Gemeinsam mit GLOBAL 2000 und der Caritas hat die REWE Group das PRO PLANET-Label für nachhaltige Produkte aus konventioneller Landwirtschaft entwickelt. Die Kirsche wird seit 2013 mit dem blau-weißen Label ausgezeichnet. Kewin Comploi, Nachhaltigkeitsexperte von GLOBAL 2000, erklärt die Hintergründe.

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Warum braucht es ein Label wie PRO PLANET für den österreichischen Obstbau?

Wir sind noch nicht soweit, dass wir sagen können: 100 Prozent biologisch ist unmittelbar möglich! Weder auf Konsumenten- noch auf der landwirtschaftlichen Seite. Biologisch ist zwar besser, das kauft aber noch nicht jeder. In der Landwirtschaft braucht die Umstellung Zeit. Deshalb haben wir gesagt, für die mehr als 80 Prozent konventionelle Ware schauen wir, dass wir uns Richtung Nachhaltigkeit bewegen. So hat die REWE Group 2009 das PRO PLANET-Label von Deutschland nach Österreich gebracht und wir haben mit der Caritas ein eigenes Bewertungssystem geschaffen. Die Caritas hat die sozialen, GLOBAL 2000 die ökologischen Bereiche analysiert.

Nach welchen Standards werden die Produkte bewertet?

Wir haben im ökologischen Bereich allgemeine Standards, die für alle Produkte gelten – Obst, Gemüse, Eier, etc. Dann haben wir zehn Indikatoren, für die wir produktspezifisch Grenzwerte festlegen. Diese Indikatoren teilen sich in fünf landwirtschaftliche und fünf Ressourcenindikatoren. Da geht es etwa um die Stickstoffbilanz, den Wasserverbrauch oder die Pestizidintensität. Bei jedem Produkt gibt es auch Zusatzmaßnahmen: Bei den Kirschen sind das Insektenunterschlüpfe, beim Salat etwa die Torfreduktion.

Wie wird die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt?

Man kann sich das so vorstellen: Es beginnt ein landwirtschaftliches Jahr. Der Landwirt erhebt seine Daten und schickt sie an uns. Wir checken die Daten auf Plausibilität – das ist eine Zeit, in der sehr viel telefoniert wird, weil manchmal ein Komma an die falsche Stelle rutscht. Wenn die Daten schließlich passen, werden die landwirtschaftlichen Daten ans Institut für nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland geschickt und wir bekommen die Ergebnisse zurück. Die Ressourcendaten bewerten wir im Haus.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse?

Für jeden Indikator hat man ein Resultat und wir vergleichen das mit den Grenzwerten. Die Grenzwerte ändern sich jedes Jahr, um nahe an der landwirtschaftlichen Realität zu sein. Setzt man etwa einen Wassergrenzwert ein – so viel Liter pro Kilo Produkt darf verbraucht werden – und in einem Jahr regnet es extrem viel, dann muss man flexibel bleiben können. Die Landwirte müssen bei jedem Indikator einen Wert erreichen. Zusätzlich müssen sie über alle Indikatoren hinweg auch gewisse Werte erreichen. So hat man keine einzelnen negativen Ausreißer. Das System klingt jetzt kompliziert, aber damit können wir eine gute landwirtschaftliche Praxis sicherstellen.

Ist das nicht ein immenser Aufwand für den Landwirt?

Es werden teilweise Daten erhoben, die auch für die AMAG.A.P.-Zertifizierung erhoben werden (Anm.: Basis für das AMA-Gütesiegel), das ist richtig. Für PRO PLANET schauen uns zusätzliche Punkte an, etwa die Energierechnungen. Das ist wichtig für die CO2-Emissionen. Aber wir achten darauf, den Aufwand für die Betriebe so gering als möglich zu halten. Betriebe, die mindestens drei Jahre im Programm sind, müssen nur alle zwei Jahre die Daten erheben. Hier wollen wir Spielraum schaffen, um an Maßnahmen zu arbeiten. Es ist aber notwendig regelmäßig zu kontrollieren, einen Standard zu gewährleisten, denn sonst ist das Ganze ja ein Luftschloss.

"Es ist notwendig regelmäßig zu kontrollieren, sonst ist das Ganze ja ein Luftschloss."

Was passiert, wenn ein Landwirt die Grenzwerte nicht erreicht?

Wenn wir einen Betrieb haben, der ein Problem hat, schauen wir uns das genau an. Es kann manchmal sein, dass die Situation vor Ort etwas schwierig ist. Wenn etwa 80 Prozent der Ernte aufgrund von Frost wegzuschmeißen sind, dann hat man Werte, die nicht gerecht sind. Das berücksichtigen wir natürlich in der Bewertung. Passt etwas wirklich nicht, gibt es die Möglichkeit der Selbstverpflichtung. Hier schlägt der Betrieb vor, das Problem mit spezifischen Maßnahmen im Folgejahr zu lösen, um die Werte wieder zu erreichen. So entgeht er einer Sperre.

Wie oft sperren Sie Betriebe?

Wir wollen etwas bewirken mit dem Pro Planet-Programm. Deshalb sperren wir wirklich nur die ganz schwarzen Schafe, und gehen mit Betrieben, die tatsächlich etwas verbessern wollen, gemeinsam einen neuen Weg. Es ist eine sehr intensive Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit einem Betrieb.

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Wo liegt nun der Vorteil für einen Betrieb, sich mit dem PRO PLANET-Label zertifizieren zu lassen?

Die Zusammenarbeit mit der REWE Group eröffnet dem Betrieb ein Marktspektrum, plain and simple. Zusätzlich nehmen wir im Programm Dinge vorweg, die ein paar Jahre später zum Thema werden. Sei es auf gesetzlicher Ebene, oder beispielsweise problematische Pestizide. In diesen Bereichen machen wir Pilotprojekte, etwa mit Techniken aus der biologischen Landwirtschaft, um zu sehen, wie es in der konventionellen Landwirtschaft funktioniert – das ist für die Lieferanten und Produzenten ein großer Vorteil. Außerdem konzentrieren wir uns beim Label nicht nur auf die Landwirte, sondern betrachten die gesamte Lieferkette bis zum Regal. Auch die REWE Group muss gewisse Bereiche umstellen. Das ist der Vorteil dieses Life-Cycle-Ansatzes – wir richten den Fokus nicht nur auf einen Bereich, sondern wir schauen uns das Gesamte an.

Wie können sich Landwirte für die Entwicklung des Programms einbringen?

Wir haben zum System der Datenbewertung ein partizipatives Element – die Fachbeiräte, wo etwa auch die Hintereggers vom Kirschenhof dabei sind. Hier besprechen Produzenten, Lieferanten, die AMA, die Landwirtschaftskammer, Universitäten, Projektpartner, die REWE, die Caritas gemeinsam mit uns alle Probleme des Projekts. Es geht um Erfahrungsaustausch, Kritik, Verbesserungsvorschläge und Weiterentwicklungsmaßnahmen.

"Pestizidreduktion heißt mehr Biodiversität. Das eine geht nicht ohne das andere."

Was erwarten Sie sich zukünftig vom PRO PLANET-Programm?

2009 haben wir begonnen, das Ganze aufzubauen, seit 2010 sind Produkte im Regal, die Kirsche seit 2013. Es ist uns wichtig, dass es inhaltliche Verbesserungen über alle Bereiche hinweg gibt. Die gute landwirtschaftliche Praxis ist nun eingespielt, jetzt geht es an die Weiterentwicklungen und da gibt es einen großen Blumenstrauß an Maßnahmen. Die Verpackung, die Lieferlogistik, erneuerbare Energie, neue Zusatzmaßnahmen für die Landwirte.

Wie wird die Kirschproduktion noch ein Stück nachhaltiger?

Hier geht es ganz klar um die Reduktion der Herbizide durch mechanische Methoden und eine Verbesserung der Bewässerungstechnik. Gerade im Obstbereich ist das Thema Pestizidreduktion ein großes Thema. Wir haben 2003 das Pestizidreduktionsprogramm mit der REWE eingeführt und hier versuchen wir beständig etwas zu verändern. Pestizidreduktion heißt einfach mehr Biodiversität. Das eine geht nicht ohne das andere. Das Gespräch führte Maria Schoiswohl.

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Hintergrund

Seit 2013 tragen österreichische Kirschen der REWE Group das PRO PLANET-Label. Die sechs heimischen Betriebe, die Kirschen an den Lebensmittelkonzern liefern, sind alle mit dem Label ausgezeichnet. Für die ökologische Nachhaltigkeit müssen die Landwirte festgelegte Grenzwerte innerhalb eines Toleranzgrenzbereichs bei folgenden Indikatoren erreichen: Stickstoffbilanz, Phosphorbilanz, Energieintensität, Pflanzenschutzintensität, CO2-Fußabdruck, abiotischer und biotischer Materialeinsatz, Flächenbelegung und Wasserverbrauch. Die soziale Nachhaltigkeit wird durch das GlobalG.A.P., einen GRASP-Audit oder die Zertifizierung nach SA8000 garantiert. Erst wenn der Durchschnitt aller Ergebnisse in einem Optimalbereich liegt, werden die Betriebe für ihre Kirschen mit dem PRO PLANET-Label ausgezeichnet.

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