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Almwiese maehen

Wenn eine jahrtausendalte Technik wie Sensenmähen auf 1.400 Höhenmetern Jung und Alt begeistert, damit die Vielfalt wieder aufblühen kann, kann es sich nur um einen Gewinner des größten heimischen Naturschutzpreises „Die Brennnessel“ handeln.

Am Wochenende rief der Alpenverein Leogang freiwillige HelferInnen auf, die steilen Berghänge in Weißbach bei Lofer mit der Sense zu mähen. Was Maschinen nie geschafft hätten, haben die Menschen vom Alpenverein, den Bayrischen Salforsten, vom Naturpark Weißbach und Blühendes Österreich unter hitzigen Bedingungen in Gemeinschaft gemeistert.

Das Schöne an dem Vorhaben ist, dass drei naturnahe Organisationen zusammenarbeiten, um die Artenvielfalt auf dem Berg zu erhalten. Artenreiche Bergmähwiesen zählen heute zu den gefährdeten Biotoptypen. Ihre Erhaltung ist vor allem in Salzburg und im Naturpark Weißbach von europäischer Bedeutung.

Die Bayrischen Salforste, denen die wertvolle Alm im Naturpark Weißbach gehört, stellen die 2 Hektar für den Alpenverein zum Mähen zur Verfügung. Der Naturpark Weißbach ist ein traumhaftes Alpen- und Erholungsgebiet, das auf sanften Tourismus setzt. Meine Empfehlung für eine bescheidene, idyllische Unterkunft mit Blick auf Berge fällt eindeutig auf Margit vom Hirschbichlhof.

Die Alpenvereinsjugend ist auch motiviert, die einmahdigen Wiesen im Bereich des Naturparks Weißbach wiederzubeleben. „Hast du nicht die Jugend an deiner Seite, hast du die Zukunft verloren“, so das Motto von Markus Mayrhofer, Sektionschef des Alpenverein Leogang. Im Idealfall finden sich irgendwann wieder BäuerInnen für die Bewirtschaftung, dann hat die Mahd durch den Alpenverein die Flächen erhalten und doppelt Sinn gemacht.

 

Des pack’ma: Einer für alle und alle für die Artenvielfalt

Als Mayrhofer sein Projekt bei der Brennnessel einreichte und meinte, er wolle die Flächen für die nächsten 10 Jahre mit Hilfe seiner Mitglieder sichern, waren die freiwilligen HelferInnen sofort dabei. „Des pack ma“, hallte es aus der Runde. Und Blühendes Österreich hat dieses Vorhaben gerne mit € 15.000 sowie naturschutzfachlicher und kommunikativer Betreuung unterstützt. Denn die Bergmähwiesen sind mit bis zu 66 vorkommenden Pflanzenarten besonders artenreich. Rund zwei Hektar ehemals einmal im Jahr gemähter, wertvoller Flächen drohten mit Jungbäumen zuzuwachsen, da die Bereiche schon seit fünf Jahrzehnten nicht mehr gemäht wurden.

Projektpartner des Brennnessel-Siegerprojekts ist das Team rund um Markus Mayrhofer. Der Sektionschef der Alpenvereinssektion Leogang hat es geschafft, verschiedene Partner für den Erhalt von artenreichen Wiesen und traditionellem Wissen wie Hand-Sensen mähen und Dengeln für die nächsten 10 Jahre zu begeistern.

Mit dem ersten Mäheinsatz seit langer Zeit im letzten Juliwochenende kann die Teamarbeit für die Artenvielfalt beginnen. Warum Maschinen im Gelände nichts verloren haben, erfährst du folgend:

„Hast du nicht die Jugend an deiner Seite, hast du die Zukunft verloren“,

78- jährige werden zu 20-jährigen

Die Hänge sind so steil, dass Maschinen hier nichts bewirken könnten. Sie sind auf den Steillagen nicht einsetzbar. Für den Erhalt dieser wertvollen Almwiesen braucht es alte, traditionelle Hand-Techniken und Wissen. Zum Glück finden sich einige ältere Herren, die ihr Können auf dem Berg zeigen und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben können. Wenn sie die Sense von rechts nach links schwingen, wirkt ihre Arbeit so leicht. Sie sehen fast aus wie junge Götter, denen es keine Mühe macht, die schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Die Morgenstunden sind die schönsten. Alles ruhig und voller Konzentration.

 

Gutes Material sichert Freiwilligeneinsatz

„Ohne scharfe und richtig gedengelte Sensen hast du verloren“, sagt die Gruppe der freiwilligen Mahder unisono.

Zum Glück haben wir unseren Willi, der im Vorfeld des Projektstarts mindestens fünf Stunden mit jeder einzelnen Sense verbracht hat, um sie scharf zu machen und in den richtigen Winkel zu bringen. Beim ersten Mäh-Wochenende steht er selbstverständlich fürs Nachschärfen zur Seite und schwingt selbst die Sense wie ein junger Adonis. „Ohne Willis Handwerk und gute Ausrüstung, könnten wir das Projekt schmeissen“ erzählt ein Mahder. „Keiner wäre motiviert, so tatkräftig mitanzupacken.“ Aufgrund der guten Stimmung, des Materials und des Wetters war der Pflegeeinsatz sogar früher beendet als geplant.

Sensen Mähen nur für erfahrene, starke Männer?

Sensen Mähen ist anstrengend. Doch mit ein paar Tipps funktioniert es: „Ned vü, aber immer a bissl“, lautet die Empfehlung von erfahrenen Bergbauern. Aufrechte Haltung, eine gut schneidende Sense, gutes Schuhwerk und die Mahd kann auch für Anfänger ohne Verletzungen beginnen.

Die erfahrenen Männer halten den ganzen Tag in der prallen Sonne durch: Sie haben ihren Takt und den perfekten Winkel gefunden, nehmen nie zuviel Gras auf einmal, arbeiten aber beständig, ohne zu hudeln. Was sie am meisten motiviert ist die Gemeinschaft. Keiner der Mahder hat jemals zuvor mit so vielen gleichgesinnten auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet. „Es ist ein wunderbares Gefühl, gemeinsam mit 15 alten Gesichtern für drei Tage lang auf dem zu Berg stehen, um das Projekt umzusetzen. Ich hab das Sensenmähen richtig vermisst. Heutzutage verwenden alle nur noch Maschinen. Keiner tut sich die Arbeit an, auf einer Bergwiese mit der Sense zu mähen“, erzählt ein 78-jähriger freiwilliger Mahder.

Wichtig ist darauf zu schauen, die Jugend zu involvieren und das Handwerk an die nächse Generation weiterzugeben. So sind bei dem Projekt auch die Jugend und Frauen dabei. Ohne sie würde alles still liegen, denn sie sind es, die den Pflegeeinsatz mitvorbereiten, für die Verpflegung sorgen, das Gras mit der Heugabel und dem Rechen wegtragen. Etwas erstaunt war ich trotzdem, dass ich die einzige Frau war, die mit der Sense gemäht hat. Ich plädiere für eine Frauenquote für nächstes Jahr!

 

Wertschätzung von allen Seiten. Wertschöpfung für die Region.

Die Zeit für solche Naturschutzprojekte scheint reif zu sein. Auch die Bürgermeister aus der Umgebung aus St. Martin, Leogang und Weißbach kamen auf den Berg, um beim Sensenmähen und Gras zusammentragen mit anzupacken. Sie übernahmen sogar die Kosten für die Mittagspause. Vielleicht entstehen durch diese gemeinsamen Arbeitsstunden weitere Projekte, an denen sich die Gemeinde in Zukunft noch stärker beteiligen möchte.

Die Alpenvereinsjugend war vertreten und Kinder fehlten auch nicht. Sie verwerteten am Ende des Pflegeeinsatzes die Bergblüten zu einer „Bergwiesen Salzmischung“. Ein Produkt, das man zu schätzen wissen sollte, weil es mit viel Liebe und Schweiss entstanden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass die Medien an der Geschichte interessiert waren und wissen wollten, was hier ein paar Freiwillige auf die Beine stellten. Dass ich von Blühendes Österreich als Unterstützerin auch extra anreiste und die Sense schwang, tat der Stimmung sicherlich auch Gutes. Mit soviel Wertschätzung von allen Seiten soll es möglich sein, das Projekt für eine Laufzeit von 10 Jahren durchzuführen. Jeden Sommer sind ein paar Tage für den Mäheinsatz geplant. Und langfristige Vision von Blühendes Österreich ist sicherlich, dass auch wieder BäuerInnen die Bewirtschaftung aufnehmen.

Autorin: Manuela Achitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Blühendes Österreich

 

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