Haben Sie vielleicht das Tagpfauenauge, den Zitronenfalter, den Kaisermantel, den Admiral oder den Schwalbenschwanz im Sinn? Wenn wir an Schmetterlinge denken, dann fallen uns meist bunte Tagfalter ein. In Österreich gibt es über 4.000 Schmetterlingsarten, womit unser Land zu den artenreichsten in Europa zählt. Davon zählen aber nur etwas mehr als 200 zu den Tagfaltern. Die beinahe 3.900 Nachtfalterarten nehmen wir Menschen kaum wahr, sie machen aber den eigentlichen Löwenanteil unserer heimischen Artenvielfalt aus. Unsere größte heimische Schmetterlingsart ist übrigens ein Nachtfalter: das Wiener Nachtpfauenauge. Wer diese wunderschönen Raupen oder den beeindruckenden Falter mit 10-17 cm Flügelspannweite einmal gesehen hat, wird beim Wort Schmetterling mit Sicherheit auch an Nachtfalter denken.
Wie können wir Tag- und Nachtfalter unterscheiden?
Tagfalter fliegen am Tag, Nachtfalter in der Nacht. Eh klar – oder? Naja, die in Österreich heimischen Tagfalter sind tagaktiv (außer sie werden nachts aufgeschreckt). Bei den Nachtfaltern ist die Sache nicht so klar: da gibt es auch Arten, die tagsüber unterwegs sind. Ein Beispiel für einen Nachtfalter, der sich nicht an menschliche Kategorien hält, ist das Taubenschwänzchen. Wenn Sie tagsüber einen kleinen, kräftigen, flauschigen Falter mit leuchtend orangenen Hinterflügeln und einem Haarbüschel am Popo sehen, der wie ein Mini-Kolibri von Blüte zu Blüte schwirrt, dann sind Sie sehr wahrscheinlich einem Taubenschwänzchen begegnet. Ein anderer Vertreter der tagaktiven Nachtfalter ist der Nagelfleck. Im April oder Mai können Sie den Männchen dieser Art beim Spazierengehen in Buchenwäldern begegnen. Der orangebraune Falter, auf dessen Flügelunterseite sich der namensgebende weiße, nagelförmige Fleck befindet, ist tagsüber auf der Suche nach den dämmerungs- und nachtaktiven Weibchen. Die Damen verströmen ein „Parfüm“ (Pheromon), das die Männchen mit ihren feingefiederten Fühlern wahrnehmen können.
Apropos Fühler: die sind ein gutes Merkmal, um Tagfalter und Nachtfalter voneinander zu unterscheiden. Die Fühler können bei Nachtfaltern vielgestaltig sein – z.B. gefiedert, kammartig oder fadenförmig ohne Verdickung am Ende. Bei Tagfaltern sind die fadenförmigen Fühler am Fühlerende hingegen keulen- bzw. knopfförmig verdickt.
Ein weiteres Merkmal zur Unterscheidung ist die Flügelstellung, wenn die Falter rasten. In der Ruheposition falten Nachtfalter ihre Flügel (mit wenigen Ausnahmen) dachförmig nach hinten über den Körper oder strecken sie waagrecht weg. Tagfalter klappen ihre Flügel - mit Ausnahme der Dickkopffalter - im Sitzen nach oben, mit den Flügeloberseiten zueinander zusammen.
Der Körper von Tagfaltern ist meist schlank und glatt, Nachtfalter haben einen eher dick und flauschig bzw. haarig wirkenden Körper.
Wenn Sie diese Merkmale überprüfen können, dann lässt sich die Frage nach Tag- oder Nachtfalter meist zufriedenstellend beantworten. Wenn Sie gerne Schmetterlinge
beobachten und fotografieren, dann flattern Sie gleich weiter zur kostenlosen www.schmetterlingsapp.at – denn Ihr Foto ist wertvoll für den Schmetterlingsschutz!
Ob Tag- oder Nachtfalter: Gärten sind Lebensräume für alle Schmetterlinge
Vielen Menschen ist bewusst, dass Schmetterlingsschutz bedeutet, Pflanzen mit nektarreichen Blüten im Garten zu haben. Noch wichtiger ist eigentlich, dass die Raupen all dieser Schmetterlingsarten Futter in unseren Gärten finden, damit sie überhaupt zu Schmetterlingen werden. Und was können wir für die vielen Nachtfalterarten tun? Am besten das Licht im Garten abdrehen, wenn wir schlafen gehen. Während wir schlafen, gibt es zahlreiche nachtaktive Tierarten - wie die große Zahl der Nachtfalter - die Dunkelheit zum Überleben brauchen.
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