Am Mühlbergerhof gedeiht Artenvielfalt

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In Grein muht man schottisch. Zumindest die gesellige Gruppe zotteliger Hochlandrinder, die am oberösterreichischen Mühlbergerhof ein Leben wie im Paradies führt. Jeden Tag kommt Irina Orlicek, die sympathische Hofherrin auf die Weide und plaudert mit den Rindern. Danach begibt sie sich auf die Suche nach neuen Pflanzen und Tieren, die dank naturnaher Bewirtschaftung und extensiver Beweidung, ein schönes Platzerl gefunden haben. Die nachhaltige Naturwirtin schafft Raum für regionale Sorten mit Kriecherln und Zwetschken und lässt Wiesen wachsen für Wildsalbei und Knabenkraut. Sie lebt im Paradies und lässt Artenvielfalt leben. Deswegen unterstützt Blühendes Österreich diesen idyllischen Ort, im Rahmen seines Naturschutzprogramms FLORA (Förderung von Landwirtinnen und Landwirten und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt).

 

Hochlandkalb am Muehlbergerhof

(c) Blühendes Österreich / Alex Papis

Am Mühlbergerhof in Grein nimmt alles seinen natürlichen Lauf. Die sympathische Landwirtin Irina Orlicek bestimmt Insekten, sichtet Raupen und freut sich über jedes Kräutlein, das auf ihren Wiesen und Weiden neue Wurzeln schlägt. Sie hat sich in diesen Hof sofort „schockverliebt“ erzählt sie uns, während ein Hochlandkalb uns verdutzt anstarrt.

Ende 2016 hat Blühendes Österreich diesen besonderen Ort entdeckt und als Partnerbetrieb in seinen Flächenschutzprogramm aufgenommen. Die außergewöhnliche Artenvielfalt rund um den Mühlbergerhof, die aufgrund einer naturnahen Bewirtschaftung gedeihen und wachsen kann, wird seit dem von der Naturschutzstiftung direkt unterstützt.

Der Himmel ganz bodenständig

„Ich lebe im Paradies“, davon ist sie überzeugt. Mit 16 Jahren besuchte sie den Mühlbergerhof zum ersten Mal. Damals folgte sie dem Wunsch der todkranken Großmutter, die gemeinsam mit Mutter und Enkelin nach Grein fahren wollte. Seit dem plagte die Wienerin die Sehnsucht nach der Natur. Deswegen packte sie rund 15 Jahre später ihre Sachen und zog Richtung Westen. Ziel: Grein. Beruf: Landwirtin. Berufserfahrung: damals noch (!) keine.

 

Natur-liche Intuition

„Du könntest doch Schafe züchten“, so der mütterliche Rat an Irina. Von ihrer ersten Landwirtschaftsmesse in Freistadt kam sie dann mit zwei schottischen Hochlandrindern zurück. Seitdem erblickten bereits 137 schottische Hochlandkälber in Grein das Licht der Welt und wurden somit zu waschechten Muuuh-lbergern. Warum sie sich gegen den mütterlichen Rat stellte? Nicht nur weil es irgendwo „in der Natur der Sache lag“. Auch weil sie sich nach bunt blühenden Wiesen anstatt einheitlich grüner Landwirtschaftsweiden sehnte. Denn die Hochlandrinder sind besonders robust und eignen sich für die ganzjährige Freilandhaltung sowie extensive Beweidung. Damit ist diese Rinderrasse für eine naturnahe Bewirtschaftung, so wie sie Irina Orlicek im Sinn hatte, ganz besonders geeignet.

Schottische Hochlandrinder helfen Irina ihren Traum von Artenvielfalt zu erfüllen, denn die Tiere

  • eignen sich für extensive Beweidung
  • ganzjährige Freilandhaltung,
  • sind robust, genügsam und kleinwüchsig
  • und kalben zuweilen ohne menschliche Hilfe.

 

Das war der „Selfmade“ Bäuerin anfangs gar nicht so bewusst, wie sie uns mit einer ihrer Anekdoten aus ihrem ungewöhnlichen Leben erzählt. Bei den ersten Geburten ihrer kleinen Kälber war sie mehr „Zaungast“. Bis zu dem Zeitpunkt, als bei der Geburt eines Kalbes irgendetwas nicht glatt zu laufen schien. Sie rief sofort den Tierarzt an, der ihr dabei half „selbst Hand anzulegen“.

Artenviefalt in Grein - Literatur und Wandern

(c) Blühendes Österreich / Alex Papis

Du hast Lust auf weitere spannende Geschichten vom Mühlbergerhof? Dann besuche Irina Orlicek und ihr kleines Paradies bei Literatur und Wandern am 24. Juni 2017. Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes, begleitet die Wanderung und Schriftstellerin Tanja Maljartschuk hält im Anschluss eine Lesung im malerischen Ambiente.

 

Auf ihren Wiesen liegen Steinhaufen, die neuen Lebensraum für Schlangen und Eidechsen bieten. Der Naturschutzbund der Regionalgruppe Machland hat die Steine hierher gebracht und aufgetürmt. Gemeinsam betreiben sie den Hof seit rund zehn Jahren. Dabei bringt der Naturschutzbund auch immer wieder neue Vorschläge ein, um den Hof weiter in Richtung ursprünglicher Naturwirtschaft zurückzuführen. Denn das ist das Ziel: Der Mühlbergerhof soll Österreichs erste Naturwirtschaft werden. Das beinhaltet nicht nur eine sehr schonende Bewirtschaftung. „Der ländlichen Tradition entsprechend sollen

  • Brot aus eigenem Korn gebacken,
  • das eigene Obst gedörrt oder zu Most verpresst werden
  • und die Bio-Rinder sich so weit als möglich selbst vermarkten.

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Irina Orlicek ueber Hochlandrinder

(c) Blühendes Österreich / Alex Papis

„Ich könnte auf den ungefähr 12 Hektar Grünland deutlich mehr Hochlandrinder halten und so auch mehr verdienen. Ich könnte auch sehr viel Geld sparen, wenn ich nicht immer wieder Flächen aus der Weide herauszäunen würde. Aber wenn ich dann auf der Weide oder auf der Heuwiese seltene Insekten sehe, oder ein Großes Grünes Heupferd bei der Häutung beobachten kann, oder wenn junge Füchse am Waldrand spielen – dann weiß ich wozu ich das alles mache oder eben nicht mache.“

Ihre Arbeit und die Unterstützung vom Naturschutzbund und Blühendes Österreich machen sich mehr als bezahlt. Seit 1991 hat Irina Orlicek bereits mehr als 1.300 Insektenarten gesichtet, darunter gelten mindestens 74 als selten oder gefährdet. 25 unterschiedliche Sorten Kriecherln und Zwetschken wurzeln auf ihrer Streuobstwiese, die sich nach der Übernahme des Hofes angelegt hat. Die Obstsorten stammen alle aus dem oberösterreichischen Genpool regionaler Sorten, das insgesamt 50 Sorten umfasst. Den Mühlbergerhof hat sie dem Naturschutzbund der Regionalgruppe Machland bereits als Schenkung auf den Todesfall übertragen. Denn Irina lebt zwar jetzt schon im Paradies, doch in ihren Träumen soll der Mühlbergerhof auch lange nach ihr weiter blühen.

Für alle die mehr wissen wollen, hier gibt`s die aktuelle Presseinformation Muehlbergerhof.

Text: Mury Vo-Papis
Foto: Alex Papis

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