Was wäre, wenn sich die Menschen ausschließlich vegan ernähren würden? Angesichts der bevorstehenden Festtage lässt sich Martin Gierus, Agrarwissenschaflter der BOKU Wien, auf ein kleines Gedankenexperiment ein.

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Vielfach kommt in Österreich zu Weihnachten ein Weihnachtsbraten auf den Tisch. Was wäre, wenn wir heuer alle einmal vegan feiern würden?

Zuerst einmal muss ich sagen: Wir haben hier in Österreich die Wahl. Wir können wählen, ob wir auf tierische Produkte und Fleisch verzichten wollen, oder nicht. Das ist ein Lebensmotto, eine Ernährungseinstellung. Es ist aber auch eine Frage des Preises – will ich mir Obst, Gemüse, Fleisch leisten? Es gibt sehr viele Menschen auf der Welt, bei denen das anders ist. Da geht es darum, dass überhaupt irgendetwas auf den Tisch kommt. Würden wir aber in Österreich aus einer Freiwilligkeit heraus vollkommen auf tierische Produkte und Fleisch verzichten, dann hätte das weitreichende Folgen.

Welche konkret?

Man kann das Produkt nicht für sich allein betrachten. Da müssen folgende Fragen beantwortet werden: Tiere müssen gefüttert werden – woher kommen die Ressourcen für die Tiernahrung? Wo sind die Anbauflächen, wo das Futter? Zweitens: Wenn das alles wegfällt, weil wir keine tierischen Produkte mehr essen, was würden Landwirte dann etwa im Bergland in Österreich machen? Hier ist – aufgrund geografischer Gegebenheiten – kein Ackerbau möglich, sie sind auf Tierhaltung angewiesen. Drittens: Wie würde sich die Landschaft verändern, wenn Wiesen und Weiden nicht mehr von Schafen, Kühen oder Ziegen beweidet werden würden? Das würde alles zuwachsen und die Almen würden verschwinden. Man müsste alles mähen, um eine touristisch attraktive Kulturlandschaft zu erhalten. Das alles sind Teilbereiche, sieht man das aus einer globalen Perspektive, dann würde ein weltweiter Veganismus, die Landwirtschaft vor eine vollkommene Neuorientierung stellen.

Ist eine vegane Ernährung weltweit überhaupt denkbar?

Natürlich, aber da kommt es auch auf die Kultur an. Wie gesagt, bei uns haben wir die Wahl, was wir essen wollen. Aber denken Sie nur an Völker in Wüstenregionen, die nichts anbauen können. Die sind auf tierische Produkte angewiesen. Sollen sie, weil sie keine Tiere mehr essen, Getreide aus Österreich importieren? Wie soll das in Südasien funktionieren, wo Fleisch auch einen gewissen gesellschaftlichen Wohlstandswert darstellt. Oder in Indien, wo man aus religiösen Gründen kein Rindfleisch isst, Milch aber als vegetarisches Produkt schätzt. Sieht man Veganismus auf einer globalen Skala, muss man ganz groß denken.

"Sieht man Veganismus auf einer globalen Skala, muss man ganz groß denken."

Wenn wir es auf ein Beispiel herunterbrechen: Welche Auswirkungen hätte eine rein vegane Ernährung etwa auf den heimischen Ackerbau?

Ackerbau etwa für Weizen oder Gerste braucht bestimmte Flächen. Weizen wiederum brauchte eine gewisse Qualität, um für Brot verwendet zu werden. Wenn diese nicht erreicht wird, dann wird er aktuell als Tierfutter verwendet. Das gleiche gilt bei Gerste. Hat sie nicht die richtige Qualität fürs Bierbrauen, wird sie zu Tierfutter. Was würde man also mit Weizen und Gerste machen, wenn die Qualität nicht stimmt? Auch könnten Ackerflächen zu konkurrierenden Flächen werden, wenn es um Pflanzen als Energieträger geht. Man muss das in einem Gesamtzusammenhang betrachten. Alles ist verknüpft: Nicht nur der Mensch, auch die Tiere profitieren von der aktuellen Landwirtschaft. Aber was wirklich passieren würde, ist reine Spekulation.

Welchen Einfluss hätte eine weltweite Umstellung auf vegane Ernährung auf das Klima?

Würden wir gänzlich ohne tierische Produkte leben, dann wäre das kein großer Unterschied für die Natur. Wir müssten unsere Ressourcen dann anders nutzen und weiterhin die Nährstoffkreisläufe sicherstellen. Aktuell fressen die Tiere auf der Weide und hinterlassen ihre Exkremente, die wiederum den Boden düngen. Wäre das weg, müsste man andere Lösungen finden, aber die Böden weiterhin bearbeiten. Fragen des Stickstoffs, der Fruchtfolge, der Nitratauswaschung, des Phosphors stünden weiterhin im Raum. Und man muss schon auch bedenken: Gras ist keine Nahrung für den Menschen. Unsere Wiederkäuer veredeln uns aktuell diese Ressource: Sie produzieren dadurch Milch und Fleisch. Der Nebeneffekt ist natürlich die Gasemission.

Wiederkäuer veredeln uns die Ressource Gras zu Milch und Fleisch. Der Nebeneffekt ist die Gasemission.

Denken Sie, ist Veganismus ein Trend oder eine Bewegung?

Ich denke, Veganismus ist eine Bewegung. Es wird heute als Beitrag der Gesellschaft für eine überdachte Ressourcennutzung gesehen. Und wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre im Biobereich ansieht, dann ist da in der Landwirtschaft auch viel weitergegangen. Auch im konventionellen Bereich. Die heimischen Landwirte machen ihre Arbeit ja auch aus einer Überzeugung heraus und das wichtigste ist, denke ich, dass sie und die Konsumentinnen und Konsumenten in Diskussion bleiben und offen besprechen: Was wäre alles in der Nahrungsmittelproduktion möglich und was kann man wirklich umsetzen. Das Gespräch führte Maria Schoiswohl.

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Erlebniszentrum Weidendom

Erlebniszentrum Weidendom

22. Mai |
Steiermark
Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH
  • Öffnungszeiten: (der Weidendom ist ganzjährig frei betretbar, betreutes Besucherprogramm zu folgenden Zeiten)

    Mai, Juni, September: Samstag, Sonntag, Feiertage, jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr
    Juli, August: täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr

Sondertermine außerhalb der Öffnungszeiten, sowie spezielle Programme für Gruppen, Busgruppen und Schulen werden im Informationsbüro in Admont organisiert, Tel. +43(0)3613/21160-20, info@nationalpark-gesaeuse.at

    Direkt an der Abzweigung nach Johnsbach hat das lebendige Bauwerk des Weidendoms am Ufer der Enns seine Wurzeln geschlagen. Die Forschungswerkstatt mit ihren vielfältigen Angeboten lässt die Besucher:innen für einige Zeit in die ungeahnte Welt eines faszinierenden Mikrokosmos eintauchen. Der kleine Bauerngarten und die Obstbaumallee bieten eine Vielfalt an saisonalen Kräutern, Gemüse und alten Hausobstsorten! Im gesamten Areal finden die Gäste Ruheinseln mit gemütlichen Schaukeln, die zum Rasten und Verweilen einladen. Durch die Tribüne mit einem spektakulären Blick auf die Nordwände der Hochtorgruppe wird die gesamte Anlage im Sommer durch interessante Vorträge und Kinoprogramme aufgewertet. Das Erlebniszentrum Weidendom eignet sich auch hervorragend für Kindergeburtstage ! Und wer sich im kühlen Nass der Enns erfrischen möchte, der tut dies am Besucherbereich Johnsbachsteg mit herrlichem Ausblick auf die Gesäuseberge.

    Das Areal des Weidendoms ist außerhalb der Öffnungszeiten frei begehbar! Weidendom-Folder

    Das Erlebniszentrum Weidendom ist Ausgangspunkt zahlreicher Themenwege

    Forschungsprogramm 1: Die Reise in den Mikrokosmos "Wasser" (um 14:00 Uhr buchbar)

    Tauchen Sie in die spanndende Welt der Wasserlebewesen ein. Eine selbst genommene Wasserprobe kann beim Mikroskopieren "unter die Lupe" genommen werden. Dabei entdeckt man Kleinstlebewesen, die man in dieser Größe noch nie gesehen hat.

     Forschungsprogramm 2: Wildnis erforschen im Auwald (um 11:00 Uhr buchbar)

    Gehen Sie auf die Suche nach Wildnis in der Aulandschaft um den Weidendom und erfahren, welche Bäume gerne nasse Füße haben und welche seltene Vogelart ganz in der Nähe brütet.

    Forschungsprogramm3: Abenteuer Wilde Wiese (um 16:00 Uhr buchbar)

    Ein:e Nationalpark Ranger:in zeigt IHnen wie Sie in einer wilden Wiese auf Entdeckungsreise gehen können und neben schillernden Käfern und Bienen auf Nektarsuche auch Russischen Bären oder eine rotflügelige Schnarrschrecke aufspüren.

    Aktuelle Informationen (COVID-19):

    Bitte beachten Sie, dass es aufgrund der aktuellen COVID19 Maßnahmen kurzfristig zu Änderungen von einzelnen Veranstaltungen kommen kann!

    Kosten für Forschungsprogramme (11:00, 14:00 und 16:00 Uhr):

    Erwachsene: € 7,00
    Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre: € 5,00
    Familienkarte (max. 4 Personen): € 12,00

    Sondertermine sowie spezielle Programme für (Bus-)Gruppen und Schulen werden im Infobüro Admont organisiert. Unsere Gruppenangebote finden Sie hier.

    Wir sind Partner der Steiermark-Card, Bonuspartner der Schladming-Dachstein Card und ZWEI UND MEHR Vorteilsbetrieb.
    Bitte geben Sie uns bei Buchung 

    Anfahrt: Das Erlebniszentrum liegt an der Bundesstraße B146 direkt an der Abzweigung nach Johnsbach, gleich gegenüber vom Gasthof zur Bachbrücke.

    Für Navi-Nutzer: Der Weidendom hat keine eigene Adresse. Am besten ist die Eingabe der Adresse des Gasthofes zur Bachbrücke: Krumau 97, 8911 Admont.

    Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Direkt beim Weidendom ist eine Bushaltestelle. Suchen Sie Ihre Verbindung bei der ÖBB-Auskunft oder BusBahnBim-Auskunft.

    Erlebniszentrum Weidendom
    Der Fährte folgen
    Animal Collaborations - Eröffnung

    Animal Collaborations - Eröffnung

    22. Mai |
    Steiermark
    Veranstalter: Nationalpark Gesäuse GmbH

    kostenfrei

    Die Ausstellung ist von 23. Mai bis 02. Juli 2022 geöffnet:

    Montag bis Freitag 09:00 bis 17:00 Uhr
    Samstag 10:00 bis 16:00 Uhr

    Galerie FOKUS
    Hauptstraße 32
    8911 Admont

    Start: 18:00 Uhr

    "Animal Collaborations" - konzeptuelle kollaborative Readymades

    Eröffnung in Anwesenheit der Künstlerin Katrin Wölger

    Katrin Wölger, geboren 1967 in Schladming, lebt und arbeitet in Wien und Frauenberg, und beschäftigt sich seit 2008 mit Salz. Die Künstlerin oszilliert im Spannungsfeld von Life Art, Performance, Intervention und Interaktion. Bei den Salz-Skulpturen sind Tiere oder auch das Wetter die Kollaborateure. Sie gestalten die Blöcke mit unterschiedlichen Strukturen, jedes Tier holt sich sein Salz mit individueller Strategie und sozusagen einzigartiger Handschrift aus dem Block.  Das Salz für diese Blöcke stammt aus dem Salzkammergut, es ist außerordentlich rein, schneeweiß und wird für Wild- und Haustiere zu sehr festen Blöcken gepresst.

    Animal Collaborations - Eröffnung
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