Wo der Apollofalter fliegt

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Apollofalter, Schwalbenschwanz, Ligusterschwärmer – im Saalachtal im Salzburger Pinzgau flattern die Schmetterlinge in reichhaltiger Vielfalt. Ein Schmetterlingsenthusiast hält dort die Fahne für seltene Arten und ihren Lebensraum hoch. Land und die Landwirte helfen mit.

„Ist das ein Apollo?“, fragt Otto Feldner. Der Falter fliegt meterweit entfernt über die Büsche. Der 64jährige Schmetterlingsexperte hechtet los, den Weg entlang, doch der Falter ist flotter. Feldner ist im Stoissengraben im Saalachtal unterwegs, etwas nördlich von Saalfelden in Salzburg. In der Hand das Schmetterlingsnetz, um die Schulter die grüne Tasche mit der Sammelerlaubnis für Schmetterlinge. Am Wegesrand blühen Margeriten, Disteln und Bibernellen. Der Buchweißbach rauscht im Schotterbett und der Wind bläst sanft durch die Baumkronen. In der Ferne erheben sich die Berge, das Steinerne Meer.

An diesem sonnigen Vormittag im Juni ist Otto Feldner ausgerückt, um nach den Schmetterlingen im Stoissengraben zu sehen.

„Das erste Mal im Jahr komme ich im März hierher, wenn noch Schnee liegt. Ich schaue, wie es den Futterpflanzen für den Apollofalter geht.“ 2010 initiierte der Hobbyentomologe im Stoissengraben ein Wiederansiedelungsprojekt für den Roten Apollofalter. Der Schmetterling braucht sonnigen Pionierrasen, felsige Hänge, die Fetthenne als Futterpflanze für die Raupe. „Der Rote Apollofalter ist im Stoissengraben Ende der 80er ausgestorben. In Weißenbach bei Lofer und in Unken sind die Populationen vor 30 bis 40 Jahren verschwunden.“ In Österreich ist der Falter – je nach Region – als gefährdet, teilweise sogar als ausgestorben eingestuft.

Seit 1973 führt Otto Feldner eine eigene Chronik über die Schmetterlinge im Saalachtal.

Akribisch notiert er jede Sichtung, das Wetter, die Temperatur, die landwirtschaftliche Tätigkeit. Er trägt Aufzeichnungen von Touristen, von Besuchern, von den Bewohnern des Tals zusammen. Sie erzählen ihm von ihren Beobachtungen und Funden: „Im Mai 1914 gab es in Weißbach so viele schwarze Apollofalter, dass die Menschen dachten, es schneit. Alles war wie weiß. Dieser außergewöhnliche Massenflug vermittelte ein erdrückendes Gefühl. Im Juli begann dann der Erste Weltkrieg. Damals sah man die Schmetterlinge als schlechtes Omen“, erzählt er etwa. Das Tal birgt auch zwei eigene Subspezies des Apollofalters, die Unterart „loferensis“ – sie wurde 1920 entdeckt und kommt noch heute bei Lofer vor –, und die Subspezie „bartholomaeus“, die im Saalachtal vorherrscht.

Diese Fliege mag Butter

Seine Vorliebe für Butter und Rahm hat dem Schmetterling seinen Namen eingebracht. Die wissenschaftliche Bezeichnung – Lepidoptera – heißt übersetzt Schuppenflügler.

Er nascht gern vom Rahm und zeigt sich, wenn die Sennerin die Butter schlägt. Der Schmetterling. Dieser kulinarische Animo ist Ursprung für den Namen des feinen, flatternden Falters. Das Wort Schmetten stammt vom slawischen Smetana ab und das bedeutet wiederum Rahm.

Anfang des 16. Jahrhunderts taucht die Bezeichnung „Schmetterling“ erstmals auf. Damals dachten Abergläubische auch, Schmetterlinge seien kleine Hexen in Tiergestalt, die dem Bauern an die Butter wollen. Im Englischen hat sich die Idee gehalten – dort wird der Schmetterling Butterfly genannt. Das heißt übersetzt Butterfliege. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert setzt sich im Deutschen das Wort „Schmetterling“ für die zierlichen Tiere durch. Zuvor teilt man sie zusätzlich auch in Tag- oder Nachtvögel.

In der Wissenschaft verwenden Insektenkundler und Experten das Wort Lepidoptera für Schmetterlinge. Es ist auf die griechischen Worte Lepís (Schuppe) und Pterón (Flügel) zurückzuführen und bedeutet schlicht Schuppenflügler. Eine mystische Bezeichnung für den Schmetterling stammt aus dem Altgriechischen: Dort nutzte man das Wort Psyche (Atem, Seele), vor allem für Nachtfalter. Man war der Ansicht, sie würden die menschliche Seele verkörpern.

Autorin: Maria Schoiswohl

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„Da drüben fliegt ein Aurorafalter. Da hinten, das ist ein Mauerfuchsfalter“, sagt Feldner.

Blitzschnell bewegt er sein Netz und fängt den Falter, nimmt ihn behutsam in die Hand und betrachtet ihn. Die Wiederansiedelung des Roten Apollos im Stoissengraben hat auch andere Falter zurückgebracht. Rund 25 Tagfalterarten und mehrere hundert Nachtfalterarten flattern in dem kleinen Seitental des Saalachtals. Der Stoissengraben ist nur eines von vielen Schmetterlingsprojekten, die Otto Feldner angestoßen hat. Das Haus der Natur in Salzburg versorgt er seit Jahren mit Daten über die Schmetterlingsvorkommen im Pinzgau und Pongau, in Uttendorf hat er einen Schmetterlingslehrpfad angelegt und ganz aktuell arbeitet er mit dem Land Salzburg an dem überregionalen Projekt „Wild und Kultiviert“. Es geht darum, Wildbestäuber, unter anderem den Schwarzen Apollofalter, zu schützen und natürliches Saatgut von den heimischen Wiesen der Landwirte zu bewahren.

Für die einzelnen Schutzprojekte arbeitet Otto Feldner immer wieder mit dem Land Salzburg und den Landwirten der Region zusammen. Das Areal im Stoissengraben – rund 15.000 Quadratmeter – hat etwa das Land vom Grundbesitzer abgelost. Die Hänge wurden von einem regionalen Forstbetrieb entbuscht und mit Futter- und Nektarpflanzen für die Tiere bepflanzt. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern setzte Feldner, der selbst Schmetterlinge züchtet, Raupen und erwachsene Tiere aus. Rund 16.000 Euro investierte das Land Salzburg in die Renaturierung für den Schmetterling im Stoissengraben – seitdem fliegt der Rote Apollo dort wieder.

Selten und rar

Schmetterlinge sind eine Freude für Auge und Gemüt. Ein Großteil der Tiere ist jedoch aufgrund des schwindenden Lebensraumes erheblich gefährdet. Wer einen der folgenden zehn Tagfalterarten sichtet, hat eine kleine Seltenheit erblickt.

Zu den Schmetterlingen

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Berghexe (Chazara briseis)

Die Berghexe sitzt gerne auf Felsen im Geröll, flattert über Steppenrasen mit vielen Blumen oder in lichten Föhrenwäldern. Der Edelfalter mag es warm und hält sich nahe des Bodens auf – darauf weist auch seine erdige Farbe hin. In Österreich ist der Schmetterling vom Aussterben bedroht und zwischen Juli und September nur mehr ganz lokal in den Hainburger Bergen (NÖ) und in Steinfeld (NÖ) zu finden.

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Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)

Er bevorzugt kühle, feuchte Standorte und ist ein Überbleibsel aus der Zeit nach der letzten Eiszeit – der Blauschillernde Feuerfalter aus der Familie der Bläulinge. Auch dieser Schmetterling ist in Österreich vom Aussterben bedroht. Man sichtet ihn mit etwas Glück meist zwischen Mai und Juli in Niederösterreich, in der Steiermark und in Salzburg, in Nieder- und Quellmooren, in Hochstaudenfluren und ausschließlich auf nährstoffarmen Flächen.

c Andreas Pospisil

Bräunlicher Scheckenfalter (Melitaea trivia)

Der Bräunlicher Scheckenfalter leidet unter dem Rückgang von Trocken-, Halbtrocken- und Magerrasen. In Österreich gilt die Falterart, die man von Mai bis September sehen kann, als stark gefährdet. Der Schmetterling bevorzugt trockenes und warmes Klima – in Niederösterreich (etwa in der Wachau) kann man ihn noch gesichert entdecken. In Oberösterreich ist der Edelfalter seit 1996 ausgestorben.

c Andreas Pospisil

Eschen-Scheckenfalter (Euphydryas maturna)

Der Eschen-Scheckenfalter hat seinen Namen nicht von ungefähr – seine Eier legt der Edelfalter ausschließlich auf Eschenarten und Liguster ab. Er lebt vorwiegend in sonnigen, windgeschützten Wäldern. Zu Hause ist der stark gefährdete Falter in ganz Österreich (Ausnahme: W, Vbg, T), wo er von Mai bis Juli flattert. Er ist dem Alpen-Scheckenfalter sehr ähnlich, lebt aber nicht, so wie dieser, über 1.000 Höhenmeter.

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Hochmoor-Gelbling (Colias palaeno)

Er gilt in Österreich „nur“ als gefährdet – somit ist die Sichtung eines Hochmoor-Gelblings  realistischer als bei bedrohten Arten. Der zitronengelb bis weißlich-grüne Schmetterling lebt in äußerst ausgesuchtem, lokalem Habitat (ausgenommen W, Stmk, Bgld) ausschließlich in Hoch- und Zwischenmooren, sowie in den Alpen, wo die Rauschbeere üppig wächst. Es ist die einzige Fraßpflanze der Hochmoor-Gelblingsraupe. Zu sehen ist der Falter von Ende Mai bis Anfang August.

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris)

Dort wo Moor-Preiselbeeren wachsen, fliegt auch der stark gefährdete Hochmoor-Perlmuttfalter, denn seine Raupe frisst nur diese Art der Moosbeere. Man trifft auf den Falter in ganz Österreich (Ausnahme: W, Bgld) zwischen Juni und August, unter anderem auf Feuchtwiesen. Der Hochmoor-Perlmuttfalter wird gern mit dem Hochalpen-, Magerrasen- oder Ähnlichen Perlmuttfalter verwechselt. Eine eindeutige Bestimmung ist nur anhand der Flügelunterseiten möglich.

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Saumfleck-Perlmutterfalter (Brenthis hecate)

Ohne Knollen-Mädesüß kein Saumfleck-Perlmutterfalter. Es ist die einzige Pflanze auf der sich die Raupe dieses Edelfalters in Österreich entwickeln kann. Der Schmetterling ist hier vom Aussterben bedroht und ausschließlich in Wien und Niederösterreich zu Hause. Dort flattert er zwischen Mai und Juli über sonnenbeschienene Magerwiesen und Halbtrockenrasen.

c Andreas Pospisil

Violetter Feuerfalter (Lycaena alciphron)

Auf den Violetter Feuerfalter trifft man in Österreich am ehesten noch in Niederösterreich. Und hier in der Wachau. Der stark gefährdete Schmetterling aus der Familie der Bläulinge tritt äußerst lokal auf blütenreichen Sand- und Schotterflächen, auf Trockenrasen und Feuchtwiesen auf. Männchen und Weibchen sind äußerst unterschiedlich gemustert – erstere schillern violett, zweitere sind braun-schwarz gefärbt.

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero)

Das Wald-Wiesenvögelchen ist in Österreich ausschließlich in Tirol beheimatet. Man findet den Edelfalter zwischen Mai bis Juli einzig in den Lechauen im Lechtal. Bezüglich Gefährdungsstufe ist die Datengrundlage derzeit ungenügend und es gibt keine Einstufung. In Europa gilt das Wald-Wiesenvögelchen jedoch als eine der am stärksten gefährdeten Tagfalterarten.

c Kurt Lechner

Weißdolch-Bläuling (Polyommatus damon)

Den stark gefährdeten Weißdolch-Bläuling erkennt man an dem weißen Streifen in der Mitte der Unterseite am Hinterflügel. Er lebt von Juni bis September auf windgeschützten, sonnigen, blütenreichen Hängen, Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Magerwiesen in fast ganz Österreich (Ausnahme: Vlbg, Szbg, Stmk, W). Die Raupe frisst einzig Esparsetten-Arten, gleichzeitig die wichtigste Nektarquelle für den Falter.

c Tiroler Landesmuseen / Peter Buchner

Schmetterlinge selbst bestimmen

Die Stiftung Blühendes Österreich und die Umweltschutzorganisation Global 2000 haben eine eigene Bestimmungs-App für Tagfalter entwickelt: mit Foto- und Community-Funktion. Zu haben im Apple- und Android-App-Store sowie als Desktopversion auf www.schmetterlingsapp.at.

Autorin: Maria Schoiswohl

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Insgesamt bevölkern das Saalachtal rund 2.000 Schmetterlingsarten.

Sie flattern vom Talboden bis in die Almen. Sie profitieren von der verstreuten, geringen Besiedelung, der mäßigen Beleuchtung und der kleinstrukturierten Landwirtschaft. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der über 680 landwirtschaftlichen Betriebe hier kaum verändert, 50 Prozent der Betriebe betreiben Biolandwirtschaft, im Schnitt mähen sie ihre Wiesen dreimal im Jahr. „Wir haben von der Hutweide bis zu Vier-Schnittwiesen alles in der Region“, sagt Hubert Lohfeyer, Leiter der Bezirksbauernkammer Zell am See. „Einige Betriebe mit Pferden mähen bewusst nur zweimal im Jahr.“

Buchtipp

Die Welt der Schmetterlinge

Ein Klassiker ganz neu: Rainer Ulrich hat den Kosmos-Schmetterlingsführer des bekannten Zoologen Heimo Bellmann aktualisiert (3. Auflage, 2016). Damit tauchen Interessierte auf knapp 450 Seiten tief in die Welt der Falter ein. Im Jahreskreis zeigt das handliche Buch das Leben der Schmetterlinge in der Natur – vom Ei bis zum fertigen Tier. Bebildert in spektakulären (Detail-)Fotos und mit verständlichen Illustrationen.

Der Kosmos-Schmetterlingsführer – Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, ISBN: 978-3440146187

c Rainer Ulrich / Der Kosmos Schmetterlingsführer / Kosmos Verlag

Dennoch sind gewisse Schmetterlingsvorkommen in der Region zurückgegangen. „Auch wenn die Landschaft einen extensiv bewirtschafteten Eindruck macht, wurden in den vergangenen Jahren die Schnittzeiten immer weiter vorgezogen“, sagt Günther Jaritz von der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg. „Nun wird genau in der Phase gemäht, in der der Schwarze Apollo zu fliegen beginnt.“ Diese Apolloart lebt, im Gegensatz zum Roten Apollo, auf mäßig extensiv bewirtschaftetem Grünland, braucht den Lerchensporn als Futter-, rote und blaue Kornblütler als Saugpflanzen. Nur eine späte Mahd sichert dem Tier das Überleben.

Auf einer Fläche vor einem Wald in Kehlbach in Saalfelden hat Otto Feldner ein natürliches Vorkommen des Schwarzen Apollos gefunden. Jetzt stehen Gespräche mit den Bauern an, um die Fläche für den Schmetterling zu erhalten. Die mehreren tausend Quadratmetern gehören einer Genossenschaft, aktuell wird die Fläche teilweise zur Holzlagerung genutzt, bis in die 70er Jahre wurde sie beweidet „Wenn es von öffentlichem Interesse ist, den Lebensraum dieses Schmetterlings zu schützen, dann ist das natürlich eine gute Idee“, sagt Robert Mitteregger, Landwirt und Genossenschaftsmitglied. Bei der nächsten Obmannsitzung will man über den Verbleib der Fläche entscheiden.

Der Rote und Schwarze Apollofalter liegen Otto Feldner besonders am Herzen.

Seit seinem zwölften Lebensjahr beschäftigt er sich mit Schmetterlingen. Als Schüler fing er in Lienz in Osttirol, wo er aufwuchs, seine ersten Trauermäntel. Untertags legte er sich auf die Lauer, um Schwalbenschwänze zu finden, in der Nacht leuchtete er mit einem Freund in den Himmel, um Nachtfalter zu beobachten. „Ich wusste zu der Zeit bereits mehr über Schmetterlinge als unser Lehrer.“ Mit seinem ersten Kosmos-Bestimmungsbuch eignete er sich ein umfangreiches Wissen rund um die Tiere an. Er sammelte, etikettierte, arbeitete bereits als junger Mann wissenschaftlich. Nach dem Bundesheer kam der gelernte Schriftsetzer nach Zell am See. Die Liebe brachte ihn nach Weißbach und schließlich nach Saalfelden, wo er heute in seinem Garten Schmetterlinge züchtet.

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Der eigene Schmetterlingsgarten

Bunt und vielfältig. So lieben Schmetterlinge und Raupen die Pflanzenwelt. Wie man den Tieren den eigenen Garten – im wahrsten Sinne des Wortes – schmackhaft macht? Mit Artenvielfalt.

Zum Schmetterlingsgarten

Buntes Meer statt grüne Wüste

Schmetterlinge bevorzugen offene, sonnige Standorte mit heimischer Pflanzenvielfalt – blühendes, farbenfrohes Meer statt grüne Wüste in englischer Rasenmanier oder eintönigen Thujen- und Bambushecken. Falter brauchen Nektar-, Raupen Fraßpflanzen – das ganze Jahr über. „Je mehr Arten und unterschiedliche Struktur, desto besser“, sagt Dominik Linhard von Global 2000. Die Umweltschutzorganisation verschickt auf Anfrage ein Erste Hilfe-Paket für Schmetterlinge mit Pflanzensamen.

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Schmetterlinge im Paradies

Blumen, Sträucher und Kräuter mit gelben, orangen, pinken oder roten Blüten (Nachtfalter mögen weiße Blüten, etwa vom Wald-Geißblatt) punkten bei Schmetterlingen gleichermaßen. Etwa Bartblumen, Disteln, Lavendel, Wiesensalbei, Thymian, Färberkamille, Fenchel, Johannisbeeren oder Haselnuss. Der beliebte Sommerflieder eignet sich, um Schmetterlinge zu beobachten, für Raupen ist er nutzlos. Auf gezüchtete Pflanzen mit gefüllten Blumen sollte man verzichten – die Nektarquelle ist für die Tiere oft unerreichbar.

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Gourmetbuffet für Raupen

Große Brennnessel, Schwingel, Pfeifengras, Flockenblume, Löwenzahn, Ackersenf, Kohl, Veilchen, Brombeeren, Weiden oder Winterlinden – das klingt für Schmetterlingsraupen nach einem Mehrgang-Menü im Fünf-Stern-Resort. Für manche Raupen sind gewisse Pflanzen überhaupt überlebenswichtig, die Raupen des Kleinen Fuchses und Tagpfauenauges etwa ernähren sich ausschließlich von der Brennnessel. Neben Pflanzen ist auch Obst eine Verlockung für Raupen. Wer genug davon im Garten hat, sollte mit seinen Gartenbewohnern teilen.

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Kleine Wildnis

Weniger Gartenarbeit bedeutet für Schmetterlinge und Raupen mehr Lebensqualität. Seltenes Mähen beziehungsweise abwechselndes Mähen einzelner Flächen und ungestutzte Hecken und Sträucher sichern den Lebensraum der Tiere. Blumen, die aussamen dürfen, kommen im Folgejahr wieder, abgestorbene Stauden und Stängel und liegengelassene Laub- und Reisighaufen sind ideale Winterquartiere für Eier, Puppen oder Raupen. Auch angelegte Steinhaufen oder Wandbegrünungen wie etwa Efeu schätzen die Tiere im Winter.

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Pestizidfreie Pflege

Schmetterlingsfreundliches Gärtnern ist natürliches Gärtnern ohne künstlichen Dünger und ohne Torf. Dafür mit Brennnesseljauche fürs Pflanzenwachstum, Marienkäfern bei Lausbefall oder – im Idealfall – Kompost vom eigenen Komposthaufen. Das fördert die Biodiversität und erhält den Lebensraum für Tiere. Auch und vor allem für Schmetterlinge.

Autorin: Maria Schoiswohl

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„Du musst die Botanik kennen, die Gesteinszonen, den Lebenszyklus der Tiere“, sagt Otto Feldner über die Schmetterlingszucht.

Im Feldner’schen Garten, umrahmt von blühenden Büschen und Bäumen, sprießen in ungemähten Ecken Nelken, Weinraute und die seltene Osterluzei. In Kübeln gedeihen Fetthennen und Futterpflanzen für Raupen. An der Nordwand des Hauses stapeln sich kleine Dosen mit Schmetterlingseiern; Boxen mit Raupen, Puppen und fertigen Faltern stehen in der Laube. Otto Feldner tauscht Eier und Wissen mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt – „ein Ei kostet mitunter zwischen 50 Cent und zwei Euro, das ist Verhandlungssache“ – seine Kontakte reichen von Japan und die Philippinen über Russland und Nordkorea bis nach Kanada und in die USA. Ein deutscher Entomologe, ein Experte für Schwärmer aus aller Welt, hat gar eine Schwärmerart nach ihm benannt: Covelliana ottofeldneri fliegt in Ruanda.

Feldners Fokus liegt aber auch in der Zucht auf den Apollofaltern.

„Für den Apollofalter habe ich einfach das Feeling.“ Über 80 Subspezies hat er von der Falterart bereits gezüchtet, aktuell etwa aus Tadschikistan, und erst kürzlich hat er mit einem Bekannten in der Türkei eine neue Apolloart entdeckt. Seine Begeisterung teilt er auch mit den Kindern an der örtlichen Schule. In Workshops erklärt er ihnen die Welt der Schmetterlinge. „Das Überraschendste für die Kinder ist, dass sie die Tiere auch angreifen können.“

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Kinder lieben von Natur aus die Natur

„Kinder sind von Natur aus biophil“, sagt Marion Jaros von der Wiener Umweltanwaltschaft im Interview mit Maria Schoiswohl. Jaros betreut seit zehn Jahren eine Schmetterlingswiese im Wiener Donaupark.

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Kinder lieben von Natur aus die Natur

Vanessa heißt das Falterprojekt der Wiener Umweltanwaltschaft auf einer Wiese im Wiener Donaupark. Kinder entdecken dort die Welt der Schmetterlinge. Initiatorin Marion Jaros im Interview mit Maria Schoiswohl über die Sehnsucht nach Naturerfahrung, Hindernisse bei der Umsetzung von Umweltprojekten und Spielzeugraupen.

c Alfred Brezansky

Frau Jaros, worum geht es bei Vanessa?

Die Grundidee von Vanessa ist es, Schmetterlinge in der Stadt Wien zu fördern. Ich habe selbst als Kind am Stadtrand gelebt – mit nahe gelegenen G’stettn samt Brennnesselflächen mit vielen Raupen, die ich zu Schmetterlingen gezüchtet habe. Schon damals habe ich beobachtet, wie durch die fortschreitende Bauentwicklung die Schmetterlingspopulationen und -arten in meinem Umfeld laufend zurückgingen. Das hat mich damals sehr unglücklich gemacht und mich in der Folge zum Umweltschutz gebracht. Die Kinder heute kommen selbst am Wochenende kaum aus der Stadt heraus. Die Naturerfahrung nimmt extrem ab. Deshalb fand ich es so wichtig, Erfahrungsflächen zu schaffen, wie ich sie als Kind hatte. Ich wollte Kindern heute zeigen, dass die Artenvielfalt vor der eigenen Haustüre spannend, wertvoll und kostbar ist.

2004 haben Sie Vanessa initiiert, benannt nach dem wissenschaftlichen Namen des Tagfalters Admiral „Vanessa atalanta“. Wie sind Sie damals zu einer Fläche gekommen?

Unsere Schmetterlingswiese – ursprünglich ein Hektar Kleeanbaufläche im Wiener Donaupark – war zu diesem Zeitpunkt ungenutzt. Die Wiener Stadtgärten stellten sie uns für das Projekt zur Verfügung. Wir von der Wiener Umweltanwaltschaft haben gemeinsam mit Experten von der Umweltberatung und der MA22 Umweltschutz ein umweltpädagogisches Konzept erstellt sowie einen ökologischen Mähplan für die Pflege der Wiese. In den ersten drei Jahren kamen viele Pionierpflanzen auf und es gelang uns in nur drei Jahren ein Sprung von ursprünglich acht auf 33 Tagfalterarten. Heute flattern bei uns zum Beispiel der Segelfalter, der ebenfalls streng geschützte Schwarze Trauerfalter und einige seltene Bläulingsarten. Man kann aber auch Große Heupferde, Hasen, Grünspechte und Falken auf unserer Wiese beobachten und Libellenlarven, Gelbrandkäfer, Wasserfrösche, Erdkröten, Molche oder Posthornschnecken in unseren beiden Teichen bewundern. Obwohl es sich nur um einen Hektar in einer klassischen Parkanlage handelt, ist die Biodiversität sehr hoch.

Anfangs fragten manche Anrainer, ob dem Park das Geld für die Pflege ausgegangen sei, weil weniger gemäht wurde.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie bei dem Projekt?

So eine naturbelassene Wiese ist von der Art der Pflege ein Fremdkörper in einem klassischen Park. Das erforderte ein Umdenken, sowohl bei den Anrainern als auch bei den Gärtnern und Gärtnerinnen selbst. So eine Fläche braucht eine Art von Pflege für die in einem Park oft gar nicht die entsprechenden Geräte vorhanden sind. Es brauchte und braucht also eine bewusste Bereitschaft des Stadtgartenamts, um so etwas dauerhaft umzusetzen. Dafür sind wir  sehr dankbar. Auch für die Gärtner selbst war es ungewohnt, dass wir in einer Parkanlage die Ansiedlung von Brennnesseln und Raupen fördern wollten, die in der Ausbildung zum Gärtner nur als Schädlinge und Unkraut vorkommen, die man bekämpfen muss. Und manche Anrainer fragten anfangs nach, ob dem Park das Geld für die Pflege ausgegangen sei, weil weniger gemäht wurde. Jetzt aber schätzt man die Wiese. Sie ist zu einer zusätzlichen Attraktion für den Park geworden und es ist ein größeres Bewusstsein für das Thema Artenschutz und Naturerfahrung entstanden.

In eineinhalb Stunden zeigen sie Kindern bis ins Volkschulalter auf der Wiese die Welt der Schmetterlinge. Wie läuft das ab?

Wir spielen zuerst ein Frage-Antwort-Spiel: Welche Tiere leben auf der Wiese? Wie und wovon ernähren sie sich? Dabei lernen die Kinder etwas über die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten der Tiere. Dann kommen wir auf die Feinde der Schmetterlinge zu sprechen. Ist es gut oder schlecht, dass Schmetterlinge so viele Fressfeinde haben? Meist kommt natürlich die Antwort, dass Feinde schlecht sind. Aber wenn man bedenkt, dass ein einzelnes Schmetterlingsweibchen zwischen 50 und 3.000 Eier legt, und das bis zu dreimal im Jahr, dann würde etwa ein einziges Tagpfauenauge im Frühling bis zum Herbst mehrere Millionen Falter hervorbringen Ohne Fressfeinde würden die Raupen also schnell alles kahl fressen. So erklären wir den Kindern das Gleichgewicht in der Natur. Schmetterlinge sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere. Und so tasten wir uns dann im Dialog mit den Kindern zum größten Feind der Schmetterlinge vor.

Dem Menschen?

Viele Kinder nennen zuerst den Adler. Wohl weil viele Vögel Raupen fressen er der größte Vogel ist. Aber natürlich ist es der Mensch, weil er den Lebensraum der Schmetterlinge zerstört. Wir erklären das sehr kindgerecht und geben Tipps für den Lebensraumerhalt. Und dann schicken wir die Kinder auf Entdeckungsreise auf die Schmetterlingswiese. In unserem Raupenhaus können sie zwölf verschiedene Schmetterlingsarten entdecken. Sie dürfen die Arten auf die Hand nehmen und vorsichtig in Gläsern einfangen. Zum Schluss bestimmen wir die Tiere gemeinsam und lassen sie wieder frei.

c Alfred Brezansky

Schadet der Kontakt nicht den Tieren?

Naturschützer haben oft die Botschaft, dass man nichts angreifen soll: Die Natur sei zu kostbar. Das Naturschutzgesetz sagt auch, man darf die Tiere nicht stören, sie nicht fangen. Für Vanessa haben wir eine eigene Genehmigung eingeholt, um die Tiere fangen zu dürfen, Molche auf der Hand krabbeln zu lassen, Schmetterlinge auf den Finger zu nehmen. Und bislang ist alles gut gegangen. Rund 5.500 Kinder haben uns bereits auf der Wiese besucht und noch ist keine Raupe gestorben.

Wie reagieren die Kinder auf die Tiere?

Gerade Kinder zwischen drei und zehn Jahren können extrem rasch eine Beziehung zur Natur aufbauen. Sie haben zwar anfangs eine gewisse Scheu vor vielen Tieren, aber Scheu und Neugier halten sich die Waage. Durch das haptische Erleben schwindet ihre Angst vor dem Unbekannten. Das ist oft ein zutiefst emotionales Erlebnis und ruft echte Glücksmomente bei den Kindern hervor. Ich habe das Gefühl, wir geben ihnen da etwas, das sie sich lange ersehnt haben, obwohl sie gar nicht wussten, wonach sie sich sehnen. Es ist ein besonderes Erlebnis.

Sollte diese Erfahrung nicht ganz normal sein?

Wir haben Kinder, die zweifeln, ob die Tiere echt sind. Sie halten sie für Spielzeugraupen. Dabei haben Kinder eine geradezu natürliche Affinität zu Tieren. Sie sind von Natur aus biophil. Sie wollen die Tiere angreifen und beobachten, und machen das auch ohne Vorerfahrung ganz richtig. Es wäre mein Wunsch, dass es solche Erfahrungsflächen in allen größeren Parkanlagen gibt. Der Bedarf und das Bedürfnis sind enorm. Und wenn wir uns wirklich in eine nachhaltige Gesellschaft verwandeln wollen, ist es ganz wichtig, die Kinder abzuholen. Wir hoffen deshalb, dass unser Projekt Schule macht und es bald noch mehr wilde, gut zugängliche Naturerfahrungsräume in Wien geben wird.

c Alfred Brezansky

Zur Person

Marion Jaros (im Bild links) arbeitet bei der Wiener Umweltanwaltschaft, die Trägerin des Vanessa-Projekts ist. Schmetterlinge sind ihre Leidenschaft. 2004 ruft die Wiener Umweltanwaltschaft das Projekt Vanessa ins Leben. Jeden Mai und Juni zeigen Jaros und ihr Team auf der ökologisch bewirtschafteten Wiese bis zu 40 Schulklassen die Welt der Schmetterlinge. Die kostenfreien Workshops sind oft ein Jahr im Voraus ausgebucht. Privat züchtet Jaros gemeinsam mit Mann und Kindern – und mit spezieller Genehmigung – vom Wiener Nachtpfauenauge bis zum Osterluzeifalter. Wer bei ihr in den Kühlschrank schaut, findet darin manchmal neben Lebensmitteln auch Gläser mit Schmetterlingseiern und Kokons.

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„Ich habe ja für das Saalachtal die Vision des größten zusammenhängenden Apollofaltergebietes in Mitteleuropa", sagt Otto Feldner.

Gleichzeitig möchte er einen internationalen Zuchtzirkel einführen, um illegales Schmetterlingssammeln zu unterbinden. „Es wird ja trotz Verbot immer wieder gesammelt. Stattdessen sollten ausgewählte Züchter weltweit den Apollo züchten und mit den Eiern handeln dürfen. Der ABC – Apollo Breeding Circle – als zentrale Verteilerstelle“, erklärt Feldner seine Idee. „Otto Feldner ist so etwas wie eine lokale NGO für den Schmetterling“, sagt Günther Jaritz von der Naturschutzabteilung des Landes Salzburg. Ohne Feldners Engagement würden wohl nur halb so viele Schmetterlingsarten im Stoissengraben und durchs Saalachtal fliegen. „Da sitzt eine Apolloraupe“, sagt Feldner und zeigt auf die schwarze Raupe mit roten Punkten, die sich an einer Fetthenne labt. Das Apollovorkommen im Stoissengraben ist gesichert.

Autorin: Maria Schoiswohl

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