Der Einsatz von regionalem Saatgut erhält und fördert die spezifische Artenvielfalt in verschiedenen Teilen Österreichs. Zudem finden heimische Insekten wie Schmetterlinge und ihre Sprösslinge genau das passende Futter, um gut durch alle Lebenszyklen zu kommen.

Jede Region hat ihre besonderen Wildpflanzen. Viele sind sogar landschaftsprägend, wie zum Beispiel die Narzissenwiesen in den Kalkalpen. Im Laufe der langen gemeinsamen Entwicklung von Kulturlandschaft und Landwirtschaft haben sich perfekt aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaften gebildet, bestehend aus Pflanzenarten, Kleinarten und Ökotypen, jeweils mit ihren spezifischen Tierarten. „Auf Grünflächen, die mit Saatgut heimischer Pflanzenarten angelegt werden, zeigen sich ein deutlich größeres Artenspektrum und eine höhere Zahl an Individuen“, erklärt Karin Böhmer, Landwirtin und Vorstandsmitglied des Vereins REWISA (Regionale Wildpflanzen und Samen). Sie sammelt Samen von Wildblumen, meist von bestehenden Blumenwiesen, aber auch von Säumen, Fluss- und Seeufern, Wäldern und bunten Äckern. Diese werden einzeln oder in eigens für den Standort und das Pflegeregime der Aussaatfläche zusammengestellten Mischungen über den Verein verkauft. 

Gemeinsamer Einsatz für regionale Wildpflanzen und Samen 

Im Verein REWISA haben sich Akteur:innen aus der Planung, Garten- und Landschaftsgestaltung und Produzent:innen (Landwirt:innen, Gärtnereien und Baumschulen) zusammengeschlossen. 2024 wurden so über tausend Pflanzenarten aus der Direktsammlung in den Regionen Böhmische Masse, Östliches Flach- und Hügelland, Südalpen und Zentralalpen, Kalkalpen Ost und Nördliches Alpenvorland gewonnen. Das entspricht fast einem Drittel der in Österreich vorkommenden Pflanzenarten. Viele dieser Pflanzensamen sind sonst nicht oder kaum verfügbar. „Unser Ziel ist es, Saatgut aus allen zehn biogeografischen Regionen anzubieten. Wir suchen also immer engagierte Betriebe oder Privatpersonen, die durch Sammeln, Bereitstellen von Flächen oder Ausbringen von regionalem Saatgut dabei helfen, dass die Biodiversität in Österreich wieder wächst“, so Karin Böhmer. Ein Blick auf die Liste der vorhandenen Samen lohnt sich, um den passenden Speiseplan für lokal und regional vorkommende Schmetterlinge zusammenzustellen. 

» www.rewisa-netzwerk.at 

Eine kleine Auswahl an Raupenfutterpflanzen 

Wilde Möhre (Daucus carota) 

Die Wilde Möhre ist ein Elternteil der Gemüsekarotte. Erkennbar ist sie an ihren weißen, oft vogelnestartigen Blütenständen, meist mit einer schwarzen Einzelblüte in der Mitte. Als Doldenblütler ist sie unter anderem eine Nahrungspflanze für die wunderschönen Schwalbenschwanzraupen und kommt vor allem an eher trockenen, warmen Standorten vor. 

Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) 

Das Wiesen-Schaumkraut ist für die Raupen des hübschen Aurorafalters sehr wichtig. Auf feuchten bzw. frischen Fettwiesen ist der Kreuzblütler mit seinen weißen bis zartvioletten Blüten ein echter Hingucker und bietet auch für andere flatternde Insekten viel Nektar. 

Hornklee (Lotus corniculatus) 

Schmetterlingsblütler wie der Hornklee sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Bläulinge. Bis zu 70 Schmetterlingsarten ernähren sich allein vom Hornklee, z.B. das Hornklee-Widderchen. Er wächst auf eher mageren und sonnigen Wiesen. 

Mauerpfeffer-Arten (Sedum sp.) 

Besonders der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album) ist ungemein wichtig für die Entwicklung des Fetthennen-Bläulings oder des spektakulären Roten Apollos. Mauerpfeffer-Arten mögen es trocken, sonnig und nährstoffarm und können in Dachbegrünungen, Steingärten und Trockenmauern gut wachsen. 

Süßgräser 

Gräser wie der Schaf-Schwingel (Festuca ovina) oder das Einjährige Rispengras (Poa annua) sind zwar nicht so auffällig, aber das Um und Auf für Augenfalter wie das Kleine Wiesenvögelchen oder das Große Ochsenauge. Die Weibchen dieser Arten legen ihre Eier bevorzugt in kurzrasigen Bereichen in Bodennähe und die Raupen überwintern oft in der Nähe des Grasstängels. 

Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) 

Er ist wunderschön und unglaublich speziell. In wechselfeuchten Nasswiesen, Mooren und feuchten Gräben ist dieses Rosengewächs die alleinige Futterpflanze des Dunklen und des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, die ihre Eier auf die noch geschlossenen Blütenköpfe legen. Damit die Raupen sich anschließend zu Faltern entwickeln können, ist zusätzlich noch das Vorkommen bestimmter Ameisenarten notwendig, aber das ist eine andere, sehr spannende Geschichte … 

Veilchen (Viola sp.) 

Das Duftveilchen (Viola odorata) ist z. B. für den imposanten Kaisermantel ein wichtiges „Kinderfutter“. Duftveilchen kommen meist an eher schattigen Plätzchen bei Hecken, Waldrändern oder zumindest in Waldnähe vor. Die Kaisermantel-Weibchen legen ihre Eier in Borkenritzen von nahen Bäumen. Die Raupen überwintern mit leerem Magen und suchen sich im Frühjahr den Weg zu den wohlriechenden Futterpflanzen.

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Tour 14 - Sonnenaufgang über dem Tuxertal

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