Johann Moser hat sich als Landwirt für die Teilnahme an der ÖPUL-Maßnahme „Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung“ entschieden. Dazu gehören Weiterbildungen, aber auch die Anlage von Biodiversitätsflächen. Mit fachkundiger Beratung von Andreas Danzl, dem Wiesenvogelbeauftragten des Landes Tirol, bringt er Leben zurück in seine Felder.

Seit 30 Jahren führt Johann Moser seinen Hof in Oberhofen in Tirol. Er stellt Milch mit der Milchschafrasse ´Lacaune´ her. Für die Schafe baut er im Inntaler Talboden um Oberhofen Futtergras an, das frisch oder getrocknet als Heu verfüttert wird. Im Stall wird Stroh als Einstreu gebraucht. Einstreu fällt bei der Getreideernte als Nebenprodukt an, aber weil Stroh lange Zeit günstig war, wurde auf den Eigenanbau verzichtet. „Als Landwirt geht man, so gut es geht, mit der Zeit. Vieles verändert sich – Maschinen, Märkte, Preise, Konsumenten und auch wir Bauern“, erzählt Moser. In letzter Zeit ist der Strohpreis gestiegen und somit ein Kostenfaktor geworden. Heuer hat Johann nach 17 Jahren zum ersten Mal wieder Korn gedroschen. Als er jedoch die Ernte aus seinem Hänger schöpfte, wurde er sehr nachdenklich. Am Grund seines Ladewagens lag eine einzige tote Heuschrecke. „Das letzte Mal – vor 17 Jahren – war ein Viertel der Ernte nur Viecher: Heuschrecken, Fliegen, Raupen und wie sie alle heißen. Jedenfalls hat der Hänger richtig gelebt“, erzählt Johann Moser. „Und heuer: ein einziges Tier! Da fängst du an, nachzudenken. Was ist passiert?“ 

Optimierte Bewirtschaftung kostet Leben in der Wiese 

Es hat sich tatsächlich etwas verändert. Der Trend zur Ertragssteigerung durch Düngung, Schädlingsbekämpfung und effizientere Maschinen hat einen Höhepunkt erreicht. Die Zusammenlegung von kleinen Feldstücken und das Entfernen von Feldrainen und Hindernissen, wie Gehölzen und Mauern, hat Felder und Äcker geschaffen, die optimiert und sehr effizient bewirtschaftet werden können. Doch in dieser Kleinräumigkeit und diesen Hindernissen lag nicht nur eine Erschwernis, es waren auch die Lebensräume der Tiere und Pflanzen, die sich jetzt dem Ertrag unterordnen müssen. „Die Biodiversität und vor allem die Fülle an Tieren, die sind nicht mehr da“, schließt Johann nachdenklich. Insekten sind wichtige Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen, wie Obstbäumen und Gemüsepflanzen. Zu den Bestäubern zählen neben den Bienen auch Fliegen, Wespen, Käfer und Ameisen. Neben ihrer Bestäuberfunktion sind Insekten eine wichtige Futterquelle für Vögel, die sich um Schädlinge in der Landwirtschaft kümmern. 

Wie das Leben in Blühstreifen explodieren kann 

Seit dem EU-Beitritt 1995 fördert das österreichische Agrarumweltprogramm „ÖPUL“ den Naturschutz in der Landwirtschaft. Im Vorjahr hat Moser an einer Biodiversitäts-Weiterbildung teilgenommen, bei der die Funktion von später gemähten Blühstreifen erklärt wurde. „Wenn’s nur darum geht, ein paar Meter Gras stehen zu lassen, dann kann ich das machen“, dachte er und wendete sich an den Ornithologen Andreas Danzl, um konkrete Maßnahmen in seiner Gemeinde Oberhofen umzusetzen. Richtig angelegte Spätmähstreifen liegen in der Sonne und werden nicht gedüngt. Dann können sich blühende Kräuter gegen Gräser durchsetzen, ohne zu faulen oder Mäuse anzuziehen. Die unterschiedlichen Blatt- und Stängelformen bieten Nischen und Nahrung – zuerst für Insekten und Schnecken, dann für Spinnen und schließlich für Vögel. So kann das Leben im Blühstreifen schnell explodieren. 

Feldlerchen im „Singflug 

Ornithologe Andreas Danzl beobachtet im Auftrag der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol Vögel auf landwirtschaftlichen Flächen ihr Kommen und Gehen, Brutverhalten und Nahrungsquellen. „Als sich Johann Moser mit seinem Anliegen gemeldet hat, haben wir uns das Gebiet gemeinsam angeschaut. Wir haben eine Vogelkartierung durchgeführt und eine Infoveranstaltung für Bauern und Bäuerinnen der Region Oberhofen-Flaurling abgehalten“, erzählt Danzl. Feldvögel haben in ganz Tirol in den letzten zwanzig Jahren deutlich abgenommen, aber noch trillern in Oberhofen einige Feldlerchen im „Singflug“ über den Feldern. Sie brüten bevorzugt in Wintergetreide, das schon ab April Versteckmöglichkeiten bietet. Eine kleinräumig unterschiedliche Bewirtschaftung sorgt zudem für kontinuierliches Futterangebot. „Auch Goldammer, Neuntöter und Wiedehopf haben wir hier angetroffen“, sagt Danzl. „Goldammer und Neuntöter brauchten extensives Grünland und Gehölze wie z.B. Hecken und der Wiedehopf brütet gerne in Höhlen alter Obstbäume oder eigens konstruierten Nistkästen.“ Moser lacht: „Ja, ein Pärchen war letztes Jahr bei uns im Obstgarten – ein schöner Vogel, der Wiedehopf mit seinem auffälligen Schopf.“ 17 belegte Schwalbennester zählt Moser inzwischen in und um seinen Stall. Ständig auf Fliegenjagd sind sie wichtige Hofbegleiter. Damit die Vögel Baumaterial finden, hat Johann eine Gatschpfütze im Hof, die er nicht austrocknen lässt. Auf vier seiner Wiesen bleibt ein Streifen bis zur zweiten Mahd stehen. Über die ÖPUL-Naturschutzmaßnahme werden diese finanziell abgegolten und als Biodiversitätsflächen anerkannt. Das reife Schnittgut kann er als Pferdeheu verkaufen. Schmunzelnd blickt er heute auf eine Brennnesselflur hinter einer Ablagefläche. Für ihn eigentlich nur „Gestrüpp“, aber Biolog:innen und jetzt auch er sehen in dieser Brache einen Rückzugsraum. Hier entwickeln sich Raupen, Heuschrecken, Schnecken und Spinnen ungestört. Seine Getreideanbauflächen will Moser verdreifachen – ein Schritt, der sich wirtschaftlich lohnt und gleichzeitig der Feldlerche zugutekommt. Das freut Andreas Danzl: „Nach unserer letzten Infoveranstaltung haben sich einige Bauern gemeldet, die auch ein paar Wiesen später mähen und nur mit Festmist düngen. Wir werden weiter dranbleiben, die Erfolge aufzeigen und weitere Interessierte ins Boot holen.“ 

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