Der Boden reißt im April 2026 netzartig auf. Seit Wochen hat es kaum geregnet. Wo jahrzehntelang ein intensiv genutzter Kleegrasacker lag, entsteht ein neuer Lebensraum: frisch gepflanzte Obstbäume, vielfältige Hecken, Steinriede und eine artenreiche Naturwiese schaffen ein Mosaik für die Artenvielfalt. Doch die extreme Trockenheit setzt der Fläche zu.

Fast jedes Wochenende steht Biologe Christian Deschka an der Kleinen Mühl im oberösterreichischen Peilstein und gießt. Noch wirkt die Fläche karg, die jungen Sträucher sind dürr, die Naturwiese lückenhaft. Doch Deschka weiß: Sobald Regen fällt, beginnt das neue Leben zu wachsen und seine Vision wird wahr.

Eine Barriere zwischen den Wäldern

Die 1,77 Hektar große Fläche galt seit Jahren als Problemstelle im Wildtierkorridorsystem Oberösterreichs.

Zwischen den großen Waldgebieten des Böhmerwalds und den Donauhangwäldern fehlte ausgerechnet hier ein Verbindungsglied. Für wandernde Arten wie die Wildkatze wirkte der offene Acker wie eine Barriere: keine Deckung, kaum Schutz.

„Vorher war das ein monotones Feld“, sagt Deschka. „Jetzt entstehen hier wieder Übergänge und Rückzugsorte für Wildtiere.“

Im Zuge des Changemaker Calls entwickelte er deshalb einen Plan: Aus dem Acker sollte ein vielfältiger Lebensraum werden – mit Streuobstwiese, Hecken, Steinriede und Laichgewässern. Der Plan überzeugte und das Projekt erhielt eine Förderung. 

Doch kurz vor dem Kauf sprang der Verkäufer der ursprünglich vorgesehenen Fläche ab. Die Suche begann von vorne.

Ein neuer Platz am Bach

Schließlich wurde ein anderes Grundstück gefunden – direkt an der Kleinen Mühl. Mit Unterstützung des Naturschutzbundes und der Stiftung von Marlene Engelhorn konnte die Fläche angekauft werden. Die BILLA Stiftung Blühendes Österreich förderte die Bepflanzung heimischer Gehölze. 

Heute wachsen dort 500 heimische Sträucher und 24 Hochstamm-Obstbäume. Gepflanzt wurden sie gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule Peilstein und der Bioschule Schlägl im Herbst 2025. Zwischen den jungen Hecken stehen hochstämmige Birn-, Apfel-, Kirsch- und Zwetschkenbäume. Noch werfen sie kaum Schatten. Aber sie verändern die Fläche bereits jetzt.

Denn Hecken sind weit mehr als Grundstücksgrenzen. Sie bieten Windschutz, Nahrung und Deckung – und verbinden Lebensräume miteinander. „Die Feldhasen waren schneller da als erwartet“, erzählt Deschka. „Sie nutzen die Strukturen schon, obwohl vieles erst anwächst.“

Vom stillen Acker zum Froschkonzert

Besonders sichtbar wird die Veränderung an den neuen Teichen.

Zwei Laichgewässer wurden eigens für den Laubfrosch angelegt – eine Amphibienart, die in Österreich stark gefährdet ist. Die Teiche sind Teil eines größeren regionalen Biotopverbundes mit mehr als 50 Laubfrosch-Gewässern zwischen Julbach und Peilstein.

Nicht alle Menschen in der Region reagieren begeistert auf die neuen Wasserflächen. Vor allem in den Frühlingsnächten, wenn das Quaken der Frösche laut wird. Deschka nimmt die Diskussion gelassen. Für ihn zeigen die Teiche vor allem, wie schnell Arten neue Lebensräume annehmen, wenn wieder passende Bedingungen entstehen. Vielleicht gehört das nächtliche Froschkonzert ja bald wieder ganz selbstverständlich zur Landschaft dazu. 

Viel Handarbeit, wenig Romantik

In der Anfangsphase halfen Freiwillige und Schulklassen mit. Inzwischen liegt die Pflege großteils bei Deschka selbst. Er schneidet Sträucher frei, gießt Sträucher und Bäume und kontrolliert den Verbissschutz. Die Wasserschläuche hat ihm Gardena gesponsert. Wenn im Sommer die Mahd der Blumenwiese ansteht, kann er auf die Unterstützung von Onkel und Tante zählen, die im Dorf eine Landwirtschaft betreiben.

„Wir hoffen auf Regen“, sagt er. Die Sträucher müssen anwachsen. Die Obstbäume müssen die nächsten trockenen Sommer überstehen. Erst in einigen Jahren wird sichtbar sein, wie dicht die Hecken tatsächlich werden und wie stark sich der Wildtierkorridor entwickelt. Doch schon jetzt verändert die Fläche die Landschaft.

Wo früher ein offener Acker lag, entstehen wieder Strukturen: Schatten, Deckung, Wasserstellen, Steinriedeln. Dinge, die für viele Tiere überlebenswichtig sind und in intensiv genutzten Landschaften oft fehlen.

Brücken für die Natur

Großräumig betrachtet verbindet die neue Fläche zwei bedeutende Waldgebiete miteinander. Für Arten wie die Wildkatze könnte genau das entscheidend sein: sichere Wege zwischen Lebensräumen, neue Rückzugsorte und genetischer Austausch. Wo heute Frösche rufen und Feldhasen Deckung finden … könnten morgen wieder Wildkatzen zwischen den Wäldern wandern.

Mehr Infos zum Projekt

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert, die NextGenerationEU und von Blühendes Österreich - BILLA gemeinnützige Privatstiftung kofinanziert.

 

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