Täglich fressen sie Schilf, schaffen offene Wasserflächen und gestalten die Landschaft neu: Die Wasserbüffel sind zurück im Weinviertel. Gemeinsam mit anderen großen Weidetieren übernehmen sie eine Aufgabe, die einst Auerochsen, Wisente und Wildpferde erfüllten. Seit Anfang April läuft die zweite Weidesaison des Projekts „Wilde Weiden“.

Ob alles nach Plan läuft? Wir haben bei Alexander Ernst nachgefragt.

Die Wasserbüffel grasen schon seit einem Monat. Was kannst du zum Lagebericht sagen?

Alexander Ernst: Die Herde ist innerhalb weniger Monate von 2 auf 14 Wasserbüffel angewachsen. Die Tiere gehören alle zum Naturpark Leiser Berge. Es handelt sich ausschließlich um weibliche Jungtiere zwischen einem und drei Jahren. Letztes Jahr haben wir die Tiere vom Tierpark Schönbrunn und dem Nationalpark Neusiedlersee übernommen. Seit diesem Jahr werden Naturschutzflächen mit dieser Herde gepflegt. 

Das alte wird Schilf niedergetreten, das junge Schilf abgefressen. Dadurch öffnen sich die Flächen wieder. Man sieht heute mehr Wasser und nicht nur eine geschlossene Schilfdecke. Luftaufnahmen zeigen diesen Unterschied schon deutlich.

 

Weshalb helfen gerade Wasserbüffel bei der Renaturierung?

Alexander Ernst: Wasserbüffel sind Ur-Spezialisten für Feuchtgebiete. Durch ihr Grasen und Suhlen schaffen sie offene Strukturen, die vielen bedrohten Arten zugutekommen. 

Feuchtgebiete gehören heute zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen Österreichs. Seit dem 19. Jahrhundert gingen Fluss- und Auenlandschaften auf einer Fläche von fast zwei Mal Wien verloren. Genau deshalb sind sie für unser Projekt so wertvoll. Die großen Beweider helfen uns dabei, Lebensräume effektiv zu erhalten, die ohne regelmäßige Beweidung zunehmend verbuschen oder verloren gehen.

 

Neben den Wasserbüffeln kommen auch andere Weidetiere zum Einsatz. Wie funktioniert das Zusammenspiel?

Alexander Ernst: Vier der „Big Five“ haben bereits ihre Arbeit aufgenommen: Wasserbüffel, Rinder, Pferde und Esel. An der Rückkehr des größten Bindeglieds – dem Wisent – arbeiten wir noch. 

Die Herden ergänzen sich perfekt. Besonders gut funktioniert die Kombination von Schafen und Eseln. Die Esel dienen gleichzeitig auch als Schutz für die Schafe, etwa gegenüber möglichen Wolfsangriffen. 

Gemeinsam sind sie Spezialisten auf ihrem Gebiet: Wasserbüffel für Feuchtflächen, Konikpferde und Tux Zillertaler Rinder, eine alte gefährdete Nutztierrasse, für Trocken- und Wacholderrasen, Esel und Waldschafe befreien die Gebiete von dorniger Vegetation und Gehölz wie Robinie.  

 

Kannst du schon sagen, welche bedrohten Arten von der Beweidung profitieren?

Alexander Ernst: Dafür ist es noch zu früh. Wir haben Biolog:innen mit einer Bestandsaufnahme beauftragt. Zuerst müssen wir wissen, welche Tiere und Pflanzen überhaupt auf den Flächen vorkommen. Erst über mehrere Jahre hinweg lässt sich dann feststellen, ob Spezialisten häufiger werden oder sich neue Vorkommen zeigen.

Unser Fokus liegt auch weniger auf einzelnen Arten als auf den Lebensräumen. Wenn sich Feuchtgebiete, Trockenrasen oder andere vielfältige Habitate verbessern, profitieren automatisch viele verschiedene Arten davon – vom Dungkäfer, der Vögel anlockt, die wiederum durch Samenverbreitung zur Entwicklung vielfältiger Vegetation beitragen.

Welche Herausforderungen sind bei der Beweidung mit Wasserbüffeln aufgetreten?

Alexander Ernst: Eine interessante Erfahrung war das Umsetzen der Wasserbüffel auf neuen Flächen. Eigentlich dachten wir, dass sie weiterziehen würden, sobald das Futter knapp wird. Doch manche Areale haben ihnen offenbar so gut gefallen, dass sie gar nicht in den Transporter, den sie eigentlich mögen, einsteigen wollten. Dazu brauchte es mehrere Anläufe.

Positiv überrascht hat uns das große Interesse am Projekt: Viele Fachleute aus dem Naturschutz kommen vorbei, um sich die Weideflächen anzusehen. Gleichzeitig melden sich immer häufiger Gemeinden, Organisationen oder Privatpersonen, die eigene Flächen für eine Beweidung anbieten möchten.

Naturschutz gelingt langfristig nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Wenn Gemeinden, Grundeigentümer:innen und Besucher:innen die Idee mittragen, entstehen neue Möglichkeiten für Kooperationen und zusätzliche Standorte. Genau das erleben wir derzeit.

 

Wie reagieren die Menschen in der Region auf die Wasserbüffel?

Alexander Ernst: Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Sobald die Tiere auf gut zugänglichen Flächen stehen, kommen viele Besucher:innen, um sie zu beobachten. Auch Gemeinden und Anrainer:innen begegnen dem Projekt mit großer Offenheit. Die Wasserbüffel sind mittlerweile zu echten Botschaftern für den Naturschutz geworden.

 

Die Wilden Weiden werden durch die Pfandspenden der BILLA Kund:innen unterstützt. Welche Bedeutung hat diese Förderung für das Projekt?

Alexander Ernst: Ohne die Pfandspenden der BILLA Kund:innen wäre die Umsetzung des Projekts nicht möglich. Die Mittel finanzieren den Aufbau eines neuen landwirtschaftlichen Betriebs, die Beweidungsinfrastruktur sowie das langfristige Management der Herden. Das ist die Grundlage dafür, dass wir die Flächen dauerhaft betreuen und Schritt für Schritt erweitern können.

Naturnahe Beweidung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine Aufgabe über viele Jahre. Die Unterstützung ermöglicht es uns, wertvolle Feucht- und Trockenlebensräume langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.

 

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vorher nachher beweidung mit wasserbueffeln

Wie sieht deine langfristige Vision für die Wilden Weiden im Weinviertel aus?

Alexander Ernst: Unser Ziel ist es, die Wilden Weiden weiterzuentwickeln, etwa mit dem Einsatz von Wisenten, und zusätzliche Naturgebiete miteinander zu vernetzen. Langfristig soll im Weinviertel ein zusammenhängendes Netzwerk wertvoller Lebensräume entstehen.

Das Interesse an diesem Ansatz reicht bereits über die Region hinaus: Erste Initiativen haben sich nach dem Einsatz von Wasserbüffeln erkundigt. Jede Landschaft stellt andere Anforderungen, doch naturnahe Beweidung und Rewilding haben sich vielerorts als wirksame Werkzeuge erwiesen, um die Artenvielfalt zu fördern und natürliche Prozesse wieder in Gang zu setzen.

Für uns ist das eine Bestätigung, dass der eingeschlagene Weg funktioniert. Mit jeder Pfandspende können wir weitere Maßnahmen umsetzen und die Wilden Weiden Schritt für Schritt ausbauen.

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