Eine wilde Böschung im Weingarten sorgt für Stirnrunzeln. Blühstreifen gelten manchen als Zeichen mangelnder Pflege, Lesesteinhaufen als unnötiger Aufwand. Doch genau diese „Unordnung“ und mühsame Handarbeit schaffen Lebensraum für bedrohte Smaragdeidechsen, Ziesel, Wiedehopfe und seltene Schmetterlinge. Im südlichen Kremstal wird sichtbar, warum Artenschutz Mut braucht – und warum er sich für alle lohnt.

Der Naturschutzverein ORTOLANdschaftspflege zeigt gemeinsam mit der Jungwinzerin Lisa Flecher aus Palt und der Marktgemeinde Furth bei Göttweig wie neue Trittsteinbiotope in der Weinlandschaft entstehen können.

Ziel ist ein Biotopverbund, der Lebensräume verbindet, bedrohten Arten Nahrung und Rückzugsorte bietet – und durch stabilere Ökosysteme auch den Weinbau stärkt.

Kleine Inseln, große Wirkung


"Früher war der Anblick des Wiedehopfs im Weingarten selbstverständlich. Heute ist er wie viele andere Tierarten verschwunden. Mit ihnen auch das Gezwitscher, Rascheln und Summen. Das soll sich wieder ändern," sagt Lisa Flecher. Gemeinsam mit Freiwilligen vom Verein ORTOLANdschaftspflege krempelt sie die Ärmel hoch, um ihre Weingärten naturschutzfachlich aufzuwerten.

So ergänzen Blühstreifen, Gehölzinseln und Bäume die Rebflächen. Lesesteinhaufen und Totholz schaffen Struktur und offene Lösswände bieten spezialisierten Arten wie dem Bienenfresser neue Chancen zur Brut und zum Überleben.

Die Veränderungen zeigen rasch Wirkung. Auf den Lesesteinhaufen sonnten sich im Sommer bereits Smaragdeidechsen, Blühflächen zogen Schmetterlinge und Wildbienen an, Nistkästen bieten Wiedehopf, Steinkauz und Halsbandschnäpper neue Brutplätze. Selbst hoch spezialisierte Arten wie der prächtige Osterluzeifalter finden ab nun wieder geeignete Bedingungen, weil gezielt ihre Wirtspflanze, die Osterluzei, gepflanzt wird.

„Wenn Blühpflanzen zwischen den Reben erblühen, entstehen Trittsteinbiotope, die sich zu einem lebendigen Netzwerk verbinden“, erklärt Naturschutzexperte und Projektinitiator Michael Binder. Was hier entsteht, ist kein Bruch mit der Kulturlandschaft, sondern ihre behutsame Weiterentwicklung – von der Menschen, Pflanzen und Tiere gleichermaßen profitieren.

Wildheit braucht Erklärung

Nicht alles, was wächst, stößt in der Bevölkerung auf Zustimmung. Wo es wild blüht und wuchert, wird oft mangelnde Pflege vermutet. Das liegt auch daran, dass der aufgeräumte englische Rasen seit Jahrhunderten als Sinnbild für Ordnung, Fleiß und Wohlstand gilt – ein Bild, das sich hartnäckig in unseren Köpfen hält. Angesichts des verheerenden Artensterbens braucht es neue Vorbilder. Eines wie Lisa Flecher: „Viele denken beim Anblick der wuchernden Böschungen, das sei Nachlässigkeit“, sagt sie und fügt hinzu: „Dabei steckt heute mehr Arbeit dahinter als früher.“ Denn artenreiche Böschungen lassen sich kaum maschinell pflegen. Vieles passiert händisch, mit Hingabe und viel Geduld.

Förderprogramme honorieren diesen Einsatz bislang nur unzureichend – vor allem dort, wo Vielfalt nicht in Hektar messbar ist. Erst durch den Aufruf von Blühendes Österreich, Weingärten ökologisch aufzuwerten, konnte ihre Vision wahr werden: Eine artenreiche Kulturlandschaft, in der die Interessen von Mensch und Vielfalt Hand in Hand gehen. 

Und trotz des größeren Aufwandes bleibt Flecher überzeugt: Der Nutzen für Natur, Landschaft und Gesellschaft rechtfertigt den Aufwand.

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Erfolgreicher Projekt Kick-off im März 2025

Weinbau trifft Naturschutz: eine Modellregion im Kremstal?

Gerade deshalb ist „Biodiversitätsoasen zwischen Reben“ mehr als ein Naturschutzprojekt. Es zeigt, wie engagierte Menschen und Gemeinden gemeinsam Lösungen entwickeln können, die trotz anfänglicher kritischer Stimmen den Dialog fördern und den Weg in eine gemeinsame Zukunft der Natur- und Kulturlandschaft weisen.

Die Vision: Eine Weinlandschaft, in der Ertragssicherheit und Artenvielfalt einander stärken, statt sich auszuschließen.

Dieser Gedanke trägt in der Region bereits Früchte: Neben der Genossenschaft Winzer Krems bringt nun auch das Weingut von Lisa Flecher Naturschutz und Landwirtschaft erfolgreich in Einklang.

Oder, wie es die Jungwinzerin formuliert: „Drei Schritte zurück – in die Zukunft.“

 

Jetzt weiterlesen:

Frischer Wind im Weinbau: Die jungen Wilden setzen auf Vielfalt

Projekt: Etablierung von Trittsteinbiotopen im südl. Kremstal, Niederösterreich

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Über #wein.landschaft

Mit dem Themenschwerpunkt #wein.landschaft stellte die BILLA Stiftung Blühendes Österreich 250.000 Euro für Projekte bereit, die Biodiversität in Österreichs Weinbauregionen fördern. Unterstützt wurden regionale Initiativen und Kooperationen, die Lebensräume wie Trockensteinmauern, Hecken oder extensive Weingärten erhalten und entwickeln. Ziel war es, Artenvielfalt zu stärken, Naturschutz mit Weinbau zu verbinden und traditionelle Kulturlandschaften nachhaltig zu sichern.

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Buch dir deinen Guide – Privat-Tour mit einem/r Nationalpark Ranger:in

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