Essbare Pflanzen und ihre giftigen Zwillinge

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Essbar oder giftig? Vor allem zu Saisonbeginn, wenn die Vegetation noch jung ist, ist es wichtig, bei Pflanzen genau hinzusehen. Geruch, Blätter, Blüten, Früchte, Wuchsform und Standort zeigen, ob sie für den Verzehr geeignet sind. Zehn essbare Pflanzen und ihre giftigen Doppelgänger.

1 Brunnenkresse vs. Giftiger Wasserschierling

Mit ihren Vitaminen A, C und D stärkt die scharf-würzige Brunnenkresse den Organismus. Sie eignet sich wunderbar für Frühjahrskuren. Vorsicht jedoch bei größeren ungekochten Mengen: Sie können wegen der enthaltenen Senföle den Magen reizen. Die Wasserpflanze hat hohle Stängel, ihre Blätter sind glänzend dunkelgrün und herzförmig gefiedert. Gefiedert sind auch die Blätter des Giftigen Wasserschierlings. Er ist der Brunnenkresse gefährlich ähnlich. Im Gegensatz zu den fünf bis sieben einzelnen Fiederblättchen der Brunnenkresse sind die zwei- bis drei-fach gefiederten Blätter des Wasserschierlings aber schmal. Der Stängel ist ebenfalls hohl, die weißen Blüten formen eine Dolde. Die weißen Blüten der Brunnenkresse hingegen sind kreuzförmig angeordnet. Obacht ist vor allem deshalb geboten, weil beide Pflanzen an Gewässern wachsen, häufig in unmittelbarer Nachbarschaft.

2 Bärlauch vs. Maiglöckchen

Der schmackhafte Bärlauch (linkes Bild) ist gesund und wächst in großen Beständen in schattigen Laub- und Auwäldern. Wegen seines intensiven knoblauchähnlichen Geruchs ist er eigentlich gut zu erkennen. Trotzdem wird er immer wieder mit dem Maiglöckchen (rechtes Bild) verwechselt, das beim Verzehr von Herzrasen bis zum Kreislaufkollaps führen kann. Schuld an der Verwechslung sind die großen Blätter. Wenn sie frisch austreiben, sehen sie sich äußerst ähnlich. Sie glänzen hellgrün, beim Bärlauch ist die Blattunterseite aber matt. Um Verwechslungen auszuschließen, sollte man vor dem Pflücken unbedingt einen Geruchstest machen und die Blätter zwischen den Fingern zerreiben: Nur der Bärlauch riecht aufgrund seiner Sulfide wie Knoblauch. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn bereits nach einigen Minuten gewöhnt sich die Nase an den Geruch.

3 März-Veilchen vs. Gewöhnlicher Haselwurz

Die Blätter und Blüten des März-Veilchens machen sich gut in Salaten oder Süßspeisen. Sobald die Veilchen blauviolett blühen, werden sie jedoch immer mal wieder mit dem braunroten Gewöhnlichen Haselwurz verwechselt. Besonders dann, wenn nur die Blätter der Pflanzen zu sehen sind. Die sind beim Haselwurz nierenförmig, beim Veilchen tendenziell ebenfalls, können aber auch wie ein Herz ausschauen. Die Veilchen-Blätter sind am Rand gekerbt, fein behaart und sie wachsen in einer Rosette auf Laubböden und unter Gebüschen. Beim Gewöhnlichen Haselwurz sind sie immergrün, ledrig und dunkelgrün glänzend. Außerdem haben sie einen roten Rand und riechen pfefferartig, wenn man sie zerreibt. Eine Verwechslung der Pflanzen sollte man unbedingt vermeiden: Der Genuss der Haselwurz löst Brech- und Niesreiz aus und kann sogar zu inneren Blutungen führen.

4 Schwarzer Holunder vs. Zwerg-Holunder

Wir alle kennen und lieben den Holunder, seine doldenartigen weißen Blüten und seine dunklen Beeren. Wegen der Blausäureglykoside dürfen die Beeren – ebenso wie Blätter und Stiele – aber nur reif und gekocht gegessen werden (nach Erhitzung auf über 80 Grad). Sie hängen auf einem sommergrünen, reich verzweigten Strauch oder kleinen Baum. Die Blätter bestehen aus sechs bis sieben Teilblättchen, sind gegenständig (Blätter eines Zweiges sitzen einander also gegenüber) und am Rand gesägt. Dem Holunder zum Verwechseln ähnlich in Blüte, Blatt und Fruchtstand ist der Zwerg-Holunder. Dieser ist aber eine Staude, deren oberirdische Teile im Gegensatz zum Schwarzen Holunder-Strauch nicht verholzen. Die schwach giftigen Bitterstoffe der Früchte des Zwerg-Holunders verursachen übrigens Verdauungsstörungen, Kochen bringt da leider auch nichts.

5 Rucola vs. Jakobs-Greis-(Kreuz)kraut

Italienisch klingt es besser: Deshalb heißt die Rauke heute meist Rucola (linkes Bild). Ihr hoher Gehalt an Senfölen macht den scharf-bitteren Geschmack aus, den wir etwa im Salat so mögen. Die 15 bis 20 Zentimeter langen Blätter sind gezahnt und gefiedert (die Blattnerven biegen entlang einer Mittelader unterschiedlich nach rechts und nach links ab). Die Blätter werden vor der Blüte manchmal mit jenen des Jakobs-Greiskrautes (rechtes Bild) verwechselt. Diese sind allerdings an der Unterseite schwach behaart und sehr tief eingeschnitten. Vorsicht ist geboten: Wer statt zum Rucola zum Greiskraut greift, kann damit seiner Leber schädigen oder gar Tumore fördern.

6 Gewöhnlicher Beifuß vs. Blauer Eisenhut

Ein getrockneter Strauß Beifuß passt gut zu fetten Speisen, zum Beispiel zu einer Gans, weil er die Verdauung fördert. Der Beifuß-Stängel ist stark verzweigt, die Blätter fiederteilig (auf beiden Seiten der Mittelrippe symmetrisch angeordnet) und zweigeteilt: oben dunkelgrün, unten weißfilzig. Die Blätter duften wie die braun-gelben eiförmigen Blüten würzig-aromatisch. Und wie bei den meisten Pflanzen sind es auch hier die Blätter, die leicht verwechselt werden. Im Falle des Gewöhnlichen Beifuß mit jenen des äußerst giftigen Blauen Eisenhuts. In der Homöopathie, richtig dosiert, wird das Hahnenfußgewächs Aconitum napellus zwar geschätzt, aber: Der Blaue Eisenhut (Blätter, Blüten und Wurzel) ist eine der giftigsten Pflanzen in Europa. Bereits zwei Gramm der Wurzel sind tödlich. Die Pflanze ist daran zu erkennen, dass ihre Blätter wechselständig (Blätter wachsen versetzt am Zweig) und einzelne Abschnitte in schmale Zipfel unterteilt sind. Die Blüten sind helmförmig und dunkelblau.

7 Heidelbeere vs. Tollkirsche

Die Heidel- oder Blaubeere (linkes Bild) ist ein Zwergstrauch, dessen Früchte blauschwarz-violett leuchten, das Fruchtfleisch und der Saft sind dunkelrot. Oft verwenden wir die Beeren in Marmelade, für einen Kuchen oder wir essen sie gleich direkt vom Strauch. Die grünen Blätter der Heidelbeere haben einen kurzen Stiel, sind eiförmig und am Rand fein gesägt. Ein giftiger Zwilling der Heidelbeere ist die Tollkirsche (rechtes Bild). Bereits der Genuss einiger weniger Blätter oder Früchte der Tollkirsche kann tödlich sein. Die Pflanze wird allerdings bis zu eineinhalb Meter groß und ihre Blüten haben – im Gegensatz zu den direkt an den Blattachseln sitzenden Blüten der Heidelbeere – einen Stiel.

8 Ackerminze vs. Poleiminze

Minzen enthalten ätherische, antiseptische und verdauungsfördernde Öle. Ist die Ackerminze der Gesundheit zuträglich – sie wirkt vor allem bei Verdauungsproblemen –, kann die Poleiminze bei zu hoher Dosierung zu Erbrechen und Atemlähmung führen. Die beiden Pflanzen haben ein gemeinsames, charakteristisches Merkmal: Ihre Blütenstände stehen regelmäßig über den Stängel verteilt in den Blattachseln. Unterscheidungsmerkmale sind hier ausnahmsweise die Blätter. Jene der Ackerminze sind am Rand grobgezähnt und beidseitig behaart. Die grünen Blätter der Poleiminze sind undeutlich bis kaum gezähnt und unbehaart. Sie haben eine stumpfe Spitze und riechen zerrieben schärfer als die der Ackerminze. Die Poleiminze wächst – anders als die Ackerminze – außerdem selten aufrecht.

9 Wiesen-Schafgarbe vs. Gefleckter Schierling

Die Wiesen-Schafgarbe riecht intensiv und angenehm würzig. Ihre Blätter schmecken am besten am Beginn des Frühlings. Vor der Blütezeit ist jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Verwechslung mit dem Gefleckten Schierling hoch. Dieser zählt zu den giftigsten Arten der Doldengewächse und wurde etwa im Altertum Verurteilten als letzter Trunk verabreicht (Stichwort: Schierlingsbecher). Gut zu erkennen ist der Gefleckte Schierling an seinem stechenden, Mäuse-Urin-ähnlichen Geruch oder an den rot-brauen Flecken im unteren Teil des Stängels. Der Stängel ist außerdem rund, glänzend und fein gerillt, während der von der Wiesen-Schafgarbe meist kantig und im oberen Bereich dicht behaart ist.

10 Zum Schluss: die Schwammerl

Immer wieder kommt es gerade bei der Suche nach Schwammerln zu unangenehmen Verwechslungen, deshalb heißt es: Genau hinschauen und lieber einen Experten fragen, bevor man den falschen Pilz verspeist. Ein Beispiel für beliebte, doch mit Vorsicht zu genießende Schwammerlzwillinge, sind der schmackhafte Schafchampignon und der giftige Knollenblätterpilz. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal der Pilze ist die Knolle. Beim Schwammerlsammeln muss man deshalb den Stiel vollständig aus dem Boden holen und betrachten. Der Knollenblätterpilz hat eine knollige Basis, eine sackartige Hülle. Wer nur ein kleines Stück von ihm kostet, kann einer Vergiftung erliegen. Auch am Geruch kann man die beiden Doppelgänger gut unterscheiden: Der Schafchampignon riecht nach Bittermandel, der Knollenblätterpilz rettichartig. Die Lamellen des Champignons sind überdies zuerst rosa, dann schwarzbraun, die des Knollenblätterpilzes sind ganz weiß.

Literaturhinweis
Weiterführende Informationen zu essbaren Pflanzen und giftigen Zwillingen finden Sie in Eva-Maria Dreyers Buch „Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger“ (ISBN-13: 978-3440126233, 2011, 2. Auflage, Kosmos Verlag).

Autorin: Daniela Illich

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