Ich liebe den Winter und die Berge, bin aber keine Schifahrerin. Mit den Schneeschuhen habe ich die Möglichkeit, die weiße Pracht hautnah zu erleben, gerade wenn es viel Schnee hat. Ich war zum ersten Mal vor 20 Jahren im Zuge meiner Ausbildung zur Sportlehrerin Schneeschuh wandern. Um diesen Sport auszuüben, braucht es keine übermäßige Fitness oder Talent. Das macht Schneeschuhwandern auch so attraktiv für viele Menschen.
Es birgt aber doch auch gewisse Risiken. Man hört ja regelmäßig von Unfällen in den Bergen. Aber auch die Tier- und Pflanzenwelt können durch den Bergsport geschädigt werden.
Die Gefahren in den Bergen, vor allem abseits der vorgegebenen Pfade, sind nicht zu unterschätzen. Etwa die Lawinengefahr, die durch die Klimaerwärmung zunimmt. Aber auch die Natur leidet darunter, wenn immer mehr Menschen in die Berge kommen. Zu den Pistenschifahrer:innen und Tourengeher:innen gesellen sich mit dem Schneeschuhwandern jetzt noch weitere Wintertourist:innen, die in fast unberührte Gebiete vordringen. Gerade wenn Gruppen abseits von Wegen unterwegs sind, kann das für Pflanzen und Tiere gefährlich sein. Der Winter ist für Wildtiere und Pflanzen eine fordernde Zeit. Die Stoffkreisläufe verlangsamen sich, da Nahrung knapp und Energie begrenzt ist. Das Leben wird auf Sparflamme geführt. Wenn Tiere in dieser Zeit aufgescheucht werden, ist das besonders heikel. Das betrifft zum Beispiel Raufußhühner wie Schneehühner, Birkhühner oder Auerhühner. Verlassen Schneehühner aufgrund von Lärm oder Vibration ihre Schneehöhlen, verbrauchen sie kostbare Energie, sodass sie im Folgejahr weniger Nachwuchs haben oder im schlimmsten Fall im Winter an Erschöpfung sterben.
Was können Schneeschuhwandernde tun, um die Tiere zu schonen?
Es ist natürlich besonders schön, wenn man bei einer Tour auf Rehe, Vögel oder Hasen trifft. Vor allem im Winter ist es aber wichtig, Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. Das heißt, einen Abstand von etwa 300 Metern zu Futterstellen einhalten und Wildzonen nur auf markierten Wegen und Straßen durchqueren. Sonst kann es vorkommen, dass das Rotwild durch die Präsenz des Menschen nicht mehr zum Fressen kommt oder Wildtiere generell durch Flucht unnötig viel Energie verbrauchen und geschwächt werden. Wenn man ohne Wanderführer:in unterwegs ist, sollte man sich also vorher über solche Schutzgebiete bei der Touristeninformation oder einem Förster erkundigen. Bei der Begegnung mit Wildtieren ist es ratsam, diese nur leise aus der Ferne, am besten mit einem Fernglas, zu beobachten. Die Gäste finden es auch spannend, Spuren zu lesen, zu erraten, was sich abgespielt haben könnte, welches Tier mit was beschäftigt war etc. War es ein Eichhörnchen oder ein Vogel, der hier einen Fichtenzapfen zerlegt hat? Man sollte zwischen 10 und 16 Uhr wandern, um die dämmerungsaktiven Tiere nicht zu stören. Von Nachtwanderungen rate ich aus diesem Grund grundsätzlich ab. Der Österreichische Alpenverein empfiehlt, in kleinen Gruppen unterwegs zu sein, damit die Gesamtlautstärke gering gehalten und die Natur weniger belastet wird. Apropos Tiere: Hunde gehören natürlich an die Leine. Und Wildtiere zu füttern, ist ein absolutes Tabu, aber das ist eh selbstverständlich, denke ich.
Wie kommen Pflanzen durch mehr Schneeschuhbegeisterte zu Schaden?
Das kommt darauf an, wo man unterwegs ist. Also man kann schon viel anrichten, wenn man sich nicht auskennt und einfach drauflosläuft. Die Zacken auf den Schneeschuhen können zum Beispiel Wurzeln beschädigen. Es braucht also genügend Schnee als Unterlage. Um auf Nummer sicher zu gehen, die Schneeschuhe einfach ausziehen, wenn man über einen aperen Boden läuft. Denn wenn die Rinde von Gehölzen beschädigt wird, entsteht eine Wunde, über die Bakterien und Pilze in die Pflanze gelangen können. Außerdem verdunstet durch verletztes Gewebe Wasser leichter und der Baum kann bei gefrorenen Böden verdursten. Beim Wandern durch den Wald ist zudem besonders darauf zu achten, dass es sich nicht um einen Jungwald handelt. Je kleiner die Pflanze, desto größer der Schaden. Jungwälder sollte man generell nicht betreten. Man erkennt sie daran, dass die Bäume nicht höher als drei Meter sind.
Das heißt, die Planung der Tour ist entscheidend, um sich rücksichtsvoll in der unberührten Winterlandschaft zu bewegen …
Ja, genau. Da sollten sich Schneeschuhbegeisterte im Alleingang auf alle Fälle vorab schlaumachen. Dafür kann ich zum Beispiel die Alpenvereinaktiv- App empfehlen, da hier die Inhalte vom Alpenverein geprüft werden. Bei nutzergenerierten Touren- Apps wie Komoot kann es schon einmal passieren, dass die Wanderung durch einen Jungwald führt oder gar ein Wildschutzgebiet. Daher empfehle ich bei Querfeldeintouren zusätzlich eine physische Karte des jeweiligen Gebiets. Diese enthalten oft auch Informationen zu Ruhe- und Naturschutzgebieten.
Du bietest ja auch geführte Schneeschuhwanderungen an. Wann ist ein Guide unbedingt notwendig?
Wenn man nicht so erfahren ist, vor allem was das Gelände angeht. Und ja, vor allem wenn man sich unsicher fühlt, dann würde ich eine geführte Tour empfehlen. Aber auch, wenn es das erste Mal in alpinen Lagen ist. Da kann ein bisschen Info zu Technik und Gefahren nicht schaden. Erfahrene Wandersleute profitieren aber auch von einer geführten Tour in neuen Gebieten. Denn gemeinsam in so einer schönen Winterlandschaft unterwegs zu sein, das macht einfach glücklich.
„Verlassen ruhende Schneehühner aufgrund von Lärm oder Vibration ihre Schneehöhlen, sterben sie danach im schlimmsten Fall vor Erschöpfung.“
Sonja Ebert