Die Wahl zum Schmetterling des Jahres 2026 der BILLA Stiftung Blühendes Österreich und der NÖ-Umweltbewegung „Natur im Garten“ hat einen Sieger.
Rund 1.700 Schmetterlingsfans haben abgestimmt, zur Wahl standen unter anderem bekannte Größen aus der Schmetterlingswelt wie Zitronenfalter, Aurorafalter oder Trauermantel. Doch ebenso wie der schillernde Kleine Eisvogel oder der orange leuchtende Kleine Feuerfalter flatterten sie nicht aufs Podest. Zum Schmetterling des Jahres 2026 wurde der kleine Himmelblaue Bläuling (Lysandra bellargus) gekürt, der beim Voting 545 Herzen für sich erobern konnte.
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Zwei Himmelblaue Bläulinge auf einem Stein

Kleiner Bläuling – Ganz groß

Der mit einer Flügelspannweite von 30 bis 40 mm kleine Tagfalter gehört zur Familie der Bläulinge, von denen es in Österreich über 50 Arten gibt. Wie der Name verrät, leuchtet die Flügeloberseite der Männchen in strahlendem Himmelblau. Der weiße Flügelsaum wird von schwarzen Fransen unterbrochen und wirkt dadurch deutlich gescheckt. Die Flügel der Weibchen sind oberseits bräunlich, können bei manchen Exemplaren aber auch mehr oder weniger intensiv blau „übergossen“ aussehen. Die Weibchen des Himmelblauen Bläulings sehen jenen des Silbergrünen Bläulings sehr ähnlich. 

In Österreich haben wir glücklicherweise noch viele Schmetterlingsarten. Zu erkennen, welcher Bläuling einem gerade über den Weg flattert, ist gar nicht so einfach. Wer es genau wissen möchte, kann seine Beobachtungen mit der kostenlosen Schmetterlingsapp bestimmen: www.schmetterlingsapp.at. Jede eingetragene Beobachtung hilft gleichzeitig auch dem Schutz unserer Schmetterlinge.

In Ostösterreich fliegt der Himmelblaue Bläuling in zwei Generationen: die erste im Mai und Juni, die zweite von Juli bis September. In warmen Jahren kann im Herbst noch eine dritte Generation auftreten. Diese Schmetterlingsart und insbesondere ihre Raupen brauchen warme und trockene Bedingungen. Bevorzugte Lebensräume sind sonnige, blütenreiche Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Magerwiesen mit lückigem Bewuchs. Zum Übernachten sind die Falter gern mal gesellig und finden sich an Gräsern zu „Pyjama-Partys“, sogenannten Schlafgesellschaften, zusammen.   

Das Leben eines Schmetterlings ist meist kurz - auch der Himmelblaue Bläuling lebt nur einige Wochen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier an warmen, sonnigen Tagen einzeln auf der Blattoberseite der Raupenfutterpflanzen ab. Um geeignete Stellen zu finden, klettern die Faltermütter teilweise bis über beide Flügel ins Blattwerk hinein. Nach etwa 11 Tagen erfolgt dann der Schlupf aus dem Ei und es geht raupentypisch ans große Fressen. Die nachtaktiven Raupen bevorzugen den Gewöhnlichen Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), eventuell auch Bunt-Kronwicke und Gekrönte Kronwicke. Tagsüber verstecken sie sich nahe ihrer Futterpflanze unter dichten Pflanzenteilen, Steinen und in Erdhöhlen. Der Himmelblaue Bläuling überwintert sogar im zarten Babyalter als kleine Raupe.     

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Himmelblauer Bläuling auf einer Blume

Zuckerkühe und Mini-Ställe – das geheime Leben der Bläulinge

Normalerweise stehen Raupen auf dem Speiseplan von Ameisen. Eine Besonderheit verschiedener Bläulingsarten ist die enge Wechselbeziehung mit Ameisen. Dabei gibt es je nach Art unterschiedliche Formen. Im Fall des Himmelblauen Bläulings handelt es sich um eine „freundschaftliche“ Variante. Von dieser sogenannten echten Symbiose haben sowohl die Ameisen als auch die Raupen etwas. Die Raupen geben über eine spezielle Honigdrüse süßen Saft ab, der bei den Ameisen sehr begehrt ist. Als Tausch beschützen sie die Raupen vor Feinden. Auch die verpuppten Raupen werden von den Ameisen umsorgt. Manche Ameisenarten bauen sogar, wenn sich die Raupen des Himmelblauen Bläulings längere Zeit ruhig verhalten, kleine Erdpavillons. Angenommen wird, dass die Raupen in diesen „Mini-Ställen“ besonders gut geschützt sind und die Ameisen ihre „kleinen Zuckerkühe so in Ruhe melken können“. Die sogenannte Myrmekophilie, was übersetzt in etwa „Ameisenfreundschaft“ bedeutet, hat sich im Laufe der Evolution als Erfolgsrezept entwickelt. Damit es eines bleibt, braucht es als wichtigste Zutat aber die Artenvielfalt. Das geheime Leben des Himmelblauen Bläulings macht deutlich, wie wichtig der Schutz und Erhalt der Artenvielfalt ist. 

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Himmelblauer Bläuling auf einer Blume

Gemeinsam Schmetterlinge schützen

Die Lebensräume, die der potenziell gefährdete Himmelblaue Bläuling liebt, sind selten geworden. Sie zählen aber zu den artenreichsten Naturflächen Mitteleuropas. Um diese Schatzkammern der Artenvielfalt zu erhalten, braucht es eine kontinuierliche und gut durchdachte Pflege. In Ostösterreich wird die Landschaftspflege der Trocken- und Halbtrockenrasen von einem engagierten Netzwerk an Freiwilligen, unter anderem auch zahlreichen, fleißigen Schulklassen bewerkstelligt. Dadurch konnten viele wertvolle Flächen erhalten werden. Wer dem Himmelblauen Bläuling gerne unter die Flügel greifen möchte, kann bei den jährlichen Landschaftspflege Aktionstagen mitmachen: www.landschaftspflegeverein.at/termine.     

Schmetterlingen können wir auch in unseren Gärten und im öffentlichen Grün Lebensraum bieten. Anregungen zum schmetterlingsfreundlichen Gärtnern finden Sie unter  www.naturimgarten.at/schmetterlinge.

 

 

Quellen:

Zur Ökologie der Präimaginalstadien des Himmelblauen Bläulings (Lysandra bellargus R o t t e m b u r g 1775) und des Silbergrünen Bläulings (Lysandra coridon P o d a 1761), unter besonderer Berücksichtigung der Myrmekophilie (Pfeuffer Eberhard, 2000, Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben e.V., S. 72-98, Band: 104,)  
https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.zobodat.at/pdf/Ber-Naturwiss-Ver-fuer-Schwaben_104_0072-0098.pdf&ved=2ahUKEwiM35LK7auTAxU4SfEDHbhCIWEQFnoECBcQAQ&usg=AOvVaw1uBmUi8MMIYz8MXiXo8Yuc

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