Wie vielfältig die Artenlandschaft in Österreich ist und welche Arten es überhaupt gibt – damit beschäftigen sich Biodiversitätsforscher und Taxonomen.

„Österreich ist ein abwechslungsreiches Land – von Kulturlandschaften und Städten bis hin zu fast unberührten Orten. Da ist die Bandbreite der Organismen natürlich sehr groß. Die Fragestellungen für Forscher reichen von Pflanzen, Tieren und Pilzen über Säugetiere bis zu Mikroorganismen“, sagt Franz Essl. Er ist Biodiversitätsforscher und tätig am Umweltbundesamt in der Abteilung Biologische Vielfalt und Naturschutz sowie bei der Universität Wien in der Abteilung für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie. „Man bewegt sich im Spannungsfeld der Spezialisierung und Generalisierung, um Zusammenhänge zu erkennen“, sagt Essl, „das ist vergleichbar mit einem Mediziner. Den Mediziner gibt es nicht, er spezialisiert sich als Chirurg. Und auch da gibt es Differenzierungen."

„Die Begeisterung für die Sache kommt nur durch den Kontakt zur Natur."

Wer Biodiversitätsforscher werden will, spezialisiert sich also. Meist über eine universitäre Ausbildung. Biologie, Landschaftsökologie oder Umwelt- und Ressourcenmanagement heißen die Studienzweige. „Das ist der Hauptausbildungsweg. Es gibt aber auch die Amateurforschung, die sich in der Artenkenntnis niederschlägt. Und die ist ein ganz wichtiger Aspekt“, sagt Essl.

Es sind Vogelkundler, Orchideenforscher, Reptilienkenner – kurz, Taxonomen, die Art und Identität von Tieren und Pflanzen erkennen und bestimmen können. Einerseits morphologisch – nach Äußerlichkeiten – andererseits, wenn möglich, auch molekulargenetisch. „Sehr viel Wissen stammt von diesen Taxonomen, von denen es mehrere 100 in Österreich gibt. Sie kennen sich gut aus, beschreiben das Vorkommen und das Verschwinden von Organismen, aber auch neue Organismen.“

Doch die Artenkenner in Österreich – und weltweit – werden immer weniger. Die Universitäten hatten die Taxonomie lange nicht im Fokus und neue Methoden wie DNA-Barcoding will man stattdessen zur Artenerkennung nutzen. Sie sind jedoch nur Hilfsmittel, Expertenwissen ersetzen sie nicht. „Die Begeisterung für die Sache kommt nur durch den Kontakt zur Natur", sagt Essl.

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Essl selbst ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und war schon als Kind viel draußen. „Mein erstes Bestimmungsbuch hatte ich mit zwölf“, erzählt er. Über das Studium der Biologie, Botanik und Ökologie kommt er zu seinem Job. Heute sind der Klimawandel und seine Auswirkung auf Arten und Lebensräume sein Forschungsgebiet. „Ich bin kein Freilandbiologe, die Arbeit passiert primär am Computer – Analysen, Koordination von Forschungsprojekten, Auswertung von Publikationen, etc.“

Um in dem Metier tätig zu sein, ist vor allem das Interesse und die Neugier für Wissenschaft und Natur unumgänglich. Wenn auch die wenigsten Biodiversitätsforscher in der Forschung landen – sie bringen die Natur als  Biologielehrer Kindern nahe, arbeiten in Naturschutzverwaltungen, Ökobüros oder bei NGOs. Essl: „Es macht einfach Spaß die Natur und ihre Zusammenhänge besser zu verstehen."

Autorin: Maria Schoiswohl

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