10 essbare Wildpflanzen für Körper und Geist

Mehr Lesen

Die Natur versorgt uns mit Schätzen – wir müssen nur genau hinschauen. Zum Beispiel auf die Wildkräuter.

Die Volksmedizin schätzt sie als Heil-, Kraft- und essbare Pflanzen. Immer weniger Menschen kennen sich aber damit aus und wissen um ihre Wirkung. Gemeinsam mit Kräuterexpertin Karoline Grün hat Daniela Illich die Top 10 der heimischen Wildkräuter ausgewählt.

1 Brennnessel

Wir alle kennen die brennenden Eigenschaften der Brennnessel. Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir sie lieber meiden. So einfach ist das allerdings nicht, weil sie anspruchslos an Straßen-, Weg- und Waldrändern, Häusern und Zäunen wächst. Dabei ist sie genau das richtige Wildkraut für Einsteiger. Mit ihren gezackten Blättern ist sie leicht zu erkennen. Schon die Schamanen wussten um ihre heilende Wirkung, Anthroposoph Rudolf Steiner auch: Er nannte sie den „Allerweltskerl“. Die Brennnessel heilt, nährt und kräftigt mit all ihren Teilen – Blättern und Samen, Stängel und Wurzel. Sie entschlackt und ist harntreibend, blutreinigend und –bildend. Sie fördert den Stoffwechsel und hilft bei Frühjahrsmüdigkeit. Ihr Eisengehalt ist hoch, vor allem bei den jungen Trieben und zunehmendem Mond im Mai, und sie enthält viele Vitamine. Als Suppe, Auflauf, Spinat, Tee, Salbe oder Tinktur. Sammelzeit des Krautes ganzjährig, Samen ab August, Wurzel im Frühling und Herbst. Bei der gründonnerstägigen 9-Kräutersuppe ist sie ein wichtiger Bestandteil.

Wildkräuter schafgarbe weiß-petra c Karoline Grün

c Karoline Grün

2 Schafgarbe

Die Schafgarbe ist ein Klassiker der Volksmedizin. Ihre klingenden Beinamen: Achilleskraut, weil der griechische Hero seine eigenen Wunden geheilt hat. Oder Bauchwehkraut, weil es heute vorwiegend bei Verdauungsbeschwerden und Frauenleiden eingesetzt wird. Das doldenförmige weiße Wiesenkraut unterstützt auch den Kreislauf und hilft bei der Wundheilung. Es ist blutreinigend und harntreibend, krampflösend und entzündungshemmend. Geerntet werden die oberen zwei Drittel des blühenden Krauts ab Juni und zu Tees, Tinkturen und Badezusätzen verarbeitet. Achtung: Schafgarbe hat allergenes Potential.

3 Johanniskraut

Das Johanniskraut ist mit der Sonne verbandelt und sammelt ihre Kraft. An den dunkleren Tagen gibt es diese an die Menschen ab. Deshalb wird der Seelenbalsam auch „Arnika der Nerven“ genannt: Er ist stimmungsaufhellend und beruhigend, hilft bei Nervosität, Schlaflosigkeit und löst Angstzustände. Er lindert Entzündungen und Schmerzen und heilt Verbrennungen, Gelenks- und Muskelbeschwerden. Gut auch bei Narbenpflege. Das blühende Kraut und die dottergelben Blüten werden zu Öl, Tee und Tinkturen verarbeitet. Erntezeit um die Sommersonnenwende im Juni an Wegrändern und Böschungen.

Arnika c Karoline Grün

c Karoline Grün

4 Arnika

Arnika ist in freier Wildbahn selten geworden und steht deshalb unter Naturschutz! Den Beinamen „Bergwohlverleih“ hat die scharfe Pflanze mit den gelb-orangen Blüten, weil sie vorwiegend in den Bergen wächst. Sie ist entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und schmerzstillend, durchblutungsfördernd, antiseptisch, abschwellend – und leicht giftig. Sie sollte deshalb innerlich nicht verwendet werden, nur in homöopathischer Form! Bei Traumen aller Art, etwa zur Versorgung nach Operationen oder Wundverletzungen. Äußerliche Verwendung in Form von Tinkturen (als Umschlag bei Prellungen) oder Salbe. Sammelzeit Ende Juni, Anfang Juli.

5 Löwenzahn

Für manche ist der Löwenzahn, genauso wie die Brennnessel, eine Kindheitserinnerung: Die sonnenförmige gelbe Pusteblume kann aber so viel mehr. Wie andere Frühlingspflanzen hat sie eine blutreinigende Wirkung. Sie regt Verdauungsorgane, Niere und Blase an und löst alte Schlacken. Der Tee bestehend aus Wurzeln, Blättern und Blüten ist ideal für eine Frühjahrskur. Die jungen Blätter findet man schon ab März. Sie enthalten Vitamin A, C und Mineralstoffe und sind ein herrlicher Wildkräutersalat. Der Löwenzahn ist ein guter Bitterstofflieferant und in Form der Wurzel wegen seines Inulingehaltes auch für Diabetiker geeignet. Er stärkt die Abwehrkräfte und hilft unter anderem gegen Leber- und Gallenschwäche. Aus den Blüten kocht man einen Löwenzahnhonig.

Wildkräuter Frauenmantel c Karoline Grün

c Karoline Grün

6 Frauenmantel

Sein Name verrät es – der Frauenmantel ist ein Wildkraut, das verstärkt in der Frauenheilkunde verwendet wird. Zu finden ist er auf Wiesen und lichten Wäldern. Wegen seiner Phytosterine wirkt er ausgleichend und entkrampfend. Die Frauenmantelblätter sind kelchartig und sammeln in der Mitte oft Tautropfen. Deshalb wird er auch Himmelstau genannt. Ab Mai erscheinen doldig-gelbe Blüten. Die überziehen häufig ganze Wiesen. Das „Alchimistenkraut“ tut aber auch bei Magen- und Darmbeschwerden gut und wirkt beruhigend. Als Tee, Tinktur oder Badezusatz.

7 Schwarzer Holunder

Der Holunder oder Holler ist der Klassiker aus Großmutters Küche, eine Bereicherung für den Speiseplan. Als Saft oder Marmelade, Mus, Röster oder Küchli. Vorsicht aber bei rohen Früchten! Die sind leicht abführend und brechreizfördernd. Daher immer auf über 80 Grad erhitzen! Und er ist auch Hausapotheken-Ersatz. Der Blütentee hilft bei Erkältungen, Fieber und Grippe, weil er fiebersenkend, schleim- und krampflösend und abwehrsteigernd ist. Die Blätter wirken stark harntreibend. Man kann aus den Blüten aber auch eine Salbe bereiten, die rissige Hände pflegt. Die Blüten-Dolden sammelt man schon ab Mai/Juni, die Holunderbeeren von Ende August bis Oktober.

Wildkräuter Beinwell c Karoline Grün

Beinweil c Karoline Grün

8 Beinwell

Wenn es nur öfter so einfach wäre: Der Beinwell ist gut für die Beine! Und für die Knochen: blaue Flecken, Gelenkschmerzen, Knochenbrüche, Verstauchung, Rheuma, Gicht. Er wirkt schmerzstillend, wundheilend und entzündungshemmend. Er fördert die Kallusbildung bei Knochenbrüchen. Das Rauhblattgewächs steht an feuchten Stellen, gerne auf Lehmböden, und leuchtet ab Mai mit seinen violetten Glockenblüten. Äußerlich kommt es als Salbe oder Umschlag auf die zu behandelnden Stellen.

9 Beifuß

Relativ unscheinbar gedeiht das Beifußkraut an Wegrändern und in Gebüschen von Juni bis September. Und das, obwohl es bis zu zwei Meter hoch werden kann. Seine Blätter sind eher dunkel, die Blüten unauffällig. Es ist eine alte Heil- und Schamanenpflanze, die als Räucherung zum Vertreiben von Krankheitsdämonen eingesetzt und als Gürtel beim Sommersonnwendfeuer getragen wurde. Schon Paracelsus wusste, dass es auch als Frauenkraut alles ins Fließen bringt und das Blut reinigt. Es wirkt kreislaufanregend, krampflösend, wärmend und stärkend. Hildegard von Bingen verwendete es für die Entschlackung. Als verdauungsförderndes Gewürz werden die Blüten oft gemeinsam mit fetten Speisen verwendet.

Wildkräuter Meisterwurz c Karoline Grün

c Karoline Grün

10 Meisterwurz

Die Meisterwurz ist mit ihren Bitterstoffen und ätherischen Ölen der Meister aller heilkräftigen Wurzeln und ein altes Pestkraut. Sie ist kräftig und aromatisch und als Doldenblütler leicht mit anderen Weißblühern zu verwechseln. Sie mag das kalkhaltige Gestein der Alpen und mäßig warme, feuchte Plätze. Sie reinigt den gesamten Darmtrakt, regt die Verdauungssäfte an und ist blähungswidrig. Und er stärkt das Immunsystem. Gesammelt wird die Wurzel im Frühling und Herbst und als Tee, Tinktur und Dampfbad verwendet.

X