Schmetterlingszählung 2018 – der bedrohte Große Feuerfalter hebt ab

Mehr Lesen

Welche Art reiht sich 2018 in die A-Prominenz der Schmetterlinge? Wie steht es aktuell um unsere gefährdeten Schönheiten? Das große Flattern vom letzten Jahr bekommt pünktlich zum Internationalen Tag der Schmetterlinge ein Gesicht: Die Daten aus der Schmetterlingsapp wurden wissenschaftlich ausgewertet.

 

Die treue Lobby der Falter in der Schmetterlingsapp von GLOBAL 2000 und Blühendes Österreich hat sich zum größten Schmetterlingsportal Europas mit über 13.000 NutzerInnen entpuppt. Erfahre zudem, welche spannenden Geschichten sich dank der gesammelten Daten in der App erzählen lassen:  

Top 3 der häufigsten Schmetterlingsarten 2018

Auf das Siegertreppchen gleitet der Kaisermantel mit 5.246 Beobachtungen. Dicht gefolgt ist ihm das Tagpfauenauge (4.470) auf Platz 2 und das Große Ochsenauge (4.170), das den dritten Platz im Ranking der häufigsten Tagfalter erlangt.

Die Schmetterlingslobby meldete 2018 insgesamt 88.885 Schmetterlinge aus 142 Tagfalterarten.

Auch nach Sonnenuntergang sind die App-UserInnen aktiv: Die meist hochgeladenen Nachtfalter sind Taubenschwänzchen (1.290 Meldungen), Russischer Bär (1.207 Datensätze) und Gamma-Eule (1.070 Sichtungen). Insgesamt wurden 8.725 nächtliche Schwärmer dokumentiert.

 

Status-quo der bedrohten Schmetterlingsarten

Ob ein Falter unter Schutz steht, wurde nach folgenden Kriterien in Österreich bewertet:

  • „vom Aussterben bedrohte”
  • „stark gefährdete Arten”
  • „Arten der FFH-Richtlinie”

1.511 Tagfalter-Meldungen, die 30 Schmetterlingsarten zuzuweisen sind, sind nach diesen Merkmalen als besonders naturschutzrelevant eingestuft worden.

Vom international geschützten Großen Feuerfalter liegen die meisten Meldungen (689) vor. Er flattert bevorzugt auf Kraus-Ampfer, Stumpfblatt-Ampfer und weiteren Ampfer-Arten. Das Männchen hat leuchtend orangene Flügel, das Weibchen trägt gedeckteres Orange mit braunen Flecken.

Auf Rang zwei der bedrohten Schönheiten gaukelt der Apollofalter mit 143 Sichtungen und auf Platz drei landet der Schwarze Apollofalter mit 92 Datensätzen. Alle drei Arten sind in der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie verzeichnet. Vier nennenswerte vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge wurden 2018 weiters dokumentiert:

  • die Berghexe,
  • der Saumfleck-Perlmutterfalter,
  • der Blauschillernder Feuerfalter
  • das Moor-Wiesenvögelchen.

Welches Bundesland zählt die meiste Vielfalt?

Im Garten, beim Wandern oder im Stadtpark: 13.037 ÖsterreicherInnen „knipsten“ die Schmetterlinge, wo sie ihnen gerade vor die Linse kamen. Die meisten Tagfalterarten wurden 2018 aus Niederösterreich (122 Arten) gemeldet, anschließend aus der Steiermark (105) und Kärnten (103).

 

Die Schmetterling-Eldorados in Österreich

Das große Flattern herrscht in Niederösterreich: Mit 29.047 Beobachtungen verteidigt das Bundesland, wie auch schon im Vorjahr, den ersten Platz. In Oberösterreich wurden insgesamt 13.591 Sichtungen gemeldet. Kärnten schaffte es mit 11.049 Uploads auf den dritten Platz. 

Erfreulicherweise gab es fünf beflügelte Erstnachweise für einzelne Bundesländer:

  • Perlargonien-Bläuling (Niederösterreich)
  • Perlargonien-Bläuling (Kärnten)
  • Schwarzer Trauerfalter (Salzburg)
  • Schwarzbrauner Trauerfalter (Salzburg)
  • Feigen-Spreizflügeflalter (Burgenland)

 

Die fleißigsten BeobachterInnen Österreichs

Die meisten Datensätze flatterten 2018 von Sissi L. ein. Sie lud 2.766 Schmetterlingsfotos in der App hoch. Auch um Momcilo B. bot sich ein munteres Treiben : 2.753 Falter konnte er dokumentieren. Knapp dahinter liegt Anna Sö. mit 2.694 Sichtungen. Insgesamt wurden knapp 90.000 Falter hochgeladen!

„Die Österreicherinnen und Österreicher machen die Schmetterlingsapp zu einem lebendigen Ausrufezeichen für unsere Schmetterlinge und Insekten. Wir sehen, dass in den letzten drei Jahren das Bewusstsein in Österreich für die Bedeutung unserer Insektenvielfalt massiv zugenommen hat. Das gibt Anstoß, uns weiterhin diesem Thema zu widmen“ – Ronald Würflinger, Geschäftsführer von Blühendes Österreich.


Hinter den Kulissen: 5 Schmetterlingssichtungen und ihre Geschichten

  • der Pelargonien-Bläuling stammt ursprünglich aus Südafrika und ist vor ca. 30 Jahren über einen Zierpflanzen-Import nach Europa gelangt. Er fliegt, wie der Name andeutet, auf Pelargonien. 2018 wurde die Art erstmals in Niederösterreich und Kärnten gesichtet. Ein Augenmerk gilt daher besonders auf das Storchschnabelgewächs, um diese Art weiterhin auf dem Schirm zu haben.
  • Noch eine neue Art flattert über die Bundesländergrenzen: Der Feigen-Spreizflügelfalter wurde erstmals im Burgenland gesichtet. Diese wärmeliebende Art, deren Raupen sich ausschließlich von Feigenblättern ernähren, wurde vor 10 Jahren das erste Mal dokumentiert und flattert heute bereits von Vorarlberg bis Wien – und nun auch im Burgenland.
  • Der bedrohte Schwarze Trauerfalter hielt in Tamsweg Audienz: Es wird vermutet, dass innerhalb einer Woche ein und dasselbe Exemplar zwei NutzerInnen der App vor die Linse flatterte. Hat sich die Art im Lungau entwickelt? Oder wurde nur die Puppe eingeschleppt? Wir sind gespannt, was hier das kommende Jahr zeigt.
  • Der wärme-liebhabende Zahnflügel-Bläuling wurde 2017 nur ein einziges Mal in der Steiermark gesichtet. 2018 bekamen ihn 15 Schmetterlingsapp-NutzerInnen vor die Smartphone-Linse. Der vom Aussterben bedrohte Bläuling scheint vom Klimawandel zu profitieren.
  • Der Rote Scheckenfalter galt in Wien bis vor wenigen Jahren als verschollen. Die 10 Datensätze aus der Lobau lassen die Geschichte der Rote Scheckenfalter Populationen wohl neu schreiben.

 

Der Blauschwarze Eisvogel von Axel S. ist das meist gelikte Schmetterlingsfoto 2018 in der App:

schmetterlingszaehlung 2018

Blauschwarzer Eisvogel (c) Axel S.

Schmetterlingszählung: Dringend nötige Datenerhebung für die Wissenschaft

Nach den dramatischen Insektensterben braucht es umfassende Daten, um den Status-quo der Gaukler zu eruieren. Mit diesen Beobachtungen werden auch schützenswerte Naturflächen und deren Potential erst sichtbar. Und hier ist die Citizen Science-App  Mittel zum Zweck. Für die einwandfreie Qualität der Daten sind die Experten Thomas Holzer und Helmut Höttinger zuständig.

„Zwei Drittel der wichtigsten landwirtschaftlich genutzten Pflanzenarten werden durch Insekten bestäubt. Die Bedeutung der Insekten für die Versorgungssicherheit der Menschen ist somit unbestritten. Daher gilt es auch in Österreich ihren Lebensraum vor Zerstörung, Verbauung und Umweltgiften zu schützen. Nur so können wir die von unseren App-BenutzerInnen so wunderbar dokumentierte Vielfalt unserer Heimat bewahren!“ – Leonore Gewessler, Geschäftsführerin von GLOBAL 2000

365 Tage im Jahr: Daten sammeln und Schmetterlinge schützen

 

Der Aurorafalter eröffnet die Schmetterlingssaison und mit ihm erwacht nicht nur das tierische Summen und Brummen – auch die App-NutzerInnen loggen sich wieder fleißig ein, um ein Foto von den filigranen Faltern zu erhaschen, hochzuladen und von unseren wissenschaftlichen Experten Peter Huemer und Helmut Höttinger bestimmen zu lassen.

Falls du die kostenlose App „Schmetterlinge Österreichs“ noch nicht installiert hast, kannst du sie hier herunterladen:

help-us-play-storehelp-us-app-store

 


Zücke den Kalender für die großen Schmetterlings-Zählaktionen 2019:

Der Aurorafalter – auf der Suche nach dem Frühlingsbotschafter
7. März bis 2. Juni 2019

Zeig her deine Schmetterlinge im Garten!
4. Juli bis 28. Juli 2019


 

Schmetterlings-App 2019 – das ist neu:

Auf Wunsch der BenutzerInnen entwickelt Blühendes Österreich die App ständig weiter:
• 32 Nachtfalterarten neu in der App mit Steckbriefen
• 11 weitere Arten der Gattung der Mohrenfalter neu in der App mit Steckbriefen
• BenutzerInnen haben eigenes Profil mit Angabe über Beobachtungen, Kommentare und Stammbucheinträge

Ab Juni 2019 können Fotos auch über eine Desktopversion, also bequem vom Computer aus, hochgeladen werden.

 

Ein herzliches Dankeschön geht an die engagierten SchmetterlingsfreundInnen, die bei der Schmetterlingszählung mitgemacht haben. Sie ermöglichen der Wissenschaft, Bestände zu eruieren und geben den bedrohten Insekten eine starke Stimme.

X