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Künstliches, helles Licht lässt uns nicht nur weniger Sterne sehen, die Lichtverschmutzung schadet auch Mensch und Tier:

StadtbewohnerInnen werden das Phänomen kennen: man schaut hinauf zum Himmel, erkennt über sich jedoch nur ein graues, leicht milchig leuchtendes Firmament anstatt eines sternenklaren Himmels.

Lichtverschmutzung ist nicht nur störend für diejenigen, die Sterne beobachten wollen, sie ist auch eine Form der Umweltverschmutzung. Kunstlicht ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts selbstverständlich geworden. Mit der Ausbreitung von günstigem Strom und leichtem Zugang zu verschiedenen Lichtformen, haben sich in dieser kurzen Zeit schon gewaltige Ausmaße ergeben: laut einer Studie im Journal Science leben bereits 80 Prozent der Weltbevölkerung und 99 Prozent der Menschen in den USA und Europa unter einem lichtverschmutzten Himmel.

Verstärkt wird die Lichtverschmutzung durch physikalische Phänomene wie die Streuung des Lichts an Schwebeteilchen wie Nebeltropfen, Staub oder anderen Partikeln in der Luft. Über Städten ergeben sich deswegen oft sogenannte Lichtglocken. Ein Vertreter der International Dark-Sky Association beschreibt, dass eine Stadt mit 30.000 Einwohnern, den Himmeln im Umkreis von 25 Kilometern aufhelle – ein regelrechter Lichtsmog.

 

Wieso ist das gefährlich?

Die Abfolge von Tag und Nacht ist ein Prozess, der den Rhythmus sehr vieler Pflanzen und Tiere angibt und die Anpassung daran sogar in der DNA von Lebewesen verankert ist. Eine Störung kann zu einem Mangel an Ruhe oder Schlaf führen, was wiederum erhebliche Folgen auf Verhalten und Verfassung hat. Helle Nachthimmel stören so auch natürliche Abläufe, die durch Licht und seine Abwesenheit gesteuert werden. So fanden Forscher zum Beispiel heraus, dass Mäuse häufiger fettleibig werden, wenn man jene Gene, die am Tag-Nacht-Rythmus des Organismus beteiligt sind, stört.

Besonders nachtaktive Tiere wie viele Vögel, Insekten oder Fledermäuse können durch die übermäßige Beleuchtung in ihrem Verhalten gestört werden. Sie zeigen ein anderes Verhalten, zum Beispiel bei Fortpflanzung, Brut oder Winterschlaf, verändern ihre Kommunikation oder Nahrungssuche. Beim sogenannten Fesseleffekt werden Tiere von einer Lichtquelle angelockt und verlieren so oft ihre Orientierung. Zusätzlich beschreibt das Towerkill-Phänomen wie Insekten und Vögel in Richtung des Lichts fliegen und so oft an verspiegelte Scheiben oder Häuser knallen und sterben. Auch streng geschützte Nachtfalter gehen an den künstlichen Lichtquellen zu Grunde.

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Auswirkungen für den Menschen

Auch Menschen sind von Lichtverschmutzung betroffen. Es kann zum Beispiel zu einer verringerten Produktion des Hormons Melatonin führen. Melanin hat antioxidative Eigenschaften, löst Schläfrigkeit aus, steigert die Aktivität des Immunsystems, verringert Cholesterin und hilft der Aktivität von Organen wie Bauchspeicheldrüse bis hin zu Eierstöcken. Es gibt deshalb Hinweise, dass helles, künstliches Licht (das auch von Handy- oder Computerbildschirmen ausgehen kann) das Risiko für Depression, Übergewicht, Schlafstörungen, Diabetes und auch Brustkrebs steigern könnte.

Und noch ein dritter Faktor wird durch die nächtliche Erhellung beeinflusst: die Arbeit von Astronomen und Hobby-Astronomen. Während am Stadtrand von Wien 6000 bis 7000 Sterne sichtbar sind, seien es im Zentrum von Wien nur 250 bis 300, so Leiter der Kuffner-Sternwarte Günther Wuchterl im Gespräch mit dem Kurier.

Anders ist das in abgelegeneren Teilen der Welt. In Grönland haben nur 0,12 Prozent der Fläche keine makellosen Sternenhimmel, in Somalia nur 1,12 Prozent. Und auch in Österreich gibt es Gegenden, die von der Lichtverschmutzung verschont bleiben. „Als ein astronomischer Verein einmal zu uns kam und die Lichtverschmutzung messen wollte, glaubten sie zuerst, ihre Messgeräte seien kaputt“, erzählt Andreas Hollinger. Der Mitarbeiter und Fotograf im Nationalpark Gesäuse nennt seinen Arbeitsplatz deswegen den dunkelsten Ort in Österreich.

Im steirischen Nationalpark könne man deswegen besonders viele Sterne, Sternschnuppen, und manchmal auch die Milchstraße sowie fluoreszierende Tiere wie Glühwürmchen oder Leuchtkäfer beobachten. Für Hollinger könnte es aber sogar noch dunkler sein, deswegen soll die Straßenbeleuchtung im nahegelegenen Ort Admont in der Nacht abgeschalten werden: „Es darf dann einfach finster sein.“ (Autorin: Katharina Kropshofer)

 

Willst du Sterne abgelegen von der Stadt betrachten?

Dann komm in einer Sternschnuppennacht ins Gesäuse und geh mit einem Astronom auf eine „Himmelstour“:

Wann? 11.8.2018 von 20:00 bis 22:00

Treffpunkt? Buchauer Sattel

Mehr Infos gibt es hier. 

 

 

 

 

 

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