Die Handelsketten der REWE Group ersetzen ab heuer das Plastiksackerl an der Kasse mit Alternativen aus Papier, Naturfasern und recycelten PET-Flaschen. Unter anderem zum Schutz der Gewässer. Wie es um die heimischen Flüsse und Seen steht und warum Wasser essenziell ist, verrät Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes.

BILLA, MERKUR, PENNY, ADEG und BIPA ersetzen ab heuer das Plastiksackerl an der Kasse mit Alternativen aus Papier, Naturfasern und recycelten PET-Flaschen. Unter anderem zum Schutz der Gewässer. Wie es um die heimischen Flüsse und Seen steht und warum Wasser essenziell ist, verrät Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer des Umweltbundesamtes.

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Karl Kienzl

Es ist allgemein bekannt: Plastik und Mikroplastik verschmutzen die Weltmeere. Wie sieht die Situation in österreichischen Gewässern aus?

Wir haben uns das 2014 in einer Studie am Beispiel der Donau angesehen und den Plastik- und Mikroplastikanteil in der gesamten Wassermenge der Donau innerhalb eines Jahres erhoben. Immerhin verlassen rund 80 Prozent des österreichischen Oberflächen-Wassers das Land über die Donau. Als Mikroplastik haben wir in diesem Fall Plastikteilchen mit einer Größe ab einem halben Millimeter definiert. Wenn die Donau von Deutschland ins Land kommt, transportiert sie bereits 14 Tonnen Plastik mit. Wenn sie Österreich wieder Richtung Ungarn verlässt, verlassen rund 40 Tonnen Plastik das Land. Innerhalb eines Jahres kommen also in Österreich rund 26 Tonnen Plastik in die Donau.

Ist das viel?

Wenn wir das mit anderen Staaten vergleichen, ist das wenig. Dennoch ist natürlich jede Tonne Plastik im Wasser eine Tonne zu viel.

Um welche Art von Plastik handelt es sich?

90 Prozent stammt aus diffusen Quellen. Das sind durch Wind und Wetter zerfallene Teilchen von Plastikflaschen, Plastiksackerl, Kunststoffpartikelchen, die über den Wind ins Wasser kommen, über den Regen in den Abfluss, über die Klospülung in die Kläranlage. Größere Teile werden natürlich in den Kläranlagen herausgefiltert, aber so genannte Mikrobeads, also Kunststoffzusätze, die wir insbesondere in Kosmetika finden und die kleiner als 0,5 Millimeter sind, gehen durch die Kläranlagen durch.

Wodurch werden unsere Gewässer denn sonst noch verschmutzt?

Grundsätzlich muss man sagen: In Österreich haben wir eine sehr gute Wasserqualität. Die Quellen unserer Berge sind ein wahrer Schatz. Der Anschlussgrad an die Kläranlagen liegt bei 95 Prozent – das ist extrem hoch. Industriebetriebe haben meist ihre eigenen Kläranlagen, die regelmäßig geprüft werden, und wir haben ein sehr strenges Wassergesetz – auch für Abwässer. Wenn es noch zu Verschmutzungen kommt, dann sind das Einzelfälle, wenn etwa die entsprechende Wartung der Abwasserrohre nicht durchgeführt wurde.

Österreich ist sehr stolz auf seine Wasserqualität. War unser Wasser immer schon so sauber?

Oh nein, das war in den 70er-Jahren ganz anders. Damals war die Gefahr, dass unsere Badeseen kippen, sehr groß. Nitrat, Phosphat, Stoffe aus Düngern aus der Landwirtschaft und aus privaten Gärten haben damals zu einem enormen Algenwachstum in den Seen geführt. Das war eine Gefahr für den Tourismus. Deshalb wurden in den 70ern Ringleitungen rund um die Gewässer gelegt, wo die Abwässer gesammelt und in der kommunalen Kläranlage gereinigt werden. Heute haben 75 Prozent unserer Flüsse und Seen eine sehr gute oder gute stoffliche Qualität. Die ökologische Qualität unserer Flüsse ist nicht so optimal, also deren Uferstruktur oder Begradigungen, die die Fließgeschwindigkeit stark beeinflusst. . Nur wenn die Struktur auch passt, dann kann dort ein funktionierendes Ökosystem vorhanden sein, können etwa Fische laichen. Aber das ist ein anderes Thema.

„Die Lebensmittelverschwendung ist ein viel größerer Schadensfaktor für das Wasser als ein Plastiksackerl.“

Inwiefern beeinflusst der Handel die Qualität unserer Gewässer?

Wie hoch der Anteil des Handels an unseren Abwässern ist und wie diese die Wasserqualität verändern, dazu gibt es keine Zahlen. Wo der Handel jedoch Einfluss hat, ist bei der Aufklärung der Konsumentinnen und Konsumenten. Abfälle etwa, die entsorgt werden, tragen indirekt zur Wasserverschmutzung bei. 30 bis 40 Prozent der Lebensmittel werden heute weggeschmissen, das sind 30 bis 40 Prozent an Lebensmittel für deren Produktion Pestizide, Nährstoffe, Fläche genutzt wurde – und die man hätte verhindern können. Der Lebensmitteleinzelhandel kann deshalb darauf setzen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, indem er etwa Wunderlinge anbietet oder weniger Aktionen setzt, die Lebensmittel billig verschleudern. Er kann auch darauf hinweisen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nur eine Richtlinie ist und kein Zeitpunkt, das Lebensmittel wegzuschmeißen. Die Lebensmittelverschwendung ist eigentlich ein viel größerer Schadensfaktor für das Wasser als Plastiksackerl.

Welchen Einfluss haben Konsumentinnen und Konsumenten auf unser Wasser?

Bei uns herrscht leider oft die Devise: Ist etwas schlecht, ab ins Klo damit. Aber: Alles was über die Klospülung ins Abwasser geht, kann über den Klärschlamm und über den Boden letztlich auch ins Grundwasser kommen. Da kommt es dann immer darauf an, wie gut die Kläranlage ist. Besonders schädlich sind Substanzen wie beispielsweise endokrine Disruptoren, also hormonaktive Substanzen aus Kosmetika, Weichmacher für Kunststoffe oder Kunststoff-Mikrobeads in kosmetischen Hautpeelings, die ins Abwasser gelangen. Diese Mikrobeads haben Ecken und Kanten und können, so sie ins Wasser kommen, die inneren Organe von Fischen und Muscheln schädigen. Der Handel könnte da auch auf die Konsumierenden Einfluss nehmen, indem er Produkte auszeichnet, die diese Schadstoffe nicht aufweisen. Es gibt biologische Stoffe, die diese Mikrobeads ersetzen können. Beim Peeling etwa Holzpartikel. Die kann die Natur auch wieder rascher abbauen.

„Der Mensch besteht bei seiner Geburt zu 85 Prozent aus Wasser. Wenn dieser Anteil verschmutzt ist, ist das ein essenzieller Schaden für den Menschen.“

Kann denn verschmutztes Wasser generell wieder komplett sauber werden?

Natürlich! Wenn ein Schadstoff aus dem Wasser draußen ist, und nachfließendes Wasser nicht belastet ist dann wird das Gewässer wieder sauber.

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Warum ist gerade sauberes Wasser so wichtig für den Menschen?

Der Mensch besteht bei seiner Geburt zu 85 Prozent aus Wasser, muss ich noch mehr sagen? Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. Wenn Wasser verschmutzt ist, dann ist das ein essenzieller Schaden für den Menschen. Wir nehmen Wasser überall zu uns – nicht nur wenn wir es direkt aus der Leitung trinken, sondern auch mit Lebensmitteln - mit der Suppe, mit dem Fruchtsaft. Wenn  das darin enthaltene Wasser mit Schadstoffen belastet ist, etwa mit endokrinen Substanzen, kann das Auswirkungen auf die Gesundheit haben, so kann  unser Hormonhaushalt gestört werden. Für eine gesunde Ernährung und für unsere Gesundheit ist sauberes Wasser essenziell! Aber natürlich auch für das Ökosystem. Ist das Wasser verseucht, kommt das ganze Ökosystem ins Wanken. Das Gespräch führte Maria Schoiswohl.

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