Nationalparks Österreich: Arche Noah für seltene Tiere

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Warum haben wir in Österreich sechs Nationalparks? Worin besteht ihre Aufgabe? Sie sind Schutzgebiete für Naturräume, für Tiere und Pflanzen, die anderswo bereits selten geworden oder sogar ausgestorben sind. Aber sie sind auch für den Menschen wichtig. Daniela Illich erklärt warum.

Donau-Auen, Gesäuse, Hohe Tauern, Kalkalpen, Neusiedler See – Seewinkel, Thayatal. Das sind die sechs Nationalparks in Österreich. Der Mensch greift hier wenig ein, die Natur kann Natur sein. Welche Rolle und Bedeutung die heimischen Nationalparks in Europa haben, das war auch Thema der heurigen Jahreskonferenz der Nationalparks Austria. Diskutiert wurden die Vielfalt und Vorbildwirkung der österreichischen Nationalparks als „Best of Austria“. „Die Natur hält sich nicht an politische Grenzen, Vernetzung von Lebensräumen und der dafür Verantwortlichen ist daher ein Gebot der Stunde“, so der Direktor des Nationalparks Donau-Auen, Carl Manzano.

„Wegen der strengen Schutzbestimmungen finden Tiere in den Nationalparks großflächige und weitgehend intakte Lebensräume vor“, sagt Ludwig Schleritzko, Direktor des Nationalparks Thayatal. „Die Artenvielfalt in den Nationalparks ist höher als auf wirtschaftlich genutzten Flächen“. In seinem Nationalpark lebt zum Beispiel die Europäische Wildkatze, in den Kalkalpen der Scharlachkäfer, in den Donau-Auen die Europäische Sumpfschildkröte, im Gesäuse gedeiht die Zierliche Federnelke, im Thayatal das Hohe Perlgras. Diese Arten sind in der freien Wildbahn sonst nur mehr selten oder gar nicht mehr anzutreffen.

Naturraum für den Menschen

2.380 Nationalpark-Quadratkilometer, das sind drei Prozent der österreichischen Staatsfläche, stehen unter Naturschutz. Die Nationalparks setzen internationale Naturschutzverpflichtungen und völkerrechtlich verbindliche Naturschutzkonventionen um. Sie entsprechen als Schutzgebiete den Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN und verzichten auf jegliche wirtschaftliche Nutzung von mindestens 75 Prozent ihrer Fläche, der Natur- und Kernzone. Das bedeutet unter anderem, dass dort Bäume alt werden dürfen und nicht vorzeitig geschlägert werden. Totholz bleibt liegen und Flüsse bahnen sich ihre eigenen Wege. Die Außenzonen der Nationalparks dürfen hingegen gemäht oder beweidet werden – dies dient etwa dem Erhalt besonderer Artengemeinschaft.

Aber es geht in Nationalparks eben nicht nur um Flora und Fauna: Für den Menschen sind Nationalparks Ruhe- und Erholungsoasen in absolut unberührter, heimischer Natur. Hier können sie entspannen, sich bewegen, lernen. „Außerdem stellen sie uns Raum für umwelt- und kulturverträgliche geistig-seelische Erfahrungen sowie Forschungs-, Bildungs- und Besichtigungsangebote zur Verfügung“, sagt Ludwig Schleritzko. Auf Wanderwegen entdecken die Besuchenden selbstständig vielfältigen Naturraum, manche Exkursionen bringen sie auch in sensible Bereiche abseits der Wege. In den Nationalparks werden die Auswirkungen der Besucherströme auf die Vegetation und bestimmte Tierarten genau beobachtet: „Wird es der Natur zu viel, wird der Zugang zu den Wegen manchmal auch für eine Zeit gesperrt“, klärt Biologe Christian Übl aus dem Nationalpark Thayatal auf. Damit Natur auch Natur bleiben kann.

Nationalparkzukunft

Der erste österreichische Nationalpark wurde 1981 in den Hohen Tauern gegründet. Im Jahr 2002 folgte mit dem Gesäuse der sechste Nationalpark in unserem Land. Aktuell arbeitet Nationalparks Austria an einem neuen Strategiepapier, um seine Ziele noch besser verfolgen zu können: Die Dachmarke noch bekannter zu machen, die österreichische Bevölkerung für ihre Anliegen zu sensibilisieren und die Nationalparks als Teil der nationalen Identität zu installieren.

Mehr zu den heimischen Nationalparks finden Sie auf: www.nationalparksaustria.at.

Autorin: Daniela Illich

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