Wie schützen sich Wildschweine vor Sonnenbrand? Warum erfrieren Gelsen nicht? Was ist ein Wurzelteller? Das sind die 10 kuriosesten Fakten, die du in der Waldschule Marcus im Naturpark Jauerling in Niederösterreich lernen kannst:

Es scheint zwar die Sonne, aber es ist bitterkalt. Trotzdem stehen wir nicht alleine am vereinbarten Treffpunkt unweit der Skipiste am Jauerling, dem „Dach der Wachau“.

Die kleine Gruppe wartet am Eingang zum Naturpark Jauerling auf Marcus Zuba. Er ist Wildtierbiologe, betreibt eine eigene Waldschule und wird mit uns durch den Wald gehen. Dabei wird er uns Dinge zeigen, die wir alleine sicher übersehen würden. Und das ist gerade im Winter, wenn die Vegetation nicht so dicht und die Tiere langsamer unterwegs sind, eine ganze Menge: „Im Winter kann man im Wald sehr viel entdecken und sehen. Mehr oft als im Sommer,“ verspricht uns Marcus.

Wir sind also gespannt und nach 2,5 Stunden „Auf Spurensuche mit dem Wildtierbiologen“ nicht enttäuscht. Das sind die 10 außergewöhnlichsten Fakten, die wir bei unserer winterlichen Wanderung über Tiere und Pflanzen im Wald erfahren haben:

1Wie sich Wildschweine vor Sonnenbrand schützen

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Warum suhlen Schweine gern im Dreck? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Einer ist, dass sie sich so vor Insekten, aber auch vor Verletzungen durch andere Wildschweine schützen. Ein anderer ist, dass auch Wildschweine aufpassen müssen, dass sie keinen Sonnenbrand bekommen.

Eine schöne Schicht Gatsch, frisch aufgetragen und gut verrieben ist für Wildschweine also ein guter Schutz gegen rote Haut unter den Borsten.

2Warum Gelsen im Winter nicht erfrieren

Tatsächlich gibt es auch im Winter Stechmücken. Wenn die Luft warm genug wird, kann man sie bisweilen sogar fliegen sehen. Sonst bleiben sie lieber gut versteckt unter kleinen Ästen und Nadeln. Dass Gelsen bei Minusgraden nicht erfrieren, liegt an ihrer Körperflüssigkeit: Die Hämolymphe, so der Fachbegriff, enthält keine roten Blutkörperchen und sorgt für einen ständigen Temperaturausgleich. Stechmücken sind bei Minusgraden also tiefgekühlt und tauen unbeschadet wieder auf, wenn es wärmer wird. So ähnlich überwintert auch der Zitronenfalter.

3Welche Waldkünstler Malbäume bemalen

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Das Verreiben machen Wildschweine sehr gerne an sogenannten Malbäumen. Wenn man im Wald also einen Baum sieht, der mit Gatsch beschmiert ist, dann war es ein Wildschwein, das sich hier verwirklicht hat.

Aber auch Rehe und Hirsche sind echte „Bodypainter“. Auch diese Tiere suhlen sich gerne im Matsch. Danach bevorzugen sie aber Wiesen oder Grasflächen, um sich zu reiben. Ob Baum oder Wiese, den Tieren hilft das, um lästige Insekten und Parasiten los zu werden. Oder, wenn es mal juckt.

4Was zu tun ist, wenn man ein Wildschein trifft

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, im Wald einem Wildschwein zu begegnen. Aber Vorsicht: Wildschweine sind nicht nur sehr intelligent, sondern können auch gefährlich werden. Vor allem wenn es sich um Muttertiere (Bachen) handelt, die ihre Kinder (Frischlinge) dabei haben.

Am besten man bleibt ruhig stehen, empfiehlt unser Wald-lehrer. Marcus: „In der Regel ziehen sich die Wildschweine zurück. Es kann aber auch vorkommen, dass sie einen Scheinangriff starten. Dabei laufen die Wildschweine auf einen zu, drehen aber im rechten Winkel vor einem ab – wenn man ruhig bleibt.“ Na ja, dazu braucht man gute Nerven. Aber immer noch besser als Weglaufen. Schließlich erreicht ein Wildschwein eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 60 km/h, wir Menschen nicht.

5Warum manche Nadelbäume kahl sind

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Dass Laubbäume im Winter ihr Laub abwerfen, ist normal. Leider immer öfter sieht man aber auch Nadelbäume (bevorzugt Fichten), die aussehen wie Gerippe. Das war dann in den meisten Fällen der Borkenkäfer, der sich unter die Rinde frisst, sich dort auch paart und die Eier abgelegt. Aus diesen entwickeln sich dann die Larven, die weitere Fraßgänge anlegen und dabei die Wasserversorgung der Bäume unterbrechen, die dann absterben.

Durch die milderen Winter und wärmeren Sommer – Stichwort Klimawandel – vermehrt sich der Borkenkäfer so sehr, dass er für die Forstwirtschaft ein immer größeres Problem wird. In einem „guten“ Jahr kann ein Weibchen bis zu 100.000 Nachkommen erzeugen.

6Weshalb Rehe und Hirsche ihr Geweih abwerfen

Wer viel Glück und Augen wie ein Luchs hat, kann im Winter im Wald auch ein Geweih finden. Beginnend im Oktober bis Dezember werfen Rehe ihr Geweih ab, Hirsche tun das von Februar bis April. Und das jedes Jahr. Schuld daran sind – wie so oft – die Hormone. Gleich, nachdem das alte Geweih abgeworfen wurde, wird ein neues gebildet. Das dauert rund zehn Wochen, wobei das neue Geweih zu Beginn durch eine samtartige Haut geschützt ist, dem sogenannten Bast.

Aber Achtung! Findest du ein Geweih, darfst du es anschauen, aber nicht mitnehmen. Das darf nur der Jäger. Was du sonst noch so im Wald darfst, und was nicht, erfährst du hier.

7Wo Waldtiere im Winter schlafen

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Ein „Wurzelteller“ ist keine vegane Speise, sondern der Rest eines umgefallenen oder geschnittenen Baumes, bei dem die Wurzeln nun nach oben schaun’. Für Tiere im Wald ist so ein Wurzelteller ein gutes Versteck und im Winter ein beliebter Schlafplatz.

Aber nicht für Wildschweine, die lassen sich lieber einschneien. Und auch nicht für Rehe, die bevorzugt auf dem Boden schlafen und dafür sogar den Schnee beiseite räumen. Wer genau schaut, kann solche Schlafplätze auch erkennen.

8Warum Mäuse gerne Geweihe knabbern

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Wie wir Menschen brauchen auch Mäuse Kalzium. Und das bekommen sie im Winter bevorzugt durch das Knabbern an Geweihen, die von Rehen abgeworfen wurden. Daher kannst du, wenn du ein Geweih findest, sehr oft auch kleine Fraßspuren erkennen.

Oder man findet kein Geweih. Denn, je nach Appetit und Anzahl haben Mäuse so ein Geweih in wenigen Wochen auch komplett weggeputzt.

9Dass Eichhörnchen schlampige Esser sind

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Wer genau schaut, kann rund um Bäume immer wieder Zapfen finden, die bis zur Spitze abgenagt sind. Aber eben nicht ganz. Die Zapfen sehen dann aus wie Apfelbutzen. Und oft liegen auch noch jede Menge Schuppen und Samen herum.

Das war dann ein Eichhörnchen, denn die nehmen es mit dem Aufessen nicht so genau. Anders als Mäuse, die so einen Zapfen weit sauberer verputzen.

10Wer in einer Spechtschmiede arbeitet

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Spechte sind schlaue Vögel und haben es gern einfach. Wenn der Specht also genug vom Klopfen hat oder ihm schon gehörig der Kopf brummt, dann sucht er sich einen Zapfen mit leckeren Samen drin. Und weil ein Specht bekanntlich keine Hände zum Halten hat, klemmt er diesen Zapfen in einen Ast. Und das nennt man dann eine Spechtschmiede.

Tatsächlich haben wir bei unserer Wanderung durch den Naturpark Jauerling eine solche Spechtschmiede entdeckt. Die fand sich in einem abgebrochenen Ast, der gleich neben dem Weg lag. Davon war sogar Marcus Zuba so begeistert, dass auch er ein Foto gemacht hat.

Auf Spurensuche mit dem Wildbiologen

Das ganze Jahr über finden im Naturpark Jauerling-Wachau Freilandführungen statt. Die Termine finden sich in unserem Naturkalender und auf der Seite des Naturparks unter naturpark-jauerling.at.

Die nächste geführte Wanderung „Auf Spurensuche mit dem Wildtierbiologen“ findet am 23. Februar statt. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Parkplatz Naturparkgasthaus, 3620 Oberndorf am Jauerling. Kosten pro Erwachsene 15 Euro, pro Kind sechs Euro. Anmeldung telefonisch unter 0676 426 06 50, per Mail an office@marcuszuba.at oder online HIER.

Grundsätzlich dauern die Führungen eine Stunde, je nach Interesse und Durchhaltevermögen der Teilnehmer nimmt Marcus sich aber auch gerne mehr Zeit.

Mehr über die Waldschule von Marcus Zuba erfährst du unter marcuszuba.at.

Außerdem möchten wir dir noch folgende Beiträge zum Thema empfehlen:

Und hier siehst du noch weitere Bilder von unserer Wanderung mit Marcus Zuba:

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