Der nachhaltigste Effekt beim Erhalt naturschutzfachlich wertvoller Flächen wird durch langjährige und beständige Unterstützung und Kooperationen – Vertragsnaturschutz – erreicht.
Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und die OPST Obst Partner Steiermark entwickeln gemeinsam mit der Stabstelle Nachhaltigkeit und dem Zentraleinkauf der REWE International AG 2013 die Idee für ein gemeinsames Projekt zu Natur- und Biodiversitätsschutz. Im ersten Schritt sollen die OPST Naturschutzmaßnahmen der Produzentinnen und PRODUZENTEN finanziert und unterstützt werden. Das dazu geschaffene Programm heißt FLORA – Förderung von Landwirtinnen und Landwirten und Organisationen zur Rettung unserer Artenvielfalt.
Aus dieser Initiative gründet REWE 2015 die gemeinnützige Privatstiftung Blühendes Österreich.
Über FLORA wird einzig der naturschutzfachliche Wert einer Fläche bemessen. Damit wird erreicht, dass naturschutzfachlich hochwertige Biotoptypen, ungeachtet ihres zumeist sehr geringen landwirtschaftlichen Ertragswerts, einen „ökologischen Marktwert“ erhalten, der ihrer historisch-kulturellen, sozioökonomischen und ökosystemrelevanten Wichtigkeit entspricht.
Das Prämien- und Vertragsmodell zu FLORA wurde von der Arge Schrefler-Komposch (Graz) in Zusammenarbeit mit BirdLife Österreich ausgearbeitet. Es baut vorrangig auf der Roten Liste der Biotoptypen Österreichs bzw. lokalen Aktualisierungen auf und priorisiert Biotoptypen entsprechend ihres naturschutzfachlichen Werts im jeweiligen Naturraum. Je seltener und gefährdeter ein Biotoptyp ist, desto höher wird die Prämie.
Maßgeblich ist die naturschutzfachliche Qualität der Fläche, die in periodischen Wiederholungskartierungen beobachtet wird. Steigt die Qualität durch Pflege der Fläche, so erhöht sich im nächsten Auszahlungszeitraum auch die Prämie und umgekehrt.
Mit dem Programm entstehen in den Kerngebieten der österreichischen Obst- und Gemüseproduktion in Kooperation mit den Erzeugergemeinschaften OPST, EOS und LGV & Sonnengemüse ökologisch wertvolle Trittsteine. Im oststeirischen Hügelland steht die Förderung von traditionell bewirtschafteten Wiesenflächen und Streuobstgärten im Vordergrund. Vom Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel bis hin zum Flachmoorgebiet des Waasen sind Flächen von stark vernässten Wiesen bis hin zu Halbtrockenrasen unter Vertrag, um extensive Wiesen wiederherzustellen wurden einzelne Äcker mit regionalem Saatgut eingesät.
Von 2015 bis 2024 bestehen über das Programm FLORA insgesamt Verträge mit 144 Vertragspartner:innen über eine Fläche von mehr als 664 Hektar, als Finanzierung wurden in diesem Zeitraum mehr als 1,48 Millionen Euro ausgeschüttet. Neben langfristigen Verträgen mit Obst- und Gemüsebäuer:innen gab es gemäß der Strategie von Blühendes Österreich 2015-2022 auch mehrjährige befristete Verträge mit Vereinen und Einzelpersonen, so etwa im Waldviertel mit dem Verein freeNature, in den Kalkalpen mit dem Verein Bergwiesn, in der Wachau mit dem Verein Lanius und dem Landschaftspflegeverein Thermenlinie- Wienerwald-Wiener Becken. Ab 2022 wird der Focus von FLORA wieder auf Erzeugergemeinschaften im Bereich der Obst und Gemüseproduktion Österreichs gesetzt.
Mit regelmäßigen Evaluierungen der Vertragsflächen und begleitenden zoologischen und botanischen Monitorings werden auch die Erfolge für Natur- und Artenschutz sichtbar gemacht. 2018 und 2020 werden zahlreiche Highlights entdeckt:
In Niederösterreich auf der Fläche des Vereins für Landschaftspflege Niederösterreichs entdeckte man 2018 eine besondere Spinne, den Kleinen Piraten (Piratula latitans). Seine Bestände sind in ganz Österreich rückläufig, was mit der Trockenlegung von Feuchtlebensräumen, Düngung und der Entwässerung von Mooren zu tun hat. Auf einer verschilften Überschwemmungswiese bei Hörersdorf erstmals die Haken-Schilfspornzikade (Chloriona vasconica) und die Schilf-Weichwanze (Teratocoris antennatus) nachgewiesen werden, die in Mitteleuropa extrem seltene Raubwanze (Metapterus linearis) und die Große Reitgraszirpe (Paluda flaveola) zum zweiten Mal.
Die Rotbraune Sackspinne Clubiona saxatilis wurde 2020 erstmals beim Krabbeln auf oberösterreichischem Boden gesichtet und die extrem seltene Pappel-Weichwanze Brachyarthrum limitatum wurde das erste Mal in der Steiermark nachgewiesen. Diese Wanzen-Art war in Österreich 100 Jahre verschollen und nur aus historischen Einzelfunden in Niederösterreich und Vorarlberg bekannt. Naturschutzfachlich interessant sind auch die Nachweise mehrerer hochgradig gefährdeter Arten wie die Trespenspornzikade, die Trug-Schilfspornzikade, der Schwarzhaar-Troll, eine Wanzen-Art, und 35 Spinnen-Arten, die als gefährdet auf der Roten Liste stehen.
Ziel der Wiederholungsstudie ist es aufzuzeigen, wie sich die Art der Bewirtschaftung auf die Biodiversität der jeweiligen Fläche auswirkt.
Mehr zu den FLORA Partner:innen und ihren Regionen findest du hier.