In Mattersburg hat das Thema Streuobst eine lange Tradition. Zwischen Rosalia und Wulka sind Streuobstwiesen seit jeher prägende Kulturlandschaftselemente. Alte Apfelsorten, robuste Birnen, Zwetschken, Kriecherl oder Kirschen haben hier über Generationen hinweg ihren Platz. Der Bezirk Mattersburg ist bekannt für das Vorkommen der Zwergohreule. Es gibt in Österreich nur mehr wenige, stark gefährdete Brutvorkommen. Die Zwergohreule fühlt sich in Streuobstbeständen besonders wohl. Alte Obstbäume besitzen häufig Baumhöhlen oder Spechthöhlen, die sie als sichere Nistplätze nutzt. Gleichzeitig bieten Streuobstwiesen viele Insekten, vor allem Nachtfalter und Käfer, die ihre wichtigste Nahrung sind. Die locker verteilt stehenden Bäume mit offenen Wiesen bieten ihr in der Nacht gute Jagdbedingungen.
Bei Streuobstbäumen fehlt die Jugend
Viele der Streuobstbestände in Mattersburg sind jedoch überaltert oder bereits verschwunden. Deshalb sind Neupflanzungen wichtig, um diese große Sorten- und Genvielfalt und den Lebensraum zu erhalten. Seit über 95 Jahren gibt es in Mattersburg eine aktive Pfadfinder:innengruppe, zu der heute rund 100 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 20 Jahren sowie mehrere erwachsene Leiter:innen gehören. Petra Rumpler, Stufenleiterin in der Stufe der 13- bis 16-Jährigen und selbst Landschaftsplanerin und aktive Naturschützerin, möchte jungen Menschen vermitteln, wie wichtig und bereichernd der achtsame Umgang mit der Natur ist. „Wir Pfadis sind ja eigentlich immer draußen und grundsätzlich sehr naturverbunden“, erzählt sie. Rumpler sind Streuobstbestände ein Herzensanliegen: „Streuobstwiesen sind unglaublich wertvoll. Sie sind Lebensraum für Insekten und Vögel, sie kühlen das Mikroklima und sie tragen zur regionalen Identität bei.“ Die Pfadfinder:innen knüpfen genau dort an. Sie pflanzen neue Streuobstbäume – robust und regionaltypisch. „Für die Kinder ist es etwas Besonderes, zu wissen: Dieser Baum hier wird vielleicht in 30 Jahren noch Früchte tragen – und ich habe ihn gesetzt“, so Rumpler.
Breite Wertschätzung motiviert
Die Pflanzung alter Obstsorten ist nur ein Programmpunkt im scouts4nature Programm der Pfadfindergruppe. Als Lebensraum für Insekten, Vögel, Amphibien und Kleinsäuger wurden auch schon Totholzhecken errichtet und naturnahe Hecken aus heimischen Sträuchern gepflanzt. Möglich wird all dies auch durch die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die Flächen zur Verfügung stellt und die langfristige Pflege der Pflanzungen übernimmt. Unterstützung kommt zudem von Firmen, Eltern und vielen weiteren Helfer:innen – sei es beim Sammeln von Schnittgut für Totholzhecken, beim Transport mit dem Lkw oder im Hintergrund. Gerade für Jugendliche ist diese Wertschätzung wichtig, erklärt Rumpler: „Manchmal zweifeln sie ja, ob das alles Sinn macht. Aber wir sind viele und machen viel. Und was wir machen, sehen die Leute. Sie bleiben stehen und fragen nach. Das motiviert sehr.“ Selbst gestaltete Schilder sollen künftig auf den Flächen angebracht werden und die Bevölkerung über die Bedeutung naturnaher Strukturen wie Hecken oder Streuobst informieren.
Es geht weiter
Im Zuge des eineinhalb-jährigen scouts4nature Projektes werden auch noch weitere Elemente wie Blühflächen, Sandarien, Käferburgen oder die Ergänzung eines Waldstücks mit klimafitten Jungbäumen umgesetzt. Damit entsteht in und rund um Mattersburg ein Mosaik an kleinen, aber wirkungsvollen Maßnahmen, das der Artenvielfalt zugutekommt und sichtbar macht, was viele Hände bewirken können. Als große Anerkennung erhalten die Kinder für abgeschlossene Aufgaben den scouts4nature-Patch – ein Abzeichen, das ihre Leistungen würdigt. Und im Frühjahr 2025 gewannen die Mattersburger Pfadfinder:innen den von Blühendes Österreich mit Unterstützung des Biodiversitätsfonds und NextGeneration EU verliehenen Changemaker #nature-Award – ein Anstoß, ihr Engagement für die Biodiversität noch weiter auszubauen. „Wir Pfadfinder haben immer ein bisschen den Gedanken unseres Gründers Baden-Powell im Hinterkopf, dass wir die Welt etwas besser hinterlassen sollen, als wir sie vorgefunden haben“, resümiert Rumpler.
„Streuobstwiesen sind unglaublich wertvoll. Sie sind Lebensraum für Insekten und Vögel, sie kühlen das Mikroklima und sie tragen zur regionalen Identität bei.“
Petra Rumpler – Stufenleiterin bei der Pfadfindergruppe Mattersburg