Jahr für Jahr begeben sich Frösche, Kröten, Molche und Salamander auf gefährliche Wanderungen zwischen ihren Lebensräumen. Was seit Jahrtausenden funktioniert, endet heute oft an unscheinbaren technischen Bauwerken. Weideroste, Licht und Lüftungsschächte oder andere offene Strukturen werden für Amphibien zur tödlichen Falle. Besonders entlang von Almwegen und landwirtschaftlich genutzten Flächen bleiben diese Verluste meist unbemerkt.

Diese Verluste treffen Amphibien besonders stark, auch in unserem Land. Alle 20 Amphibien- und 14 Reptilienarten in Österreich stehen auf der Roten Liste und sind bedroht bzw. vom Aussterben bedroht.

In Tirol zeigt Christina Prechtl aus Neustift, Amphibienexpertin des Naturschutzbundes Österreichs, wie sich die bestehende Infrastruktur mit einfachen Mitteln so anpassen lässt, dass sie für Amphibien nicht mehr zur Sackgasse wird. 

Unterwegs zwischen Land und Wasser  

Amphibien verbringen den Großteil ihres Lebens an Land, sind zur Fortpflanzung jedoch auf Gewässer angewiesen. Jedes Frühjahr machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen, meist nachts und bei feuchter Witterung. Weideroste und andere offene technische Strukturen liegen oft direkt auf diesen Wanderwegen. Was für Amphibien wie ein feuchter Durchgang wirkt, wird zur tödlichen Barriere. Die Tiere geraten zwischen Gitterstreben oder stürzen in Schächte.   

Fachleute gehen davon aus, dass einzelne Arten innerhalb der nächsten zehn Jahre aussterben könnten, wenn zusätzliche Belastungen nicht reduziert werden.  

„In etwa jedem vierten Weiderost finden wir ein gefangenes Tier“, berichtet Christina Prechtl, die sich seit mehreren Jahren aktiv im Amphibienschutz engagiert. „Viele dieser Roste haben keinen Wasserauslass und keine Ausstiegsmöglichkeit. Wenn ein Frosch hineinfällt, kommt er von selbst nicht mehr heraus.“ 

Ausstiegshilfen für Amphibien 

Gemeinsam mit ihrem Partner kontrolliert Prechtl während der Wanderungszeiten regelmäßig Weideroste und Querungsstellen entlang von Almwegen. Aus diesen Erfahrungen entstand eine einfache, praxistaugliche Lösung: Ausstiegshilfen, die Amphibien ermöglichen, sich selbst aus den Schächten zu befreien. 

„Uns war wichtig, dass die Lösung dauerhaft ist und ohne großen Aufwand funktioniert“, so Prechtl. „Der schwere Weiderost soll nicht angehoben werden müssen und die Ausstiegshilfe muss mindestens einen Winter überdauern.“ Zum Einsatz kommen robuste Geotextilmatten oder Kokosmatten sowie schräge Ebenen aus Holz oder Lochblech. Richtig angebracht liegen sie direkt an der Schachtwand an und reichen bis zur Oberkante. Die Tiere finden Halt und können eigenständig entkommen. 

Mach mit und rette Amphibien 

Jede und jeder kann aktiv mithelfen! Hier können kostenlose Amphibien-Rettungssets bestellt werden, mit denen Weideroste und Schächte einfach nachgerüstet werden können. Zusätzlich gibt es eine detaillierte Anleitung, mit der sich Ausstiegshilfen selbst herstellen und fachgerecht anbringen lassen. 

Eine einfache und gute Lösung für viele 

Was Christina Prechtl in Tirol umsetzt, ist ein inspirierendes Beispiel für viele andere Regionen. Genau hier setzt das Projekt „EINFACH GUT“ an: Gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern entwickelt Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung in Kooperation mit suske consulting zehn praxisnahe und kostengünstige Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. 

Durch gezielte Anleitungen, Erklärvideos und Erfahrungsberichte soll das Bewusstsein für biodiversitätsfördernde Maßnahmen gestärkt und zur Nachahmung motiviert werden. Alle Informationen sowie Anleitungen und Bestellmöglichkeit des Amphibien-Rettungssets sind auf bluehendesoesterreich.at/einfach-gut zu finden. 

Das Projekt „EINFACH GUT“ will innerhalb von drei Jahren 500 Maßnahmen auf 1.500 landwirtschaftlichen Flächen umsetzen. Jede einzelne Maßnahme trägt zur Stärkung des Biotopverbunds und zur Verbesserung der Lebensräume heimischer Arten bei. 

 

Mit Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union. 

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