Harte Handarbeit zum Hauptabendprogramm
In der Steiermark sind etwa 450 bekannte Amphibienwanderstellen an Landesstraßen identifiziert. Davon werden rund 70 aktiv betreut. Das heißt, entweder gibt es eine fixe Anlage oder es gibt Helferinnen und Helfer, die dort während der Frühjahrswanderung arbeiten. Die manuelle Rettung ist die weitaus gängigere Maßnahme. Dabei werden mobile Schutzzäune, sogenannte Krötenzäune, entlang der Straßen aufgestellt und davor Kübel in den Boden eingegraben. Die Amphibien fallen in die Gefäße und können so gesammelt und händisch über die Straße getragen werden. Das ist der Stand der Technik.
Die Querung einer Landstraße, auf der Autos mit 100 km/h vorbeirauschen, ist auch für die Helfer:innen nicht ungefährlich. Lanner hat hier schon einiges erlebt: „Ich habe das früher mit Kindern gemacht. Doch das ist sehr gefährlich und musste ich überdenken. Die sind gleich auf die Straßen gelaufen und haben alles eingesammelt, was dort rumgehüpft ist.“ Dazu kommt, dass die Tiere täglich in der Dämmerung und besonders gerne bei Schlechtwetter wandern. Das heißt, sie müssen genau zum Hauptabendprogramm gesammelt, gezählt und einzeln über die Straße getragen werden. Sonst sterben sie qualvoll in den Kübeln. Eine lückenlose Betreuung ist entscheidend bei der Unterstützung der Tierwanderung. Empfohlen werden mindestens vier Personen pro Strecke für einen zuverlässigen Dienstplan. Und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen. „Das ist wirklich harte Handarbeit. Eine Person allein schafft das nicht. Es braucht immer eine Vertretung, falls einmal jemand krank wird oder zu Ostern ein paar Tage nicht da ist”, weiß Lanner aus Erfahrung. Darüber hinaus sind die Krötensammler:innen dazu angehalten, ausführliche Fanglisten zu führen, um in Zukunft dauerhafte Baumaßnahmen an bestimmten Straßenabschnitten durchsetzen zu können. Trotz der Strapazen ist die Beteiligung der Bevölkerung sehr hoch. Familien, Lehrer:innen oder ganze Gemeinden werden zu Held:innen des Alltags, oft organisiert über die Berg- und Naturwacht.
Ein holpriger Weg für den Naturschutz
Bei den Amphibien-Rettungsaktionen handelt es sich um temporäre Schutzmaßnahmen. Langfristigen Naturschutz im Straßenbau umzusetzen, ist schwierig und kostspielig. Dauerhafte Anlagen wie Leitwände und Amphibientunnel können nur bei neuen Straßen oder Belag-Sanierungen und Umbauten angebracht werden. „Wird eine Straße nur im Bestand verbessert, gibt es kein naturschutzrechtliches Verfahren. Und somit habe ich keinen Bescheid, dass etwas für den Naturschutz gemacht werden muss. Da geht es dann nur um den politischen Willen, ob etwas passiert oder nicht.” Umso wichtiger sind die von den Helfer:innen und der Berg- und Naturwacht gesammelten Daten als Grundlage für bauliche Verbesserungen. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Steiermark beim Schutz der Tiere aber gut aufgestellt: Die Landesstraßenverwaltung stellt das Material für die temporären Zäune bereit. Beim Auf- und Abbau der Zäune sowie der Lagerung unterstützen die Straßenmeistereien. Außerdem ist die steiermärkische Berg- und Naturwacht sehr gut organisiert und hat Tausende Mitglieder, die zahlreiche Wanderstellen betreuen. Hier können Interessierte lernen, wie die Amphibien-Rettung funktioniert.
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Beim österreichweiten Citizen-Science-Projekt Roadkill werden überfahrene Wildtiere von Freiwilligen gemeldet und so erstmals sichtbar gemachen, wo Tiere besonders gefährdet sind. Diese Daten helfen, gezielt Schutzmaßnahmen wie Zäune oder Querungshilfen zu planen. Jede Meldung zählt und trägt direkt dazu bei, Tiere besser zu schützen.