Buchenwald

Wir kennen verwunschene Urwälder vor allem aus Fantasy-Geschichten. In Europa sind sie nämlich verschwunden. Fast. Im Weltnaturerbe-Gebiet im Nationalpark Kalkalpen hat eine faszinierende Waldwildnis bis heute überlebt …  

 

Urwald in Europa?

 

Einst war fast ganz Mitteleuropa von riesigen, märchenhaften Buchen-Urwäldern bedeckt. Doch die sind heute fast völlig ausgelöscht: weniger als ein Prozent der europäischen Wälder sind unberührt. Und: Die Rotbuche kommt nur in Europa vor. Daher sind unsere letzten wilden Buchenwälder ein Naturerbe von globaler Bedeutung.

Im Nationalpark Kalkalpen gibt es sie noch, diese alten Wälder, wo die Zeit stillzustehen scheint. Da finden sich uralte Baumriesen, moosiges Totholz, eine Vielzahl von verschiedenen Pilzen und Flechten sowie viele selten gewordene tierischen Waldbewohner: Spechte, Eulen, Fledermäuse, fast ausgestorbene Insekten oder die scheuen Waldkatzen mit den Pinselohren, die Luchse. Diese Wälder sind daher wichtige Überlebensinseln für viele bedrohte Lebewesen. Sie sind daher von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft.

Buchenwald

Wunderwelt Urwald

Natürliche Wälder sind faszinierende Lebensräume: die Bäume kommunizieren mit Hilfe von gigantischen Wurzel-Pilznetzwerken im Boden miteinander und tauschen untereinander (und mit den Pilzen) Nährstoffe aus. In Naturwäldern wimmelt es vor Leben, am intensivsten im Totholz und im Boden. Diese Vielfalt an Leben nimmt mit dem Alter des Waldes zu. Ein natürlicher Waldzyklus im Buchenmischwald - vom Jungwald bis zum Zerfall - dauert etwa 500 bis 600 Jahre. In den meisten Wirtschaftswäldern werden die Bäume aber bereits im „jugendlichen“ Alter von etwa 100 Jahren gefällt. Die artenreichen Altwälder sind in Europa daher eine Rarität geworden.

Natürliche Buchenwälder sind schummrig und angenehm kühl, weil die Buchen sich ihr eigenes Mikroklima schaffen. Um Hitze und Trockenheit besser zu überstehen, sorgen die Buchen gemeinsam für ein dichtes Blätterdach, das die Feuchtigkeit im Wald hält.

 

 

 

 

Ein natürlicher Waldzyklus im Buchenmischwald - vom Jungwald bis zum Zerfall - dauert etwa 500 bis 600 Jahre.

 

UNESCO-Schutz für die alten Buchenwälder

Die größten ursprünglichen Buchenwälder haben bis heute in den Karpaten überlebt, vor allem in Rumänien und in der Ukraine. Doch der wachsende Hunger nach billigem Holz (u.a. für Biomasse) und die verbreitete Korruption in diesen Ländern nagen bedenklich an diesem einmaligen Naturschatz. In Rumänien werden uralte Wälder sogar in Nationalparks abgeholzt.

Um zumindest einen repräsentativen Ausschnitt dieses wichtigen Naturerbes dauerhaft zu erhalten, hat die UNESCO besonders wertvolle Buchenwälder als Weltnaturerbe von „herausragendem universellen Wert” unter ihre Fittiche genommen. Im Juli 2017 wurde die Liste der streng geschützten Buchenwälder auf 63 Gebiete in 10 europäischen Ländern erweitert. Darunter befinden sich auch urige Wälder im Nationalpark Kalkalpen und im Wildnisgebiet Dürrenstein. Österreich erhielt dadurch seine ersten Weltnaturerbe-Gebiete.

Buchenwald

Wie eine Zeitreise…

Ein Besuch in dieser einmaligen Waldwildnis ist ein Erlebnis der besonderen Art und gewissermaßen eine Art Zeitreise: diese Orte geben einen Eindruck davon, wie das alte Europa ausgesehen hat, bevor der Mensch den Kontinent grundlegend veränderte. Buchenurwälder entstanden nämlich vor gut 6000 Jahren, als sich die Buche nach der letzten Eiszeit wieder ausbreitete. Die Urwaldreste im Nationalpark Kalkalpen und im Wildnisgebiet Dürrenstein haben sich in diesen 6000 Jahren nicht maßgeblich verändert. (Autor: Matthias Schickhofer)

 

Neugierig geworden?

Bei einer Wanderung am 6. Oktober 2018 kannst du diese verwunschene, alte Welt selbst bestaunen und erleben: Die Nationalpark-Rangerin Ernestine Kirchweger führt eine Gruppe in die wilden Wälder des Hintergebirges. Die reine Gehzeit beträgt etwa 2,5 Stunden. Die Wanderung ist nicht schwierig und auch für Kinder geeignet. Mehr Infos.

Es gibt noch freie Plätze!

Meckerziege oder flotte Biene?

Flotte Biene! Dann bist du auf Österreichs größter Plattform für Naturerlebnisse genau richtig.

Jetzt registrieren

Verwandte Naturerlebnisse

Kanutour am Neusiedler See

Kanutour am Neusiedler See

16. Juli |
Burgenland
Veranstalter: Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel
Diese besondere Kanufahrt führt dich tief hinein in die geheimnisvollen Kanäle und versteckten Wasserflächen des Schilfgürtels. Die hohen Schilfhalme umgeben dich wie eine grüne Wand und lassen dich die Stille und das einzigartige Flair dieses Lebensraumes intensiv spüren. Die Schilfbewohner sind scheu und haben ein ausgezeichnetes Gehör - es gehört somit eine große Portion Glück dazu, Bartmeisen, Rohrsänger oder flinke Jungfische und Wasserfrösche zu entdecken. Trotzdem ist diese Tour ein echtes Highlight und lässt dich den Lebensraum Schilfgürtel mit eigener Muskelkraft hautnah erleben – ein Abenteuer, das noch lange in Erinnerung bleibt. Treffpunkt der Tour ist beim Nationalparkzentrum. Von hier aus wird nach einer kurzen Einführung zur Kanuanlegestelle gewechselt (eigener PKW nicht zwingend erforderlich). Bei starkem Regen, Gewitter und/oder starkem Wind ist eine Kanufahrt aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Die Entscheidung treffen die Ranger:innen vor Ort. Alternativ findet dann eine Exkursion zu Fuß statt. Bitte beachte, dass der Nationalpark keine Haftung für Schaden oder Verlust von persönlichen Gegenständen übernimmt. Mindestalter 6 Jahre. Ausrüstung: Festes Schuhwerk, lange Hose, dem Wetter angepasste Kleidung (Sonnen-, Regen- und/oder Windschutz), Trinkflasche, Insektenschutz Anmeldung bis spätestens 16 Uhr des Vortages. Die Ranger:innen entscheiden vor Ort, ob eine Kanutour wetterbedingt durchgeführt werden kann. Bei Schlechtwetter/zu niedrigem Wasserstand erwartet dich ein spannendes Ersatzprogramm zu Fuß.
Kanutour am Neusiedler See
Der Fährte folgen