In 3 Schritten alte Obsorten bestimmen, vermehren & schützen

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Für manch einen sind sie gänzlich unbekannt, andere kennen ein paar und wieder andere kennen hunderte: Die Rede ist von alten Obstsorten. Wie du alte Obstsorten kennen-, lieben lernen und vermehren kannst, das gab es beim Obstbaumtag des Biosphärenpark Wienerwald zu entdecken!

Letzten Samstag war es soweit: Der jährliche Obstbaumtag für Jung und Alt im Biosphärenpark Wienerwald stand an. Die Veranstaltung war äußerst gut besucht und das lag nicht nur am schönen Wetter: Egal ob Neuling auf dem Gebiet alter Obstsorten oder Kenner – es gab für jeden einen eigenen Weg die Begeisterung für alte Obstsorten zu entdecken, auszubauen oder sogar ganz tief einzutauchen!

(c) Jules Moody

Alte Obstsorten bestimmen mit Genuss

Wer bisher nichts oder nur wenig mit alten Obstsorten am Hut hatte, der konnte durch einen ganz besonderen Sinn Bekanntschaft damit machen: durch den Geschmackssinn nämlich.

Im Biosphärenpark gab es einen Stand, an dem es mehrere alte Apfel- und eine alte Birnensorte zu verkosten gab. Von Süß bis Sauer reichte die Bandbreite und das bereits geschnittene Obst, ließ nicht nur Kinderaugen strahlen. Auch die Erwachsenen kosteten sich fröhlich durch die verschiedenen Sorten, um diese über die Geschmacksknopsen kennenzulernen.

Über 60 Kilo Obst war an diesem Tag zum Verkosten vorbereitet worden, mit dabei waren die Sorten Cox Orange, Ilzer Rosenapfel, Kronprinz Rudolf, Ananas Renette und Novembra.

Wenn du mehr alte Obstsorten kennenlernen möchtest, dann solltest du dir diesen Beitrag über alte Apfelsorten und diesen Beitrag über alte Birnensorten unbedingt durchlesen.

Für alle Enthusiasten alter Obstsorten gab es die Möglichkeit, alte Obstsorten aus dem eigenen Garten von einem Profi bestimmen zu lassen. Vor Ort war eine der führenden Expertinnen auf dem Gebiet der Pomologie: Frau DI Katharina Varadi-Dianat. Frau DI Varadi-Dianat, Obfrau der ARGE Streuobst Österreich, war übrigens auch in der Jury zu den schönsten Streuobstwiesen 2018.

Frau DI Varadi-Dianat begeistert durch ihr Fachwissen und ihre wunderbare, bodenständige Art und schon bald kommen die ersten ObstliebhaberInnen und möchten gerne wissen, um welche Sorte es sich bei dem Obst aus ihrem Garten denn wohl handelt.

Mit geschultem Blick und ein paar Fragen wie zum Beispiel “Wann ist die Sorte reif?” oder “Wie lange steht der Baum schon im Garten?” klassifiziert die Expertin die Früchte.

Nachdem sie den Apfel angeschnitten hat und das Schnittbild, wie auch die Kerne und den Geschmack beurteilt, kann sie zumeist die Sorte aus dem Kopf benennen.

Frau DI Varadi-Dianat erzählt dem gespannten Publikum, dass sie ca. 100-150 Sorten auswendig kenne, insgesamt gäbe es aber mindestens 2.500 Apfel- und Birnensorten zu benennen. Deshalb hat sie auch Unterstützung in Form von Fachbüchern dabei.

Zur Bestimmung sollen mindestens fünf Früchte des zu bestimmenden Baumes mitgebracht werden und wer eine alte, vom Aussterben bedrohte Sorte mit dabei hat, wird gefragt, ob er von dieser ein Ästchen zur Veredelung spenden würde, erzählt Frau Mag. Ines Lemberger vom Biosphärenpark Wienerwald.

Alte Obstsorten vermehren

Der Apfel und die Birne sind Fremdbefruchter. Das bedeutet, dass aus einem gepflanzten Kern nicht die Eigenschaften des “Mutterbaumes” übernommen werden.

Um die Eigenschaften des ursprünglichen Obstes zu erhalten, müsse ein kleiner Ast auf einem Unterlagsstamm veredelt werden. Dies kann gleich mit den vor Ort ausstellenden (Bio-) Baumschulen vereinbart werden und somit kann der Sortenbestand gesichert werden.

Besonders spannend ist auch der Fakt, dass durch Mehrfachveredelungen sogenannte Familienobstbäume geschaffen werden können, erzählt Frau Mag. Lemberger weiter.

Famlienobstbäume sind Bäume, die mehrere Sorten tragen und sich im Optimalfall sogar gegenseitig befruchten. “Dies ist ideal für kleine Gärten.” meint sie.

Wie du siehst, sind alte Obstsorten ein Garant für die biologische Vielfalt!

Streuobstwiesen: das Biotop der alten Obstsorten schwindet

Wer mit den alten Obstsorten schon etwas vertrauter war, auch dem wurde nicht langweilig. Denn die Veranstalter hatten sich jede Menge lehrreiches über die Bewohner von Streuobstwiesen vorbereitet.

Streuobstwiesen sind in der heutigen Zeit stark gefährdet und das, obwohl sie so ein wertvoller Lebensraum auf mehreren Etagen sind. Von den Blättern der Bäume bis hin zum Erdreich ist die Streuobstwiese Lebensraum für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten.

So konnte beim Obstbaumtag unter anderem ein Nützlingshotel gebaut werden, welches du übrigens auch Zuhause ganz einfach nachbauen kannst: Insektenhotel selber bauen

Doch nicht nur für Insekten wie Wild- und Honigbienen ist die Streuobstwiese ein wertvoller Lebensraum, auch für viele Vogelarten, wie zum Beispiel dem Wiedehopf, Wendehals, Gartenrotschwanz oder Zwergohreule ist die Streuobstwiese ein wesentlicher Lebensraum.

Einen besonders spannenden Beitrag zum Thema Lebensraum Streuobstwiese findest du hier. (Autorin Jules Moody)


Der Obstbaumtag findet übrigens jährlich statt der nächste Termin wird im Naturkalender vermerkt werden. Schau doch gleich jetzt nach ob es demnächst eine spannende Veranstaltung gibt, die du gerne besuchen möchtest!

Zum Naturkalender  

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