Johannes Zoller ist Landwirt in der Südoststeiermark. Er liebt die Arbeit in und mit der Natur. Seine Äpfel tragen das PRO PLANET-Label der REWE Group. Der Apfelanbau jedoch steht vor großen Herausforderungen. Zollers Zukunft? Ist vielleicht ein Bauernhof für SeniorInnen.

Markt Hartmannsdorf. Ein idyllischer 3.000-Seelen-Ort in der Südoststeiermark, knapp 40 Autominuten östlich von Graz. Einen kurzen Fußmarsch vom Ortskern entfernt, liegt der Hof von Johannes Zoller. Seit rund 20 Jahren ist der heute 50-Jährige Landwirt. Und das mit Leidenschaft. „Das darf man fast nicht laut sagen, aber ich bin schon als Zwölfjähriger mit dem Traktor gefahren“, sagt er und schmunzelt. „Man wächst da einfach rein.“ Die tägliche Arbeit in der Natur, die Abwechslung der Aufgaben – das schätzt der Landwirt an der Landwirtschaft. Zoller übernimmt den Betrieb von seinen Eltern. Milchvieh, Ackerbau, Obstbau – davon leben die Zollers bis sie sich sukzessive auf ein Standbein konzentrieren: „Wir betreiben heute zu 100 Prozent Apfelanbau.“

Auf rund elf Hektar des 20 Hektar großen Betriebes, samt Wald und eigener Baumschule, wachsen Gala und Elstar, Golden Delicious und Jonagold, Idared und Braeburn. „Wir brauchen eine Sortenaufteilung aufgrund der Ernte“, erklärt Zoller. „Ich habe frühere, mittlere und spätere Sorten, damit wir sie pflücken können. Elf Hektar kann ich nicht auf einmal ernten.“

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Frostspuren

Im September beginnt die Erntezeit im Apfelanbau.

Drei- bis viermal muss die Erntemannschaft durch die Anlagen – bei Zoller eine siebenköpfige Stammmannschaft aus Ungarn, die während der Erntezeit am Hof wohnt. „Es kommt darauf an, wann die Äpfel reif sind und wie groß sie sind.“ Um in den Handel zu kommen, brauchen sie einen Durchmesser ab 65 Zentimeter. Behutsam werden die Früchte von den Bäumen gepflückt – immer mit Stiel, um die Frucht nicht zu verletzen. Die Erntehelfer legen sie in große, grüne Kisten auf dem Erntewagen Marke Eigenbau. „Jeder hat so seine Tricks. Ich habe diese Wägen konstruiert. Damit können wir durch die Anlagen fahren und gut ernten“, erklärt Zoller. Bis zu 4.000 Bäume müssen pro Hektar abgeerntet werden. In guten Jahren trägt ein Baum 15 bis 20 Kilogramm. Der Ertrag kommt im Vollausbau am Zoller-Hof auf bis zu 350 Tonnen. Heuer hat der Frost die Ernte drastisch dezimiert.

„Wir rechnen heuer mit 40 Tonnen, also 10 bis 20 Prozent. Da fehlt einiges.“

Zollers Anlagen liegen zwischen 340 und 370 Höhenmeter – der Frost im Frühjahr hat den Früchten gerade in dieser Höhe zugesetzt. „Das Problem war heuer, dass es nicht nur eine, sondern drei Nächte lang kalt war. Normalerweise wird es rund um den Sonnenaufgang am kältesten. Heuer hatten wir bereits um 9 Uhr abends Minusgrade. Das war für den Apfel eine Katastrophe.“ Für Zoller heißt das: weniger Ertrag, keine Beschäftigung von Erntehelfern, zittern um den Erlös.

Johannes Zoller ist kein Direktvermarkter, er liefert sein Obst an die Obst Partner Steiermark GmbH in Wollersdorf, kurz OPST. Nur wenige Früchte behält er sich für den Eigenbedarf, für Saft oder Most. Die OPST vermarktet die Ware von rund 600 Apfelproduzenten aus der Ost-, West- und Südsteiermark und hält rund 65 Prozent des gesamt-österreichischen Apfelanbaus.

An die 130.000 Tonnen Äpfel gehen pro Jahr über die OPST in den Handel, 60 Prozent davon ins Ausland. Unter anderem nach Deutschland und Spanien, nach Russland oder in den Nahen Osten. Damit macht den Landwirten nicht nur das Wetter, sondern auch die Politik zu schaffen. „Das Russland-Embargo setzt uns ordentlich zu“, sagt Zoller, „Ein Großteil unserer Golden Delicious geht normalerweise dorthin.“ Große Apfel-Konkurrenz kommt unter anderem auch aus Polen – das Land hält rund 30 Prozent am europäischen Markt, Österreich 1,5 Prozent.

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Lagerkisten für Äpfel

Johannes Zoller erzeugt seine Äpfel nach den Richtlinien des PRO PLANET-Programms der REWE Group.

Für seinen Obstanbau im PRO PLANET-Programm muss er festgelegte Grenzwerte einhalten: beim Stickstoff- oder Phosphorgebrauch, beim CO2- oder Wasserverbrauch. Vor allem geht es aber um die Reduktion der Pestizide. „Ich habe das eigentlich schon immer gemacht. Das mit der natürlichen Schädlingsbekämpfung“, sagt Zoller. Gleichzeitig pflegt der Landwirt eine Fläche für die Initiative Blühendes Österreich.

Auf 0,7 Hektar wachsen knorrige Nussbäume, Kastanien und Kirschbäume. Die Uhudler-Traube gedeiht und rundum steht das Gras hoch. "Wir mähen hier nur zweimal im Jahr. Die Bäume sind bis zu 60 Jahre alt. Das ist alles ganz ursprünglich", sagt Zoller. Der Apfelwickler, ein Falter, dessen Raupen sich gerne durch Äpfel fressen, wird mit der Verwirrmethode von den Früchten ferngehalten. Künstliche Pheromone weiblicher Apfelwickler an kleinen Streifen verwirren die männlichen Tiere. Sie finden das Weibchen nicht und können sich dadurch nicht vermehren. Der Roten Spinne kommt Zoller mit Raubmilben bei, für Meisen, die Schädlinge vertilgen, hängt er Vogelhäuschen auf, und die Blattläuse überlässt er den Marienkäfern. „Da braucht man nur Nerven. Der Marienkäfer ist ein Säuberungsräuber. Der kommt nur dann, wenn es sich für ihn auszahlt.“ Einzig gegen den Schorf muss er ab und an spritzen. Delan heißt das Fungizid, das er so selten als möglich verwendet. „Ich will mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie. Immerhin ist die Natur mein Arbeitsplatz.“

Die Ernte auf seinen Anlagen dauert bis in den Oktober hinein. Ab November folgt der Winterschnitt.

Auf Stelzen, die ursprünglich für Maler in Amerika konzipiert sind, stapft Zoller von Baum zu Baum. „Es dauert bis in den April, bis man alles durchgeschnitten hat. Das wichtigste kommt aber im Frühjahr: das Hagelnetz aufmachen.“ Es ist ein Schutz gegen das Wetter, gemeinsam mit der Hoffnung auf ein mildes Klima.

Für die Befruchtung der Bäume stehen in den Obstanlagen auch Zieräpfel. Sie sind den Bienen und Insekten nützlich, die von Blüte zu Blüte fliegen und summend ihrer Arbeit nachgehen. „Wir haben viele kleine Imker in der Gegend, da kommen die Bienen von selbst“, sagt Zoller. Auch die Hummeln und Wildbienen werden immer mehr. „Ich will zusätzlich noch Insektenhotels aufstellen.“

Zoller ist das ganze Jahr über fleißig. Im Juni gehören die Bäume ausgedünnt –  überzählige Äpfel nimmt er händisch vom Baum, damit die restlichen Früchte gedeihen können und der Baum auch im Folgejahr wieder trägt. Beim Sommerschnitt entfernt er die Wassertriebe, damit seine Äpfel genügend Licht und Farbe bekommen. „Das ist wie bei den Menschen. Wenn wir uns in die Sonne legen, werden wir braun. Sonst bleiben wir bleich“, meint der drahtige Landwirt. Im Herbst schließt sich der Kreis – die Ernte beginnt.

„Der erste Apfel für die Ernte ist der Gala, mein Lieblingsapfel ist aber ein späterer, der Braeburn“,

sagt Zoller. Der frische Apfel vom Baum ist es, der ihm am besten schmeckt. „Bei mir muss der Apfel richtig krachen. Der darf nicht mürb sein“, sagt Zoller. Auf seinem Hof krachen die Äpfel noch mindestens zehn Jahre. Ob der Sohn, aktuell ein Teenager, übernehmen wird, ist offen. Für seinen Hof kann sich Zoller vieles vorstellen: Er hat viele Hektar Land, ein eigenes Hackschnitzelwerk, einen großen, schönen Stall – viel Platz für gute Ideen. „Wer überleben will, muss größer werden. Ich will das nicht. Aber die Gesellschaft wird immer älter – vielleicht habe ich hier einmal einen Bauernhof mit Streichelzoo und SeniorInnen. Möglich ist alles.“

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