Aufgetischt: 10 kuriose Kartoffelfakten

Mehr Lesen

Sie heißen Luise, Ditta oder Desiree: Die Kartoffel ist ein fixer Bestandteil der österreichischen Küche. Das war nicht immer so. Einst verteufelt brauchte der Exote aus den Anden zwei Jahrhunderte, bis die Knolle tiefe Wurzeln in die Esskultur Österreichs schlagen konnte. Auch sonst überrascht das Nachtschattengewächs mit kuriosen und spannenden Fakten:

1 Kartoffel als Feldfrucht "non grata"

Die Kirche warnte einst vor der Knolle aus den Anden und verdammte sie als „dämonisches, lüsternes Gewächs und Frucht des Bösen“. Da die Frucht aus den Anden keine Erwähnung in der Bibel findet und sich selbst bestäuben kann, sei sie der Sitz des Bösen. Eine Kartoffel wüchse dort, wo der Teufel einst auf den Boden spuckte, hieß es. Zudem sprachen sich die Vergiftungsvorfälle, einige sogar mit Todesfolge, herum.


Der Verein ARCHE NOAH erhält 170 Kartoffelsorten.

ARCHE NOAH hütet und erhält die pflanzliche Artenvielfalt. Bei den ARCHE NOAH Kursen und Seminaren lernen Interessierte, wie man alte Sorten anbaut und gesund hält. Mehr Infos findest du hier.


2 Die Mehrzweck-Knolle

Kartoffeln sind nicht nur Lebens- und Futtermittel. Aus ihnen werden auch Papier, Alkohol, Kunstschnee, Pappe, Seife, Shampoo, Tesafilm, Waschpulver oder Puder gewonnen.

3 Sie hört auf viele Namen

Das deutsche Wort Kartoffel leitet sich vom italienischen Begriff „Tartufolo“ (Trüffel) her. Den französischen Ausdruck „pommes de terre“ hat man ins Deutsche als „Erdapfel“ übernommen. In vielen deutschen Dialekten und Regionalsprachen haben die Knollen aber andere Namen: Arber, Ärpel, Bramburi (im Norden Niederösterreichs, wahrscheinlich aus dem tschechischen Wort brambor abgeleitet), Bulwe, Erdtoffel, Erdbirn, Erpfel, Flezbirn, Gromper, Grübling, Grumbeere, Grumbiere, Grundbirn, Potacke, Schucke, Töfte, Toffel, Töffelen oder Eachtling im Salzburger Lungau.

4 Bunte Kartoffelvielfalt

Es gibt rote, weiße, gelbe, blaue und beinahe schwarze Kartoffelsorten. Um seine Gäste mit den außergewöhnlichen Farben der Knollen zu überraschen, sollte man die bunten, ungeschälten Kartoffeln nicht im Salzwasser kochen lassen.

5 Ein Königreich für die Kartoffel

Die Inka hatten ihre Kultur bis ins 16. Jahrhundert u.a. auf der Kartoffel errichtet. Zu dieser Zeit gab es in den Hochebenen der Anden an die 200 verschiedenen Sorten. Sie verehrten die Kartoffelgöttin Axomamma und viele religiöse Feierlichkeiten fanden um die Saat- und Erntezeitpunkte der Kartoffeln statt.

6 Pamela Anderson im Dienst der Kartoffel

Richtig gelesen. Die größte Kartoffelforschungsstation der Welt (International Potato Center) befindet sich in Lima (Peru) und wird von Dr. Pamela Anderson geleitet. Jedoch von einer Braunhaarigen, die mit dem Kartoffelanbau den Hunger in der Welt lösen möchte.

Kartoffel

(c) Shutterstock / Malden

7 "Waschechte" Österreicher

Was haben die Sorten Sauwald Erdapfel, Lungauer Eachtlinge, Oberinntaler Erdäpfel, Osttiroler Kartoffel, Weinviertler Erdäpfel und Waldviertler Erdäpfel gemein? Sie alle kamen ins Register „Traditionelle Lebensmittel in Österreich“, welches das Ziel verfolgt, das kulinarische Erbe zu erhalten, die seit mindestens 3 Generationen oder 75 Jahren in Österreich kultiviert und verarbeitet wurden. So schaffte es die einst „fremdländische“ Pflanze rund 500 Jahre nach ihrer Ankunft in Europa als Herzstück der GenussRegion Österreich zu werden.

8 Kartoffel und Süßkartoffel nicht verwandt

Man würde annehmen, die Süßkartoffel reiht sich optisch in die Kartoffelfamilie ein. Falsch gedacht. Denn die Süßkartoffel ist  botanisch gesehen nicht mit der Kartoffel verwandt. Hier treffen ein Windengewächs und ein Nachtschattengewächs aufeinander. Die Süßkartoffel schlägt ihre Namensgenossin mit mehr Beta-Carotin und Vitamin A. Die gewöhnliche Kartoffel lässt die Süßkartoffel wiederum mit der Regionalität (die tropischen Süßkartoffeln werden hierzulande kaum angebaut) sowie ihrem hohen Folsäure- und Phosphor-Gehalt bescheiden aussehen. Für welche man sich entscheidet, ist schlussendlich Geschmackssache!

9 Die Kartoffel – eine Giftknolle?

Dass die Kartoffeln giftig seien und nach dem Kochen nicht aufgewärmt gehören, ist kein Ammenmärchen. Das giftige Alkaloid Solanin befindet sich konzentriert unter der Schale, unterhalb der Augen und Triebe. Es macht sich durch die grüne Farbe bemerkbar und deshalb gehören die grünen Stellen an der Kartoffel entfernt. Das Kochwasser der Kartoffeln enthält ebenso das ausgewaschene Solanin und es sollte daher nicht weiterverwendet werden. Ihre botanische Schwester, die Tomate, enthält übrigens auch Solanin und deshalb wird abgeraten, eine grüne, unreife Tomate zu verzehren! Bei den Kartoffeln im Supermarkt ist das Solanin jedoch weitgehend herausgezüchtet. Um den Giftgehalt so niedrig wie möglich zu halten, gehören die Erdäpfel dunkel und trocken gelagert.

10 Paterson Viktoria, die Lebensretterin

In Irland wurden die Kartoffeln vor ca. 200 Jahren in Monokulturen angebaut. Dieser Umstand kostete vielen das Leben. Als nämlich Mitte des 19. Jahrhunderts die Braunfäule eingeschleppt wurde, kam es zur größten Hungerskatastrophe der europäischen Neuzeit. Eine Million Iren verhungerten und eine weitere Million wanderte aus. Nur eine Kartoffelsorte schien der Kraut- und Knollenfäule zu trotzen: Paterson Viktoria! Die wiederum einigen Menschen das Leben rettete. Diese Sorte erhält aktuell der Verein ARCHE NOAH.

 

Jetzt weiterlesen:

Kartoffeln anbauen und gesund erhalten

Unser Newsletter hält dich über die Tier- und Pflanzenvielfalt auf dem Laufenden!

X