Spielplatz Natur: Lasst die Kinder in den Dreck

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Klettern, toben, matschen. Dass Bergwälder, Almen und Wiesen nicht nur Lebensräume für Flora und Fauna sind, sondern vor allem Spaß machen, haben unsere Kinder längst erkannt – also lassen wir sie in den Dreck! 

Heidi, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Tom Sawyer und Huckleberry Finn – die Helden der weltberühmtesten Kinderbücher erleben ihre Abenteuer auf saftig grünen Wiesen, idyllischen Almen und Lichtungen geheimnisvoller Bergwälder. Fiktive Charaktere wie diese faszinieren Kinder bis heute, doch in der realen Welt verlagert sich die kindliche Freizeit zunehmend in die eigenen vier Wände. Experten zufolge, eine Entwicklung mit dramatischen Folgen.

 

Natürlicher Erfahrungsschatz


In seinem Bestseller „Last Child in the Woods“ berichtet der US-amerikanische Autor Richard Louv über das sogenannte „Natur-Defizit-Syndrom“. Demzufolge ist die zunehmende Entfremdung von der Natur für viele Verhaltensauffälligkeiten von Kindern wie zum Beispiel ADHS verantwortlich. „Naturerfahrungen sind prägend für die kognitive und seelische Entwicklung eines Kindes“, erklärt auch die Psychologin Mag. Brigitte Knotzer. „Abseits von vorgegebenen Spielgeräten wird das kindliche Gehirn in der Natur mit Reizen aus allen Sinnesgebieten „gefüttert“, das Lernen von Bewegung geht ganz unstrukturiert, wie nebenbei vonstatten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt keine Entwicklung des Gehirns ohne neue Reize von außen, je unterschiedlicher desto besser.“ Das beweisen auch zahlreiche medizinische Studien, die belegen, dass sich ein regelmäßiger Kontakt mit der Natur positiv auf Psyche und Immunsystem auswirkt.

 

Gesunde Entwicklung – ein Kinderspiel


Von den gesundheitlichen Auswirkungen des Natur-Entzugs einmal abgesehen – Kinder lieben von Natur aus die Natur. Sind sie einmal im Freien, scheinen Puppenhaus und Fernseher völlig vergessen. „Die Möglichkeit, Spiel spontan entstehen zu lassen und Neues selbst zu entwickeln steht im krassen Gegensatz zu einem Kinderzimmer mit vorgegebenen Computerspielen im Sitzen, vielleicht sogar im Dunkeln und hohen Stressfaktoren, wie Zeitlimits etc. Kreativität, Intuition, ein Gefühl für die Rhythmen der Natur und nicht zuletzt ein Bewusstsein für Respekt für unsere Umwelt gehen mit genügend Zeit in der Natur nicht verloren. Kann man in einem Kind die Freude an der Natur wecken, hat es auch später jederzeit eine perfekte Strategie der urbanen Reizüberflutung und Alltagshektik zu entkommen“, so Brigitte Knotzer.

Leben und leben lassen


Flüsse, Bergwälder, Almwiesen – sie alle sind einzigartige Juwele unseres Landes und bieten Lebens-, Erfahrungs- und Erholungsraum für die ganze Familie. Doch leider werden Landschaftsflächen immer weniger, auf denen die Natur im Vordergrund steht – und NICHT der wirtschaftliche Gewinn. „Naturwaldreservate sind unverzichtbare Evolutionsräume für die Natur. Um diese sogenannten Trittsteine inmitten einer intensiv genutzten Waldlandschaft zu erhalten, braucht es Weitsicht und langfristige Programme. Nur so kann die biologische Vielfalt gesichert werden“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Roman Türk, Präsident des Naturschutzbundes Österreich.

Weitsicht beweist in diesem Sinne auch der Alpenverein mit Unterstützung von Blühendes Österreich im Rahmen seiner alljährlichen Bergwaldprojekte. Dabei helfen Freiwillige bei der Pflege und Aufforstung des heimischen Bergwaldes.

Es liegt daher an uns HEUTE, die Natur für MORGEN zu schützen. Damit auch unsere Kinder schöne Erinnerungen behalten: vom Gatschhüpfen, Angeln mit Opa und dem Fangenspielen im Bergwald.

Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und der Schutz unserer Bergwälder sind Themen, die dir am Herzen liegen, dann melde dich gleich für unseren Newsletter an. Wir halten dich am Laufenden!

Autorin: Bettina Ostermann

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