Knut Niebuhr leitet die Arbeitsgruppe Geflügel am Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Für das PRO PLANET-Programm der REWE Group erarbeitet er mit der Universitätsklinik für Geflügel und Fische ein Optimierungsprogramm für Tierwohl und -gesundheit von Masthühnern.

Herr Niebuhr, wo liegen die Herausforderungen bei der Aufzucht von Hühnern?

Es geht bei den Masthühnern im Prinzip um zwei Sachen: um Haltungsaspekte und ums Wachstum. Durch das schnelle Wachstum – Masthühner legen in bis zu 35 Tage bis zu zwei Kilogramm zu – tauchen viele Probleme auf. Diese kann man über ein Monitoringtool erkennen und dadurch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung setzen. Mit unserer Studie für PRO PLANET, die derzeit in Österreich einzigartig ist, erarbeiten wir solche Maßnahmen. Sie sollen danach standardmäßig bei den Betrieben implementiert werden.

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Sowohl in den landwirtschaftlichen Betrieben als auch in den Schlachthöfen.

Ja. Wir haben es im Masthühnerbereich mit so genannten Integrationen zu tun. Das heißt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe mit einem Schlachthof sehr eng zusammenarbeiten. Man hat in diesen Integrationen bereits Menschen, die sich um das Qualitätsmanagement kümmern. Es geht bei dieser Studie um sehr viele Daten, aber es ist auch schon sehr viel Struktur da, mit der man so ein Monitoringsystem dann relativ einfach verwirklichen kann.

Welche Daten haben Sie für die Studie erhoben?

Im ersten Schritt haben wir uns angesehen, welche Daten am Schlachthof und auf den Betrieben bereits standardmäßig erhoben werden. Am Schlachthof ging es dann darum, die Daten vergleichbar zu machen. In einem zweiten Schritt haben wir uns mögliche Einflussfaktoren in der Haltung, dem Management und der Fütterung angesehen, die auf Problembereiche wirken, die vom Tierschutz her gesehen in der Wichtigkeitsskala relativ weit oben sind. Also auf Veränderungen der Fußballen, Kratzer an den Tieren, Tierverluste, Lahmheiten etc. Dafür haben wir direkt bei den Mastbetrieben Daten erhoben. Wir haben uns die Tiere angesehen, den Betrieb, das Lüftungssystem, die Managementmaßnahmen, die Einstreu, das Licht, etc.

Wir haben mit mehr Problemen gerechnet. Der Standard bei PRO PLANET ist sehr gut.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Grundsätzlich muss man sagen, dass der Standard bei PRO PLANET sehr gut ist. Auch deswegen wahrscheinlich, weil wir mit der niedrigeren Besatzdichte unter der eh schon niedrigen liegen. Bei der Fußballengesundheit ist der wesentliche Punkt die Einstreu, und Erkrankungen waren relativ selten. Wir sind noch am Auswerten, aber was uns positiv stimmt, ist, dass wir mit deutlich mehr Problemen gerechnet haben. Ich hätte gedacht, wir haben mehr Problemherden, aber das war zum Glück nicht der Fall.

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Wie können die Betriebe die Studienergebnisse nutzen?

Verbesserungen kann ich über verschiedene Systeme erzielen. Eines ist, dass ich Druck aufbaue und sage: „Ok, du bist schlecht, ich messe dich jetzt und du musst besser werden, ansonsten darfst du nicht mehr produzieren.“ Die andere Möglichkeit ist zu sagen: „Ich gebe dir viele Informationen: Wie sieht es bei dir aus, wie kannst du es besser machen und wie machen es alle anderen?“ Damit schaffe ich einen internen Wettbewerb, motiviere den Betrieb selbst herauszufinden, was er besser machen kann. Wir können da von außen beraten, was wir auch tun, aber es geht vor allem um Bewusstseinsbildung am Huhn in den Betrieben sowie um eine Hilfestellung für die Integrationen, Brütereien, Futtermittellieferanten und Tierärzte. Nach dem Motto: „Wenn ich weiß, wo ich stehe, kann ich mir gemeinsam Ziele setzen und Verbesserungen erreichen.“

Das Thema Fleischproduktion ist nicht konfliktfrei. Wie kommt die Initiative von PRO PLANET in der Tierschutzszene an?

Für die ist wichtig, dass etwas geschieht, aber denen geht das Programm im Zweifel noch nicht weit genug. Ich bin etwa mit Vier Pfoten eng in Kontakt. Die haben ihr eigenes Tierschutzlabel mit einem anderen Standard, das ist vergleichbar mit Bio-Hühnern – die Tiere wachsen langsamer, werden länger gemästet, haben einen Außenklimabereich und eine noch niedrigere Besatzdichte.

Wäre so etwas nicht auch eine Alternative für PRO PLANET?

Wir hatten zu unserer Studie zwei zusätzliche Pilotprojekte laufen, bei denen es um zwei Fragestellungen ging: „Wie laufen langsamer wachsende Hühner unter konventionellen Bedingungen im Vergleich zu den im konventionellen Bereich verwendeten Hybriden?“ Und: „Wie kann man den Stall zusätzlich strukturieren?“ In unserem Fall mittels Rostebenen, die etwa schon in der Schweiz eingesetzt werden.

PRO PLANET versucht etwas im Standardangebot zu verändern.

Wie lautet Ihre Erkenntnis?

Viele Probleme, die wir bei schnell wachsenden Hühnern haben, gibt es bei langsamer wachsenden nicht. Die langsamer wachsenden Tiere haben auch die Rostebenen besser genutzt als die schnell wachsenden. Doch es ist illusorisch für ein konventionelles Huhn den gleichen Preis wie für ein Bio-Huhn zu verlangen. Man muss irgendwo in der Mitte sein und da haben wir versucht, die Grenze zu finden. Solange die Konsumenten nicht bereit sind, für ein Kilo Masthuhn etwas mehr als für ein Kilo Brot zu zahlen, wird sich nichts ändern können.

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Was halten Sie persönlich von der PRO PLANET-Initiative?

Ich finde den Ansatz in Ordnung. Man versucht etwas im Standardangebot zu verändern und nicht in einer Nische. Und ich finde es super, dass PRO PLANET nicht nur den Tierschutzbereich abdeckt, sondern auch soziale und ökologische Aspekte. Man füttert aktuell nur europäisches Soja. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Beim Thema Wachstum geht es nämlich immer auch darum: Wie viel Futter brauche ich für ein Kilo Fleisch? Grob gesagt: Je mehr Futter ich brauche, desto schlechter ist der CO2-Fußabdruck. Vom Tierschutz aus gesehen wäre das langsame Wachstum wichtig, aber das muss nicht immer parallel mit dem Umweltschutz laufen. Es müssen alle Parameter zusammenpassen. Ich finde es deshalb gut, dass PRO PLANET mit so einem breiten Anspruch an das Thema herangeht.

Hintergrund

Die aktuelle PRO PLANET-Studie vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz und der Universitätsklinik für Geflügel und Fische (beide: Veterinärmedizinische Universität Wien) für die REWE Group ist derzeit eine einzigartige Initiative zur Verbesserung für Tierwohl und -gesundheit des Masthuhnes in Österreich. Knut Niebuhr vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz und Michael Hess, Leiter der Universitätsklinik für Geflügel und Fische, haben sich dafür die Schlachthöfe Titz und Wech sowie 40 Mastbetriebe in der Steiermark und in Kärnten angesehen. Die Mastbetriebe halten zwischen rund 6.300 und 30.300 Hühner. Im aktuellen Zwischenbericht wurden rund 300 Herden und 600 Schlachtungen ausgewertet. Insgesamt kommen rund fünfeinhalb Millionen Hühner mit dem PRO PLANET-Label pro Jahr in die REWE Group Handelsfilialen BILLA, MEKRUR und ADEG. Das entspricht etwa sieben Prozent der in Österreich geschlachteten Masthühner.

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