem Projekt ist der vielfach geringere Pflegeaufwand der neuen naturnah gestalteten Flächen. Neben der Steigerung der Artenvielfalt bietet es damit auch ein enormes Einsparungspotential für die Gemeinden."

 

Ein stabiles Netzwerk oder: Inselhüpfen für Insekten

Raus aus dem Naturschutzgebiet, rein in den Ort. Das Projekt ist auch so besonders, weil es sich über verschiedenste öffentliche Flächen der Südsteiermark erstreckt. Naturschutz am Kreisverkehr, sozusagen. Ökologisch gesehen bringt das einen großen Vorteil für die Biodiversität, denn so wird über weit verstreute Flächen und gemeindeübergreifend ein Lebensraum-Netzwerk für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Hier finden Bienen, Schmetterlinge & Co. Futterstellen zum Auftanken. Nach einer gewissen Zeit des Anwachsens können die neu gestalteten, naturnahen öffentlichen Grünflächen – 12.000 m2 sind es bisher – trockenen Grünlandlebensräumen zugerechnet werden. Was das konkret bedeutet?

Die Pilotgemeinde Straß hat nachgezählt. Hier wurden über 300 verschiedene Pflanzenarten gesetzt und gesät. Bei einer ersten zoologischen Erhebung drei Monate nach der Bepflanzung konnten sich die Straßer schon über 109 Arten bei den untersuchten Tiergruppen freuen:

 

  • 11 Heuschreckenarten
  • 27 Blütenbesucherarten
  • 9 Schmetterlingsarten
  • 35 Wanzenarten
  • 25 Zikadenarten
  • 1 Libellenart
  • 1 Reptilienart

 

Unter ihnen waren übrigens auch einige (stark) gefährdete Arten wie zum Beispiel die Blauflügelige Ödlandschrecke, der Dickkopf-Grashüpfer, der Himmelblaue Bläuling, der Bunte Waldläufer, die Winden-Glasflügelzikade, die Gründe Ameisenzikade oder die Zauneidechse. Zu begutachten wären die kleinen Kerle übrigens unter anderem an der A9 Autobahnabfahrt Vogau-Straß. Wem das zu weit weg ist – vielleicht wollt ihr in eurer eigenen Gemeinde für mehr Summen und Brummen am Kreisverkehr sorgen?

 

"Das große Interesse seitens der Gemeinden soll nun genützt werden um das Know-How zur selbständigen Planung über weitere Workshops in die Gemeinden zu holen.“ Johannes Stangl

 

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