Weinskandal / Glykolwein-Skandal

„Weinskandal“ bezeichnet einen der größten Lebensmittelskandale Österreichs. 1985 wurde aufgedeckt, dass manchen österreichischen Weinen Glykol zugesetzt wurde (daher auch: „Glykolwein-Skandal“). Auch gab man künstlich erzeugten Wein als echten aus. Der Skandal löste die größte Krise der heimischen Weinwirtschaft aus.

Allgemein

Der Skandal

Es war der Sündenfall der österreichischen Weinwirtschaft: 1985 wurde bekannt, dass einige österreichische WinzerInnen ihren Weinen schon seit längerem ein gesundheitsgefährdendes „Süßungsmittel“ zusetzten: Glykol. Genauer gesagt: Diethylenglykol (DEG), das u. a. als Frostschutzmittel verwendet werden kann (wenngleich dafür Monoethylenglykol gebräuchlicher ist). DEG sollte gewöhnlichem Tafelwein in vermeintlichen Prädikatswein „verwandeln“. Zudem wurde „Kunstwein“ erzeugt, der zwar wie Wein aussah und schmeckte, aber nie mit Weintrauben in Kontakt gekommen war.

 

Der Ablauf

Nach einem anonymen Hinweis im Dezember 1984 konnte im Jänner 1985 erstmals Glykol in burgenländischem Wein nachgewiesen werden. Nachfolgenden Untersuchungen ergaben ein immer größeres Ausmaß an Weinverfälschung. Am 23. April 1985 ging das Landwirtschaftsministerium damit an die Öffentlichkeit. Dies schlug ein wie eine Bombe. Schlagworte wie „Weinskandal“ und „Giftwein“ gingen anschließend durch die Medien. Ausgehend vom Burgenland erfasste der Weinskandal weitere Bundesländer.

 

Zahlen & Fakten

Die Auswirkungen

Es folgten Hausdurchsuchungen, Anzeigen (allein von April 1985 bis Juli 1986 sollen es 35.000 gewesen sein) und Inhaftierungen. Schließlich Verurteilungen von „Weinpanschern“ (bis zu acht Jahre Freiheitsstrafe), wegen bis zu 124 Mio. Schilling Schaden (rd. 9 Mio. Euro).

Noch schwerer wog aber vermutlich der Imageverlust: Der Skandal beschädigte den Ruf österreichischer Weine auf Jahre hinaus, sie verschwanden weltweit aus den Regalen. Millionen Liter verfälschter oder gepanschter Wein wurden beschlagnahmt, der Exportmarkt brach um 95 % ein. In der Folge gingen viele heimische, aber auch deutsche Weinbetriebe, die mit österreichischem Wein handelten, bankrott – auch solche, die gar nicht unmittelbar in den Skandal verwickelt waren. Gesundheitsschäden von WeinkonsumentInnen wurden nie bekannt.

 

Die Lehren

Seit dem Weinskandal hat Österreich eines der strengsten Weingesetze der Welt. ProduzentInnen und KonsumentInnen legen seit der Krise deutlich mehr Wert auf Qualität. Mittlerweile hat sich Österreichs Wein einen sehr guten Ruf erarbeitet. 2017 wurden in Österreich insgesamt 2,5 Mio. Hektoliter Wein erzeugt.

 

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