Christina Prechtl aus Neustift in Tirol kennt das Weiderostproblem der Kröten und Frösche. Und sie ist erfinderisch geworden. Regelmäßig schaut sie in jeden Weiderost, ob Tiere in die Todeszone gefallen sind. Sie zeigt uns, wie man mit einfachen Mitteln Ausstiegshilfen installieren kann, ohne dass der schwere Weiderost angehoben werden muss.

Als Stadtkind wurde Christina Prechtl die dramatische Situation der Amphibienwanderung erst bewusst, als sie aufs Land zog. Aus der Winterstarre erwacht wandern Amphibien zielstrebig zu ihren Laichgewässern, meistens nachts und bei Regen. Tausende erreichen ihr Ziel nicht. „Man liest davon, dass Amphibien überfahren werden oder in Weideroste fallen. Aber die Sinn- und Hilflosigkeit dieses grausamen Todes werden einem erst bewusst, wenn man es sieht. Wir stehen zu den Wanderungszeiten Nacht für Nacht, Morgen für Morgen an den Querungsstrecken und helfen den Tieren über die Straße“, erzählt Christina Prechtl. Christina ist mittlerweile in ihrem Ort für ihren leidenschaftlichen Einsatz bekannt. Tatkräftig unterstützt von ihrem Partner hat sie ein Amphibien-Rettungsteam aufgebaut und tauscht sich landesweit und über die Grenzen hinaus mit Gleichgesinnten aus, was am effektivsten wirkt.  

Beim Wandern in die Weideroste schauen  

Auch beim Wandern bleiben Christina und ihr Partner wachsam. In jedem vierten Weiderost finden sie ein gefangenes Tier. „Hier gibt es von der Talsohle bis zur Alm in der Höhe Weideroste, ohne Wasserauslass und ohne Ausstiegshilfe“, weiß Christina. „Wenn ein Frosch da hineinfällt, kommt er von selbst nicht mehr heraus. Wir haben im Juni noch einen Frosch gefunden. Er hat seit Monaten ganz verhungert auf ein Wunder gewartet.“ Das Wunder ist in diesem Fall gekommen. Als Erste- Hilfe-Maßnahme kann ein Brett oder ein Stock in den Weiderost eingelegt werden, jedoch ist diese Konstruktion sehr kurzlebig.  

Not macht erfinderisch: die Geotextilmatte  

Christina Prechtl hat überlegt, wie eine stabilere Konstruktion aussehen könnte, die in der Praxis auch tatsächlich zum Einsatz kommt und unkompliziert anwendbar ist. „Es braucht vor allem Lösungen, die mindestens einen Winter überdauern. Und Lösungen, bei denen der Weiderost, der wirklich schwer ist, nicht angehoben werden muss“, skizziert Christina die wichtigen Rahmenbedingungen für eine simple Lösung. Die Ausstiegshilfe selbst muss aus einem griffigen, leicht transportierbaren Material bestehen. „Amphibien können erstaunlich gut klettern. Selbst wenn die ,Kletterwand‘ horizontal in den Schacht reicht“, erklärt Prechtl.  

Die Lösung dafür ist eine Geotextilmatte, auch Krall- oder Böschungsmatte genannt. Sie ist sehr leicht, gut transportierbar und stabil. „Ich schneide sie in Streifen, der Breite und Tiefe des jeweiligen Weiderosts angepasst und mit einem Stein und Kabelbindern am unteren Ende beschwert. Das obere Ende wird mit längeren Kabelbindern am Stahlträger befestigt. Eventuell kann ein Bürstenkopf als Brücke zwischen Matte, Gitter und festem Boden mit eingebunden werden. Die Matte ist straff gespannt, an der Wand des Schachts anliegend. Oben schauen maximal die Borsten über den Rost, sodass Fahrzeuge den Weiderost ungehindert passieren können.“ Mit dieser Lösung kann Amphibien zumindest 2 – 3 Jahre geholfen werden – mit gelegentlichen kleinen Nachkontrollen. Einfach gut.  

Mit Literatur das Thema unter die Leute bringen  

Christina Prechtl arbeitet als selbstständige Literaturvermittlerin. Auf diese Weise bringt sie das Thema Amphibienschutz  an Schulen und überlegt zusammen mit den Kindern, was man tun könnte. Die Kinder haben tolle Ideen, sie basteln Froschübergänge, verhängen temporäre Fahrverbote und zeigen großes Mitgefühl für die kleinen feuchten Wanderer. „Alleine schaffst du das nicht. Ich bin damit an die Öffentlichkeit und so haben wir ein Team aufgebaut und vom Land Zäune bekommen“, erzählt Christina. Ein Team ist sehr wichtig. Falls jemand ausfällt, können andere einspringen, das entlastet auch psychisch.  

 

Froschklaub-Börse 

» naturschutzbund.at/froschklaub-boerse.html 

Die Froschklaub-Börse des Naturschutzbunds etabliert sich als zentrale Drehscheibe für den landesweiten Amphibienschutz entlang von Straßenabschnitten in Österreich. Über die Froschklaub-Börse können sich engagierte Personen österreichweit vernetzen. Auf einer Karte werden die bekannten und betreuten Wanderstrecken hinterlegt und fortlaufend aktualisiert. „Es ist wichtig, tote Tiere bei den zuständigen Behörden oder Hilfsorganisationen zu melden, denn nur so können an den Wanderstrecken Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Melder sind sehr wichtig, dann erst kommen die Helfer ins Spiel“, sagt Christina Prechtl. „Es werden temporär Amphibienzäune entlang der Straße © Christina Prechtl aufgestellt, die Tiere wandern an den Zäunen entlang und fallen in einen im Boden versenkten Kübel. Die Helfer sammeln die Tiere ein und bringen sie sicher an ihr Ziel“, erklärt Christina. Mit einem Klick auf die jeweiligen Stellen kann man sich zur Mitarbeit anmelden.  

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