Image
Kamptal: Kraftwerk oder Naturlandschaft? (c) Matthias Schickhofer

Kennst du das mittlere Kamptal bei Altenburg? Nein? Dann wird es höchste Zeit für einen Besuch! Zwischen Wegscheid und Rosenburg verbirgt sich nämlich eine Art heimlicher Nationalpark. Die Abgeschiedenheit dieses Kamp-Abschnitts hat einzigartige Flecken wilder Natur bis heute bewahrt: rauschende Wasser, unzugängliche Felsflanken und urwaldartige Hangwälder. Darüber kreisen Seeadler. Doch die Idylle ist durch Kraftwerkspläne getrübt. Der Naturschutzbund lädt am 23. März zu einer (gemächlichen) Expedition in das wilde Kamptal …

Das Waldviertel ist bekannt für seine ausgedehnten Nadelwälder, seine malerische Kulturlandschaft und die bizarren Granitformationen. Dass sich mitten im Waldviertel ein veritabler Wildnisschatz verbirgt, wissen hingegen nur wenige: das mittlere Kamptal ist ein etwa 15 Kilometer langes, teilweise schluchtartiges Engtal mit außergewöhnlich wilden Winkeln, die in Österreich (außerhalb der Alpen) ihresgleichen suchen.

Neben dem Nationalpark Thayatal ist es wohl einer der bedeutendsten Naturjuwelen im Norden Österreichs. Und trotzdem immer noch ein Geheimtipp.

Anfang der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts stand das Schicksal des mittleren Kamptals aber auf des Messers Schneide: das landeseigene Stromunternehmen NEWAG wollte - zusätzlich zu den bestehenden Staumauern bei Ottenstein, Dobra und Thurnberg - zwei weitere Talsperren errichten. Das rief NaturschützerInnen - nebst Gesundheitsapostel Willi Dungl und Kronenzeitung - auf den Plan. Österreichs erste Protestkampagne gegen ein Wasserkraftwerk beendete die Kraftwerkspläne. Seitdem ist es still geworden um diese nationalparkwürdige Naturlandschaft.

Über die Idee eines Nationalparks wurde vor fast 40 Jahren zwar diskutiert, umgesetzt wurde der Plan aber nie. Stattdessen kam es 1997 zur Ausweisung von Teilen des Kamptals als Europaschutzgebiet. Das bietet aber weniger Schutz für die wilden Wasser und Wälder.

Image

Diskussion über neue Kraftwerkspläne

Seit gut zwei Jahren sorgt das Kamptal nämlich wieder für hochgehende Emotionen: die (ebenfalls mehrheitlich landeseigene) EVN will das 100 Jahre alte Kraftwerk Rosenburg abreißen, eine größere Staumauer errichten und den Fluss auf einer Strecke von 1,5 Kilometer ausbaggern. Die EVN bezeichnet den Neubau des Kleinkraftwerks als „Modernisierung“ und argumentiert mit Klimaschutz.

NaturschützerInnen und WissenschaftlerInnen bezeichnen den geplanten Kraftwerksneubau hingegen als energiewirtschaftlich irrelevant, befürchten schweren Schaden für die schützenswerte Naturlandschaft (samt Bewohner) und sehen EU-Vorgaben verletzt. Stattdessen fordern sie den Ausbau der Sonnenkraft und Energiesparen.

Das Kamptal steht freilich für mehr als bloß eine weitere polarisierende Kraftwerks-Debatte.
Die urwaldartigen Hangwälder gehören zu Österreichs wertvollsten Naturwald-Juwelen und das einsame Tal ist Heimstätte seltener Tiere wie Seeadler, Schwarzstorch, Smaragdeidechse oder Alpen-Bockkäfer. Behutsamer Naturtourismus könnte die Region auch wirtschaftlich beleben.

Expedition in die Waldviertler Wildnis

Lust auf einen Besuch bekommen? Am 23. März kannst du dir selber ein Bild machen: der Naturschutzbund Niederösterreich lädt zu einer ganztägigen „Expedition“ in das schöne Kamptal. Werner Gamerith, Naturschützer und Buchautor, wird die Wanderung begleiten und sein riesiges Naturwissen zur Verfügung stellen.

Wer mitkommt, sollte das Makro-Objektiv nicht vergessen! Denn: im Wald blitzen schon die ersten Frühblüher auf - und der März ist der „Monat der Fotografie“

Treffpunkt: um 10 Uhr bei der Zinnermühle neben dem alten EVN-Kraftwerk Rosenburg (Ende der Sackgasse). Die Wanderung führt dann vom alten Kraftwerk Rosenburg entlang des romantischen Uferweges zum „Öden Schloss“. Retour geht es durch die naturnah bewirtschafteten Wälder des Stift Altenburg. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Wanderung wird bis etwa 17 Uhr dauern.

Anreise ist auch mit der Kamptalbahn bis Rosenburg möglich!

(Autor: Matthias Schickhofer)

Im Naturkalender von Blühendes Österreich findest du eine große Zahl an Veranstaltungen zum Thema geführte Wanderungen. Jetzt weitere Naturwanderungen finden. 

Verwandte Lexikon Artikel

Artenreiche Schmetterlingswiese

Was ist Biodiversität?

Wissen
Blühendes Österreich setzt sich für den Erhalt von Artenvielfalt ein!
Was ist Biodiversität?
Blaumeise-auf-dem-Ast

Blaumeise

Vögel
Hier in unserem Naturlexikon erfährst du Wissenswertes rund um die Blaumeise.
Blaumeise
Fischotter

Fischotter

Säugetiere
Als Anpassung an ihren aquatischen Lebensraum ist der Körper des Fischotters sehr schlank und stromlinienförmig. Mit bis zu einem Meter Körperlänge der Männchen erreichen sie auch stattliche Dimensionen, wenngleich es schon einiges an Glück bedarf, um diesen meisterhaften Fischjäger in freier Wildbahn zu begegnen. Die Färbung des Fells ist sehr einheitlich dunkelbraun, lediglich Kehle, Brust und Bauch heben sich hell davon ab. Der Kopf ist flach und breit mit einer stumpfen Schnauze, kurzen Ohren und langen Barthaaren. Wie sein Name schon verdeutlicht besteht seine Hauptnahrung aus Fischen. Er ist jedoch grundsätzlich nicht wählerisch und frisst genauso Muscheln, Amphibien, Wasservögel oder kleinere Säugetiere.
Fischotter

Verwandte Naturerlebnisse

Waldruhe

Wald-Ruhe Energietankstelle Wald

18. Juni | Ab 17:30
Icon Pin_brown

Aloisiusgasse 57
Kaisersdorf 7342
Österreich

Kaisersdorf, 7342

Veranstalter: Naturpark Landseer Berge

Im Wald entspannen und zur Ruhe kommen mit Elementen aus der Natur- und Wildnispädagogik und Techniken aus dem Yoga, sowie Meditation. In angenehmer Atmosphäre mit Atem- und Bewegungsübungen ein behagliches Wohlbefinden erlernen und genießen. Für eine nachhaltige ERHOLUNG des Körpers und Geistes - direkt VON, IN und MIT der NATUR!
Treffpunkt: Sportplatz Kaisersdorf

5er Block: 21. Mai, 28. Mai, 4. Juni, 11 Juni, 18. Juni

Wald-Ruhe Energietankstelle Wald Der Fährte folgen
Erlebte Natur Die Gelse Plage oder Notwendigkeit

Erlebte Natur: Die Gelse – Plage oder Notwendigkeit?

18. Juni | Ab 18:00
Icon Pin_brown

Kulturbezirk 5 5
St. Pölten 3400
Österreich

St. Pölten, 3400

Veranstalter: Museum Niederösterreich

Dieses Mal zu Gast sind Karin Bakran-Lebl von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit sowie Horst Aspöck, der Begründer der Abteilung für Medizinische Parasitologie an der Universität Wien.
Gemeinsam mit dem Naturvermittler und Biologen Manfred Rosenberger diskutieren die beiden über die Plagegeister und beleuchten den weniger bekannten ökologischen Nutzen. Das Insektensterben wird ebenso Thema sein wie das Auftreten neuer Krankheiten durch den Klimawandel, die von Gelsen übertragen werden können.

Eine Diskussionsrunde mit Biologin Karin Bakran-Lebl und Horst Aspöck, Professor an der Medizinischen Universität Wien

Erlebte Natur: Die Gelse – Plage oder Notwendigkeit? Der Fährte folgen
Erlebte Natur Die Gelse Plage oder Notwendigkeit

Erlebte Natur: Die Gelse – Plage oder Notwendigkeit?

18. Juni | Ab 18:00
Icon Pin_brown

Kulturbezirk 5 5
St. Pölten 3400
Österreich

St. Pölten, 3400

Veranstalter: Museum Niederösterreich

Dieses Mal zu Gast sind Karin Bakran-Lebl von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit sowie Horst Aspöck, der Begründer der Abteilung für Medizinische Parasitologie an der Universität Wien.
Gemeinsam mit dem Naturvermittler und Biologen Manfred Rosenberger diskutieren die beiden über die Plagegeister und beleuchten den weniger bekannten ökologischen Nutzen. Das Insektensterben wird ebenso Thema sein wie das Auftreten neuer Krankheiten durch den Klimawandel, die von Gelsen übertragen werden können.

Eine Diskussionsrunde mit Biologin Karin Bakran-Lebl und Horst Aspöck, Professor an der Medizinischen Universität Wien

Erlebte Natur: Die Gelse – Plage oder Notwendigkeit? Der Fährte folgen